Stäfa – Sonova fokussiert sich auf sein Kerngeschäft mit Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Das Audiogeschäft für Endkunden soll verkauft werden. Zu diesem gehören auch die Aktivitäten der Firma Sennheiser, die gerade erst vor vier Jahren gekauft wurde.
Sonova wolle sich klarer ausrichten, teilte der Konzern aus Stäfa ZH am Montag mit. Denn Vertriebskanäle, Nachfragedynamiken und Entwicklungszyklen unterschieden sich von jenen des Kerngeschäfts. Das Consumer-Hearing-Geschäft funktioniert anders als das Hörgerätegeschäft.
Der zum Verkauf ausgeschriebene Bereich operiert unter der Marke Sennheiser und ist im Grunde die Konsum-Elektronik-Sparte des Konzerns. Sie beinhaltet also alles, was sich nicht direkt an Patienten mit Hörlösungen, sondern an normale Endkunden richtet.
Kopfhörer und «Einstiegs-Hörhilfen»
Die Sparte umfasst Audio-Produkte wie Premium-Kopfhörer, True-Wireless-Earbuds, Audiophile High-End-Geräte und Soundbars. Auch «Hörlösungen light» (sogenannte Hearables) dazu gehören. Sie verbessern etwa Sprache in lauter Umgebung, sind aber noch keine klassischen Hörgeräte.
Sonova hatte die Sparte mit dem Kauf der für ihre Kopfhörer berühmten Firma Sennheiser im Jahr 2022 gerade erst neu etabliert. Ziel war es, Kunden früher in der «Hörreise» abzuholen und langfristig ins Hörgerätegeschäft zu führen.
Neues Führungsduo greift durch
Nun also die Rolle rückwärts. Der Schritt trägt die Handschrift des neuen Führungsduos um Konzernchef Eric Bernard und Finanzchefin Elodie Carr-Cingari. Die beiden sind erst seit Juli vergangenen Jahres in ihren Funktionen.
Damit zieht der Marktführer offenbar auch die Konsequenzen aus einer veränderten Wettbewerbslandschaft. Denn das Umfeld im globalen Hörgerätemarkt hat sich zuletzt spürbar verändert. Die Nachfrage entwickelte sich verhaltener, während der Wettbewerb zeitgleich intensiver geworden ist.
Gleichzeitig erlebt die Branche eine Konsolidierungswelle, die die Kräfteverhältnisse neu ordnet. Hinzu kommt, dass Technologiekonzerne wie Apple den Markt über ihre AirPods und ähnliche Produkte ergänzen. Diese bieten Funktionen wie Geräuschunterdrückung oder Hörverstärkung und besetzen damit Teile des Einstiegssegments.
Akzeptanz verbessern
Analysten sprechen von einer wichtigen und richtigen strategischen Entscheidung. «Ganz in unserem Sinne», meint etwa Daniel Jelovcan von der ZKB. Das Consumer-Hearing-Geschäft, es trug rund 6 Prozent zum Gruppenumsatz von 3,87 Milliarden Franken im letzten Geschäftsjahr bei, weist laut Christian Moore von Bernstein deutlich tiefere Margen aus.
Sonova fokussiert sich also vollständig auf die Hörversorgung. Dieser verpasst das neue Management eine neue Strategie mit zentralen Prioritäten: Design, vernetzte Technologien und KI sollen stärker auf Anwenderfreundlichkeit und Funktionalität ausgerichtet werden. So will man die Akzeptanz von Hörlösungen verbessern.
Ambitionierte Ziele
Gleichzeitig will Sonova insbesondere in Asien durch erschwingliche Angebote weiter wachsen. Unter anderem so soll der Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2030/31 auf 6 Milliarden Franken wachsen.
Den Zahlen liegt die Annahme zugrunde, dass der Umsatz jährlich im Durchschnitt um 5 bis 10 Prozent zunimmt. Viel Rückenwind hat Sonova derzeit aber nicht: Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Wachstum am unteren Ende der Prognosespanne von 5 bis 9 Prozent.
Den Betriebsgewinn will Sonova bis zum Ende der Dekade jährlich um 7 bis 12 Prozent verbessern. Die neue Strategie geht also in die Richtung «mehr aus weniger herauszuholen».
Diese Ziele erscheinen Experten vor dem Hintergrund der aktuellen Marktabschwächung als «sehr ambitioniert». Sie schliessen daher wohl auch grössere Übernahmen ein. Auch die Börse hat ihr Urteil gefällt: Nach anderthalb Handelsstunden notieren die Sonova-Aktien um 8,2 Prozent tiefer. (awp/mc/ps)
