Putin stellt russische Nestlé-Beteiligungen unter Fremdverwaltung

Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: Brics 2024)

Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: Brics 2024)

Moskau/Vevey – Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé verliert die Kontrolle über einen Teil seines Russland-Geschäfts. Präsident Wladimir Putin hat zwei Nestlé-Gesellschaften unter eine vorübergehende russische Verwaltung gestellt. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten russischen Präsidialdekret hervor.

Betroffen sind Nestlé Russia und Nestlé Kuban. Die von Nestlé-Gesellschaften in der Schweiz und Deutschland gehaltenen Anteile werden vollständig von der russischen Firma L.E.V. Management verwaltet. Nestlé bleibt zwar Eigentümer, kann aber vorerst nicht mehr selbst über die Beteiligungen bestimmen.

Dasselbe Schicksal trifft unter anderen den französischen Detailhandelskonzern Auchan sowie Lemana Pro, das frühere Russland-Geschäft der französischen Baumarktkette Leroy Merlin. Auch deren Beteiligungen werden laut Dekret von L.E.V. Management verwaltet.

Nestlé prüft Situation
Was die Massnahme konkret für Nestlé bedeutet, ist noch offen. «Wir prüfen derzeit noch die Fakten», sagte ein Nestlé-Sprecher der Nachrichtenagentur AWP auf Anfrage. Weitere Angaben machte er zunächst nicht.

Der Schritt hatte sich allerdings angekündigt. Bereits im August hatte das russische Unternehmen KS Logistika Putin aufgefordert, fünf russische Nestlé-Gesellschaften unter Fremdverwaltung zu stellen. KS Logistika begründete den Antrag unter anderem damit, dass Nestlé seine Produktionskapazitäten in Russland nicht ausbaue und keine in Russland hergestellten Waren mehr exportiere.

Neben Nestlé Russia und Nestlé Kuban waren damals auch Cereal Partners Rus, CPB Nestlé und Atrium Innovations Rus genannt worden. Die drei letztgenannten Gesellschaften sind im nun veröffentlichten Dekret nicht aufgeführt.

Nestlé hatte im August erklärt, von staatlichen Stellen nicht kontaktiert worden zu sein. Ein Rückzug aus Russland sei kein Thema, hiess es damals.

Russland steht für 2 Prozent des Nestlé-Umsatzes
Nestlé erwirtschaftet in Russland rund 2 Prozent des Konzernumsatzes. Das Unternehmen betreibt dort sechs Produktionsstandorte und stellt unter anderem Kaffee, Süsswaren, Babynahrung und Tierfutter her.

Die Analysten der US-Grossbank JPMorgan hatten im August vor möglichen finanziellen Folgen gewarnt. Sollte Nestlé zu einem Verkauf gezwungen werden und dabei kaum einen Erlös erzielen, könnte dies den Gewinn je Aktie um rund 3 bis 4 Prozent schmälern. Die Bank rechnete zudem damit, dass der Druck auf Nestlé steigen könnte, sich vollständig aus Russland zurückzuziehen.

Nestlé hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 entschieden, sein Russland-Geschäft trotz Kritik nicht vollständig einzustellen. Der Konzern begründete dies damit, als Lebensmittelhersteller auch in Konfliktregionen die Bevölkerung weiterhin mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen zu wollen. Andere westliche Konsumgüterkonzerne wie Barry Callebaut, L’Oréal und Beiersdorf sind ebenfalls weiterhin in Russland tätig.

Danone und Carlsberg als Vorbilder
Russland nutzt das Instrument der vorübergehenden Verwaltung seit 2023, um die Kontrolle über Vermögenswerte ausländischer Unternehmen zu übernehmen. Nestlé ist dabei kein Einzelfall.

So verlor der französische Lebensmittelkonzern Danone 2023 die Kontrolle über sein Russland-Geschäft. Danone verkaufte es 2024 schliesslich für rund 180 Millionen Euro und verbuchte insgesamt einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

Ähnlich erging es dem dänischen Brauereikonzern Carlsberg. Auch dessen Russland-Geschäft wurde 2023 unter staatliche Verwaltung gestellt. Ende 2024 schloss Carlsberg den Rückzug mit einem Management-Buyout über 320 Millionen Dollar ab. Der niederländische Brauer Heineken wiederum verkaufte seine russische Tochter für den symbolischen Preis von einem Euro und verbuchte einen Verlust von insgesamt 300 Millionen Euro. (awp/mc/pg)

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