Zürich – Obwohl Bundespräsident Guy Parmelin bei seiner jüngsten Reise nach Washington keinen Durchbruch in den Verhandlungen um ein Handelsabkommen erreicht hat, sieht der Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, Rahul Sahgal, das nicht tragisch: «Unter den gegebenen Umständen würde ich sagen: Die Schweiz hat das Maximum herausgeholt.»
Entscheidend sei momentan nicht, ob die Schweiz ein formelles Abkommen habe oder nicht, sondern welche Zölle Ende Juli tatsächlich gelten würden, sagte Sahgal in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Mittwoch. Mittelfristig brauchen wir ein verbindliches Handelsabkommen, schon aus Gründen der Rechtssicherheit und WTO-Konformität.
Aber bei der Trump-Regierung sehe man auch: «Entscheidend ist weniger, ob sie etwas unterschrieben hat oder nicht, als was sie politisch erreichen will.»
Trump sage im Grunde: «Es spielt keine Rolle, ob ein Handelsabkommen besteht oder nicht. Er ist am Resultat interessiert, nicht am Prozess», sagte Sahgal.
Schweiz am kürzeren Hebel
Die Schweiz sitze am kürzeren Hebel, gestand der Handelskammer-Chef ein: «Aber bisher haben sich die Amerikaner an die Absichtserklärung gehalten. Bei den Pharmazöllen beispielsweise haben Schweizer Firmen nur 15 Prozent Zölle erhalten statt wie andere Länder 100 Prozent. Das ist schon bemerkenswert.»
Er rechne nicht damit, dass es in diesem Jahr noch zu einem verbindlichen Abkommen der Schweiz mit den USA komme. «Die Amerikaner sind derzeit stark absorbiert. Es fehlt nicht nur an Zeit, sondern vielleicht auch am politischen Appetit», sagte Sahgal.
«Im Moment würde ich gar nicht sagen, dass ein verbindliches Abkommen zwingend der beste Weg wäre. Wenn wir Ende Juli wissen, dass für die Schweiz maximal 15 Prozent gelten, ist das zunächst einmal das Wichtigste», sagte der Handelskammer-Chef.
«Dann haben wir Ruhe, die Amerikaner haben Ruhe – und sie können sich um die wirklich grossen Themen kümmern: China, Iran, Russland oder die Zusammenarbeit mit der EU», sagte Sahgal. Die Schweiz sei nicht das Problem der USA. Und im Herbst könne man immer noch über ein formelles Abkommen sprechen. (awp/mc/pg)
