Vevey – Bei Nestlé haben im dritten Quartal 2026 Katzen und die Hitze in Europa das Wachstum angekurbelt. Harziger lief dagegen das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln und Babynahrung. Nachfolgend eine Übersicht über die Wachstumstreiber und Bremsklötze:
Welche Produktkategorien wuchsen besonders stark?
Besonders Wasser- und Heimtierprodukte waren im dritten Jahresviertel gefragt, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte. Wasser wuchs mit 12,3 Prozent organisch beinahe doppelt so schnell wie noch im zweiten Quartal – und fast viermal so schnell wie im ersten. Besonders der Hitzesommer in Europa liess die Konsumenten vermehrt nach Mineralwasser wie Sanpellegrino und Perrier greifen.
Künftig werden die Umsätze des Wassergeschäfts aber nicht mehr vollumfänglich in das Gruppenergebnis einfliessen – Nestlé hat im Sommer angekündigt, die Sparte in ein Gemeinschaftsunternehmen Peranel mit der US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity auszulagern.
Nach dem Wassergeschäft wuchs die Heimtiersparte mit organisch 5,3 Prozent am zweitschnellsten. Damit beschleunigten sich die Verkäufe in diesem Bereich deutlich von 2,8 beziehungsweise 2,7 Prozent in den ersten beiden Quartalen. Vor allem beim Katzenfutter räumten die Tierhalter die Ladenregale leer.
Welche Produkte verkauften sich schlechter?
Mit Abstand das kleinste organische Wachstum (+0,3%) verbuchte Nestlé mit dem Bereich Nutrition. Die Mengenentwicklung war sogar um 1,1 Prozent rückläufig. Nach schrumpfenden Umsätzen im ersten Quartal und einer leichten Erholung im zweiten kommt das Geschäft damit nach wie vor nicht auf Touren.
Einerseits wirkte hier immer noch der im Dezember 2025 erfolgte Rückruf von Säuglingsnahrung etwas nach. Dieser hat das Wachstum laut Nestlé um 20 Basispunkte geschmälert. Aber auch Produkte für Erwachsene, Kinder und Familien – sprich Nahrungsergänzungsmittel – schwächelten.
Vom Mainstream-Geschäft mit Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln trennt sich Nestlé bekanntlich demnächst: Das sogenannte VMS-Geschäft geht zu einem Preis von 1,0 Milliarden US-Dollar an die US-amerikanische Private-Equity-Firma Yellow Wood Partners.
Im dritten Quartal habe der Nutrition-Bereich sein Potential noch nicht ausschöpfen können, sagte Finanzchefin Anna Manz gemäss Redetext. Dort sehe man aber noch grosse Chancen. Zudem gab es auch hier Lichtblicke: So konnte Medical Nutrition das sechste Quartal in Folge sein Wachstum beschleunigen. Dieser Teilbereich umfasst etwa Nahrung für Menschen, die sich an besondere Diäten halten müssen oder über eine Sonde ernährt werden.
Wie lief es in den Regionen?
Vor allem in der Zone AMS, die Nord- und Lateinamerika umfasst, zog das Tempo an. In Nordamerika erhöhte sich das Wachstumstempo auf 2,6 Prozent von 1,5 Prozent in den Vorquartalen. Trotz anhaltender Schwäche in einigen Konsumsegmenten hätten unter anderem gezielte Investitionen zu einer Verbesserung geführt, schreibt Nestlé. Zudem erholte sich dort unter anderem Kaffeegeschäft schrittweise von den kürzlichen Preiserhöhungen.
Ebenfalls Fortschritte kann Nestlé in China vermelden. Im Sommer vor einem Jahr hatte Nestlé in China nach einer längeren Wachstumsschwäche durchgegriffen und einen Grossumbau eingeleitet. Im Zuge der Reorganisation baute der Konzern dort auch übermässige Lagervorräte ab, was zu massiven Einbrüchen im organischen Wachstum führte.
Seit dem zweiten Quartal kann Nestlé nun wieder Wachstum vermelden, zunächst 2,0 Prozent und nun 4,2 Prozent. Allerdings gibt es noch keine Entwarnung: Zwar habe sich die zugrunde liegende Geschäftsentwicklung verbessert, heisst es in der Mitteilung. Aber das Wachstum reflektiere auch die niedrige Vergleichsbasis. Die Marktbedingungen blieben herausfordernd. (awp/mc/pg)
