Bern – Die Schweizer Wirtschaft ist im Schlussquartal 2025 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Dies zeigt sich am Bruttoinlandprodukt (BIP), das im vierten Quartal auf bereinigter Basis zum Vorquartal real um 0,2 Prozent gestiegen ist.
Im Schlussquartal wies der Dienstleistungssektor ein verhaltenes Wachstum aus, der Industriesektor stagnierte, wie aus der am Montag publizierten Erstschätzung des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco) hervorgeht. Die Zahl liegt im Rahmen der Expertenschätzungen, die gemäss Umfrage der Nachrichtenagentur AWP in der Bandbreite von +0,1 Prozent bis +0,4 Prozent lagen.
Chef-Ökonom Reto Cueni von der Bank Syz wertet das Schweizer Wirtschaftswachstum als «nicht berauschend, aber beruhigend». Es wies darauf hin, dass die hiesige Wirtschaft den Zoll-Hammer aus den USA einigermassen verkraften konnte.
«Zollhammer» hinter sich gelassen
Tatsächlich hat die Wirtschaft den Zollschock aus dem dritten Quartal damit hinter sich gelassen, auch wenn sie den Rückgang nicht kompensieren konnte. Zur Erinnerung: Wegen des Zollhammers von US-Präsident Donald Trump war die hiesige Wirtschaft im Herbst deutlich ins Minus gerutscht. Das BIP war um 0,5 Prozent rückläufig und damit deutlich schlechter ausgefallen als damals erwartet.
Für den Chef-Ökonomen der VP-Bank, Thomas Gitzel, zeigen die Zahlen, dass sich exportorientierte Länder im gegenwärtigen Umfeld schwertun. Arthur Jurus von Oddo BHF ergänzt, dass die begrenzte Dynamik einen stagnierenden Industriesektor widerspiegele, «insbesondere eine sehr geringe bis negative Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie, während die Dienstleistungen den Hauptbeitrag zum vierteljährlichen Wachstum lieferten.»
Wachstum 2025 weiter unter Durchschnitt
Für das Gesamtjahr 2025 ergibt sich laut der ersten Seco-Schnellschätzung ein reales BIP-Wachstum von 1,4 Prozent nach 1,2 Prozent im Jahr davor. Dies liegt deutlich unter dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum der Schweiz, das laut Seco ab 1981 bei 1,8 Prozent lag.
Das herausfordernde internationale Umfeld habe die exportorientierte Industrie im letzten Jahr gebremst, während der Dienstleistungssektor im historischen Vergleich überdurchschnittlich zulegte, so das Seco. Zudem hätten seit Anfang 2025 die höheren US-Zölle und die damit verbundene Unsicherheiten die Entwicklung beeinflusst. Und auch vom aufgewerteten Franken gingen im vergangenen Jahr laut Seco bremsende Effekte aus.
Für Daniel Hartmann, Chef-Ökonom von Bantleon, ist das BIP von 1,4 Prozent «angesichts der internationalen Turbulenzen – und der zwischenzeitlich extrem hohen US-Strafzölle von 39 Prozent – beachtlich». Obwohl viel stärker vom Export abhängig, sei die Schweiz mithin genauso stark wie die Eurozone gewachsen und halte sich nach wie vor viel besser als Deutschland (Wachstum: 0,3 Prozent in 2025).
Mit Blick auf das laufende Jahr gehen die Experten von einem verhalten positiven Wachstum aus. So zeige die deutsche Wirtschaft Belebungsanzeichen, wovon auch die eidgenössische Exportwirtschaft profitieren sollte, meint Gitzel von der VP Bank. «Für deutliche höhere Wachstumsraten wird es im Jahr 2026 aber vermutlich dennoch nicht reichen», lautet sein Fazit.
Die aktuellen Daten basieren auf einer Schnellschätzung des Seco nach 45 Tagen. Noch unvollständig verfügbare Grunddaten werden dabei mit prognostizierten Werten ergänzt. Die später verfügbaren vollständigen und aktualisierten Daten könnten das Ergebnis entsprechend noch etwas verändern. Die detaillierte erste Schätzung wird am 27. Februar publiziert. (awp/mc/pg)
