Biel – Rückschlag für die Schweizer Uhrenindustrie: Nach einem guten Februar sind im März die Exporte wieder leicht zurückgefallen. Analysten erwarten weiterhin keinen klaren Aufschwung.
Im März gingen die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf rund 2,1 Milliarden Franken zurück. Die exportierte Stückzahl nahm zu, während der Gesamtwert der exportierten Zeitmesser leicht sank.
Dabei kam es zu einer klaren Verschiebung innerhalb der Preissegmente. Uhren im mittleren Preisbereich zwischen 200 und 500 Franken entwickelten sich deutlich besser als hochpreisige Modelle. Dies deute auf eine Abschwächung im klassischen Luxussegment hin, das in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen war, hiess es von Analysten.
Wichtiger US-Markt rückläufig
Bei den wichtigsten Absatzmärkten zeigte sich ein gemischtes Bild: Die USA als mit Abstand grösster Markt verzeichneten einen leichten Rückgang um 1,6 Prozent. Gemäss Analysten ist die Entwicklung jedoch schwer zu interpretieren, da Zölle und Lagerbewegungen weiterhin zu starken Schwankungen führten.
Deutlich nach oben schoss hingegen Frankreich mit einem Plus von über 70 Prozent – allerdings wegen verstärkter Wiederausfuhren und nicht wegen einer stärkeren Nachfrage vor Ort. Analysten sprechen hier von Verzerrungen durch Umlenkungseffekte innerhalb Europas.
Zuwächse gab es auch im Vereinigten Königreich, in China, Singapur und minim auch in Hong Kong, während Japan und Deutschland deutliche Einbussen verbuchten. Experten sehen eine Stabilisierung aber noch keine kräftige Erholung in China und Hongkong.
Das gesamte Quartal deute darauf hin, dass wichtige Märkte wie China, Hongkong und Japan die Talsohle erreicht hätten, teilte der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) mit.
Für das erste Quartal ergab sich bei den Uhrenexporten unter dem Strich nämlich ein Plus von 1,4 Prozent auf 6,2 Milliarden Franken. Nach einem verhaltenen Start ins Jahr im Januar war vor allem der Februar mit einem Plus von 9,2 Prozent stark.
Erste Spuren des Nahost-Konflikts
Der Konflikt im Nahen Osten zeigt sich bislang nur begrenzt in den offiziellen Exportdaten. Zwar blieben die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate stabil, Saudi-Arabien und Katar hingegen verzeichneten deutliche Rückgänge.
Die Bank Vontobel mahnte in einem Kommentar allerdings, die Exportzahlen seien trügerisch, was die tatsächliche Kundennachfrage angehe. Der zuständige Analyst verwies auf deutlich schwächere Abverkaufszahlen grosser Luxuskonzerne in der Region mit Einbrüchen von rund 50 Prozent, was auf eine bereits spürbar schwächere Nachfrage infolge des Konflikts und geringerer Touristenströme hindeute.
Insgesamt rechnen Analysten auch in den kommenden Monaten mit volatilen Daten. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, schwankender Konsumentenstimmung und verzerrenden Sondereffekten dürfte das Bild weiterhin unruhig halten. (awp/mc/ps)
