Schweizer Hotellerie verliert zur Jahresmitte weiter an Schwung

Hotellerie

(Bild KI-generiert Adobe Photoshop)

Neuenburg – Die Schweizer Hotellerie hat im Juni den vierten Monat in Folge weniger Logiernächte verzeichnet. Besonders deutlich brach die Nachfrage aus Indien, den Golfstaaten und weiteren asiatischen Märkten ein – eine Entwicklung, zu der auch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten beigetragen haben dürften. Trotz starkem Jahresbeginn ist die Bilanz nach dem ersten Semester insgesamt negativ.

Wie aus den am Dienstag veröffentlichten Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervorgeht, wurden im Juni 2026 4,1 Millionen Logiernächte gezählt. Das sind 2,2 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr ging die Zahl der Übernachtungen damit um 0,7 Prozent auf 20,3 Millionen zurück.

Östliche Fernmärkte belasten
Für den Rückgang sind in erster Linie die ausländischen Gäste verantwortlich. Deren Logiernächte sanken im ersten Halbjahr um 2,0 Prozent auf 10,2 Millionen. Demgegenüber stiegen die Übernachtungen der inländischen Gäste um 0,7 Prozent auf 10,1 Millionen. Damit hielten sich die Logiernächte von in- und ausländischen Gästen nahezu die Waage.

Auffällig ist dabei vor allem die Schwäche der östlichen Fernmärkte: So brach die Zahl der Logiernächte von Gästen aus Indien um gut einen Viertel auf 279’000 ein. Auch aus den Golfstaaten, Südkorea und China kamen deutlich weniger Besucher in die Schweiz. Der Rückgang bei diesen Gästegruppen dürfte unter anderem mit den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und den Einschränkungen im Flugverkehr zusammenhängen.

USA bleiben Wachstumstreiber
Ein Lichtblick blieb die Nachfrage aus den USA. Die Zahl der Logiernächte stieg im ersten Halbjahr um 2,1 Prozent auf den Rekordwert von 1,63 Millionen. Damit festigten die Vereinigten Staaten ihre Stellung als zweitwichtigster Auslandsmarkt der Schweizer Hotellerie nach Deutschland.

Innerhalb Europas zeigte sich ein gemischtes Bild. Während die Nachfrage aus Spanien (+4,6%), Deutschland (+1,1%) und Italien (+0,8%) zunahm, gingen die Logiernächte aus den Niederlanden (-4,5%), Frankreich (-1,0%) und Grossbritannien (-0,4%) zurück. Unter dem Strich blieb Europa damit leicht im Plus.

Tessin stärkste Region
Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Am stärksten zulegen konnte das Tessin, das im ersten Halbjahr ein Plus von knapp 5 Prozent verzeichnete. Die südlichste Tourismusregion dürfte dabei auch von der anhaltend starken Nachfrage von Schweizer Gästen profitiert haben. Dank einer erfolgreichen Wintersaison schnitten auch Graubünden und das Wallis im ersten Semester überdurchschnittlich ab.

Rückläufig war die Nachfrage dagegen in den grossen Städtedestinationen, insbesondere in Zürich und Basel. Auch die Regionen Bern und Luzern blieben hinter dem Landesdurchschnitt zurück. Dort dürfte sich die rückläufige Nachfrage aus den asiatischen Fernmärkten besonders bemerkbar gemacht haben.

Nach drei Rekordjahren in Folge seit dem Ende der Corona-Pandemie droht der Schweizer Hotellerie auf Jahressicht damit erstmals wieder ein Dämpfer. Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, dürfte der Rekordwert von 42,8 Millionen Logiernächten aus dem Vorjahr kaum zu übertreffen sein. (awp/mc/ps)

Exit mobile version