Von der industriellen Produktion zum Anbieter von textilen Lösungen

Textilien

(Foto: Pixabay)

St. Gallen – Die Textilindustrie befindet sich noch immer in einem starken Wandel. Swiss Textiles, der Verband der Textil- und Bekleidungsindustrie, hat an der Jahresmedienkonferenz in St. Gallen die Branchenzahlen 2016 präsentiert. Die Abnahme der industriellen Produktion in der Schweiz hat unter anderem damit zu tun, dass sich die Branche stark internationalisiert und spezialisiert hat und heute vermehrt textile Lösungen für neue Anwendungsgebiete anbietet. Der starke Franken hat diesen Wandel beschleunigt.

Rückgang der Wertschöpfung und der Exporte
Die Lage in der Textil- und Bekleidungsindustrie war auch im Jahr 2016 schwierig. Sowohl im Textil- wie auch im Bekleidungsbereich brach die Wertschöpfung um 6,2 Prozent bzw. um 5,2 Prozent ein. Die gesamte Wertschöpfung beträgt für das Jahr 2016 noch 908 Millionen Franken. Die Textilexporte verzeichneten ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 2,9 Prozent auf 1,06 Milliarden Franken. Auch die Bekleidungsexporte verringerten sich gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent auf 720 Millionen Franken. Die Bekleidungsexporte sind vom Verband bereinigte Zahlen. Die offiziellen Statistiken beinhalten bei den Bekleidungsexporten auch Rückwarensendungen an Online-Anbieter. So zeigte die Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung ursprünglich ein Exportwachstum. 57 Prozent des Bekleidungsexports waren jedoch reine Rückwarensendungen und nicht Verkäufe aus der Schweiz. «Dies zeigt, dass immer mehr Schweizerinnen und Schweizer online einkaufen, insbesondere im Ausland, und sie bestellen mengenmässig mehr, als sie brauchen», kommentiert Peter Flückiger die hohe Zahl der Rückwarensendungen, die sich in den Bekleidungsexporten niederschlägt.

Firmen fokussieren immer stärker
Nicht alle Produktgruppen waren vom Rückgang betroffen. Besonders im Bereich der technischen Textilien haben Produkte wie Bänder, beschichtete Stoffe, Seile, Netze, Heimtextilien und chemische Garne einen Exportzuwachs verzeichnet. «Die Firmen fokussieren immer stärker in Nischen und entwickeln Produkt- und Prozessinnovationen für neue Anwendungen», sagt Swiss Textiles-Präsident Andreas Sallmann. Die Branche ist heute in den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten wie Medizin, Transport, Architektur und Bau, Schutz und Sport tätig. Auch wenn die industrielle Produktion am Standort Schweiz zurückgeht, so bleibt die Branche innovativ und tritt vermehrt als Anbieter von textilen Lösungen auf – von der Forschung und Entwicklung, über das Design bis zu Dienstleistungen und Recycling.

Andreas Sallmann gab ausserdem bekannt, dass er an der Generalversammlung im Juni 2017 sein Amt als Präsident abgeben wird, weil die Laufzeit des Präsidialamts auf sechs Jahre beschränkt ist. (Swiss Textiles/mc/ps)

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