Ex-Lafarge-Chef wegen Terrorfinanzierung in Haft

Bruno Lafont

Bruno Lafont, ehemaliger Lafarge-Konzernchef. (Foto: Lafarge)

Paris – Ein ehemaliger Chef des französischen Zementkonzerns Lafarge, der heute zu Holcim gehört, ist wegen Terrorfinanzierung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Strafgericht in Paris verhängte am Montag gegen Bruno Lafont sechs Jahre Gefängnis und ordnete die sofortige Inhaftierung an.

Lafont hatte nach Ansicht des Gerichts gemeinsam mit der Firma und weiteren Verantwortlichen die Finanzierung von Terrorgruppen in Syrien in den Jahren 2013 und 2014 ermöglicht. Lafarge habe über seine syrische Tochtergesellschaft rund 5,6 Millionen Euro an dschihadistische Gruppen gezahlt, um den Betrieb eines Zementwerks im Norden Syriens aufrechtzuerhalten.

Empfänger der Gelder waren demnach unter anderem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die Gruppe Jabhat al-Nusra sowie Ahrar al-Sham gewesen. Laut Gericht handelte es sich um Zahlungen von «aussergewöhnlicher Schwere», die auch Anschläge ausserhalb Syriens mitfinanziert hätten.

Gericht: unehrlich und feige
Mit dem Urteil ging das Gericht über die Forderungen der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hinaus. Es kritisierte Lafonts Verhalten im Verfahren scharf und sprach von «Unehrlichkeit» und «Feigheit». Der 69-Jährige Firmenlenker, der angab, nichts von den Zahlungen gewusst zu haben, wurde noch im Gerichtssaal festgenommen.

Auch sein damaliger Stellvertreter Christian Herrault erhielt eine Haftstrafe von fünf Jahren. Er wurde ebenfalls sofort inhaftiert. Nach Ansicht der Richter führte er Verhandlungen mit der Terrormiliz, um für das Werk profitable Vereinbarungen zu treffen. Die Verteidigung kündigte umgehend Berufung an.

Millionen-Strafe und -Busse für Lafarge
Das Unternehmen Lafarge selbst wurde zu einer Geldstrafe von 1,125 Millionen Euro verurteilt. Zusätzlich muss es gemeinsam mit ehemaligen Führungskräften eine Zollbusse von 4,57 Millionen Euro wegen Verstosses gegen internationale Sanktionen zahlen. Das Gericht sprach von einer faktischen «Geschäftspartnerschaft» mit dem IS. Eine Einziehung von Vermögenswerten wurde jedoch nicht angeordnet.

Nach Darstellung der Richter dienten die Zahlungen dazu, Rohstoffe wie Treibstoff zu beschaffen sowie Sicherheitsgarantien zu erhalten, damit Mitarbeiter und Waren Kontrollpunkte passieren konnten. Langfristig habe das Unternehmen darauf gesetzt, beim Wiederaufbau Syriens eine dominante Marktstellung einzunehmen.

Die Strafen im Verfahren reichen von 18 Monaten Haft für einen norwegischen Sicherheitsmanager bis hin zu sieben Jahren gegen einen flüchtigen syrischen Vermittler, der die Kontakte zu den Gruppen organisiert hatte.

Terroropfer als Nebenkläger
Der Fall gilt als aufsehenerregendes Beispiel für die Verstrickung eines multinationalen Konzerns in den Syrien-Krieg. Während andere Unternehmen das Land wegen des Konflikts verliessen, hielt Lafarge den Betrieb seines Werks zunächst aufrecht – trotz erheblicher Risiken für die rund tausend Beschäftigten.

Im September 2014 wurde das Werk schliesslich überstürzt geräumt, als Kämpfer des IS vorrückten. Einen Tag später fiel die Anlage in deren Hände.

Verbände von Terroropfern wurden im Verfahren als Nebenkläger zugelassen. Sie sehen in dem Fall einen möglichen Baustein zur Finanzierung von Anschlägen, die in den folgenden Jahren auch Frankreich trafen. Darunter waren etwa die Attentate von 2015 in Paris oder 2016 in Nizza mit insgesamt über 200 Toten. (awp/mc/pg)

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