Migros-Gewinn durch Verkauf von kriselnden Geschäftsteilen belastet

Migros-CEO Fabrice Zurbrunnen. (Foto: Migros)

Zürich – Das Geschäftsergebnis 2019 der Migros wurde erheblich durch den Verkauf der Dekoartikel-Ladenkette Gries Deco belastet. Und auch im laufenden Jahr dürften weitere Unternehmensverkäufe sowie die Corona-Krise auf das Ergebnis der Migros drücken.

Der Gruppengewinn der Migros belief sich 2019 auf 335 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr betrug der Überschuss noch 475 Millionen Franken. Hauptgrund für den Gewinnrückgang ist der Verkauf von schlecht laufenden Geschäftsteilen wie etwa der Warenhauskette Globus oder der Interio-Möbelhäuser, den die Migros Mitte letzten Jahres beschlossen hatte.

Mit diesem Schritt will sich der Grossverteiler stärker auf sein Kerngeschäft fokussieren und – wie er am Dienstag schreibt – die Ressourcen «dort investieren, wo dies den Kundinnen und Kunden besser zugutekommt».

Der Verkauf von Tochtergesellschaften führte nun erst einmal zu Verlusten. 2019 hat die Migros gemäss Geschäftsbericht durch den Verkauf von Unternehmensteilen – letztes Jahr hat man sich namentlich von der deutschen Gries-Deco-Gruppe mit der Marke Depot getrennt – einen Abschreiber von 485 Millionen Franken eingefahren.

Dies belastet das Ergebnis der Migros signifikant. Das Betriebsergebnis (EBIT) belief sich gerade einmal noch auf 201 Millionen Franken. 2018 lag dieses noch bei 651 Millionen Franken, 2016 noch bei 911 Millionen Franken.

Operative Fortschritte
Die Migros weist im Mediencommuniqué vom Dienstag allerdings auf operative Fortschritte dank «umfassenden erfolgreich umgesetzten Massnahmen entlang der Wertschöpfungskette» hin. Diese hätten dazu geführt, dass der EBIT unter Ausschluss der Firmenverkäufe um 5,5 Prozent auf 686 Millionen Franken angestiegen sei.

Bereits im Januar bekannt gegeben hat die Migros-Gruppe ihre Umsatzzahlen. Insgesamt setzten die Migros-Genossenschaften und die zum Migros Genossenschaftsbund gehörenden Unternehmen 28,7 Milliarden Franken um. Gegenüber 2018 entspricht das einem Plus von 0,7 Prozent.

Gestiegen sind dabei die Umsätze im Onlinehandel, im Conveniencegeschäft sowie bei der Discount-Tochter Denner, während auf der anderen Seite die Umsätze in den Supermärkten – auch aufgrund von Preissenkungen – rückläufig waren.

Corona-Virus dürfte Geschäftsgang belasten
Über die weitere Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr äussert sich die Migros nicht konkret. Im Geschäftsbericht ist lediglich davon die Rede, dass der Ausblick für die gesamtwirtschaftliche Situation der Schweiz mit etlichen Unsicherheiten behaftet sei.

Die grösste Unsicherheit dürften dabei die Folgen der Corona-Krise auf den Geschäftsgang sein. Zwar verzeichnet die Migros im Lebensmitteldetailhandel derzeit eine Nachfragesteigerung. Diese führt aber auch zu Mehrkosten bei Betrieb, Reinigung und Logistik. Zudem werden auch viele andere Geschäftsbereiche der Migros-Gruppe durch die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus hart getroffen. So dürften Non-Food-Geschäfte wie zum Beispiel SportXX, Micasa oder Hotelplan markante Umsatz- und Gewinneinbussen hinnehmen müssen.

Aber auch die Vergangenheit dürfte die Migros und deren Geschäftsergebnis 2020 weiter prägen. So erfolgt der Verkauf der Warenhauskette Globus an die Luxuswarenhausgruppe des österreichischen Signa-Konzerns und damit verbundene Verluste erst im Laufe dieses Jahres. Und auch die Abwicklung der Marke Interio könnte das Ergebnis belasten.

Ausserdem schwelt auch die Affäre um Damien Piller, den Präsidenten der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg, weiter. Dieser steht im Verdacht, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) hat deshalb eine Strafanzeige gegen Piller wegen Verdacht auf ungetreue Geschäftsführung eingereicht. (awp/mc/ps)

Migros-Gruppe

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