Lindt-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner schliesst Rücktritt aus

Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident Lindt & Sprüngli. (Copyright Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG)

Kilchberg ZH – Lindt-&-Sprüngli-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner will in der aktuell schwierigen Lage nicht zurücktreten. «Ich bin überzeugt, dass ich einen wesentlichen Beitrag leisten kann, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen», sagte er der «NZZ am Sonntag».

Sobald dies gelungen sei, wolle er sich dem nächsten Lebensabschnitt zuwenden. Der 80-Jährige sei sich der Diskussionen um sein Alter bewusst. «Wenn der Verwaltungsrat zu dem Schluss käme, dass ich keinen Mehrwert mehr leiste, würde ich sofort gehen – aber nicht bloss wegen meines Alters», sagte er im Interview.

Tanner räumte ein, dass Lindt die Reaktion der Kundschaft auf die massiven Preiserhöhungen unterschätzt habe. Besonders in Deutschland und der Schweiz seien die Produkte für viele Konsumenten zu teuer geworden. Markttests hätten ursprünglich darauf hingedeutet, dass die Kundschaft bereit sei, deutlich höhere Preise zu bezahlen. Dies habe sich in einigen Ländern als Fehleinschätzung erwiesen.

«Tut weh, Produkte im Ausverkauf zu sehen»
«Es tut mir weh, unsere Produkte im Ausverkauf zu sehen», sagte Tanner. Rabattaktionen seien derzeit aber nötig, um die Kundschaft auf Preissenkungen aufmerksam zu machen. Sobald sich der Kakaopreis wieder auf einem normalen Niveau einpendle, sehe er die Möglichkeit, die Preise dauerhaft zu senken. Entscheidend sei nun, dass das Absatzvolumen im kommenden Jahr wieder wachse und Lindt Marktanteile gewinne.

Einen konzernweiten Stellenabbau schloss Tanner aus. In ein bis zwei Jahren werde Lindt eher mehr Mitarbeitende beschäftigen als die derzeit rund 15’000. Zum vorzeitigen Abgang von Konzernchef Adalbert Lechner sagte Tanner, der Führungswechsel sei nötig gewesen, um rasch wieder Planungssicherheit zu schaffen. Lechner wäre ohnehin in rund einem Jahr pensioniert worden. Der frühere Konzernchef Dieter Weisskopf übernimmt die Leitung interimistisch. Bei der Suche nach einem definitiven Nachfolger würden auch externe Kandidaten berücksichtigt. (awp/mc/ps)

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