Zürich – Im Rennen um eine der renommiertesten Auszeichnungen für Startups setzte sich RTDT Laboratories gegen vier Mitfinalisten durch: Das Zürcher Startup gewinnt den ZKB Pionierpreis Technopark 2026 und erhält CHF 100’000 für seine Technologie zur Optimierung von Windkraftanlagen. Preise in Höhe von je CHF 10’000 gehen an die ebenfalls ausgezeichneten Start-ups GlycoEra und roboa. Auch CCRAFT und Unbound Potential zählten zu den Top fünf, die im Rahmen der Preisverleihung am 12. Mai im Technopark Zürich im Rampenlicht standen und ihre Technologien vor 350 Gästen live auf der Bühne präsentierten. Das Publikum wählte zudem aus allen Finalisten vor Ort per Saalvoting einen mit CHF 5’000 dotierten Publikumspreis, der an CCRAFT ging.
RTDT adressiert eine zentrale Herausforderung in der Windenergie. Das Startup hat mit «Aerosense» ein Sensorsystem entwickelt, das als flexibles, selbsthaftendes «Pflaster» auf Rotorblättern angebracht wird. Die integrierten Sensoren erfassen dynamischen Druck, Vibrationen und mechanische Belastungen unter realen Betriebsbedingungen. Die Technologie ermöglicht es erstmals, präzise Messdaten direkt vom rotierenden Blatt zu gewinnen und in einen digitalen Zwilling zu überführen. Auf dieser Basis können Betreiber und Hersteller von Windkraftanlagen Strömungsverhalten analysieren, Blattdesigns optimieren und Regelungsalgorithmen gezielt weiterentwickeln. Gleichzeitig liefert das System entscheidende Erkenntnisse zur Reduktion von Materialbelastung und Wartungskosten.
Die technischen Anforderungen sind hoch: Die Sensoren müssen extremen Wetterbedingungen und Rotationsgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h standhalten. Energie liefern integrierte Photovoltaikzellen, die Daten werden drahtlos übertragen und in der Cloud verarbeitet. Perspektivisch plant RTDT die automatische Rückkopplung der Analyseergebnisse in die Anlagensteuerung.
«Die Effizienz von Windkraftanlagen ist ein zentraler Hebel der Energiewende. RTDT überzeugt mit einer technologisch führenden Lösung, die Sensorik, KI-gestützte Analyse und Steuerung intelligent verbindet und damit sowohl Wirtschaftlichkeit als auch Lebensdauer der Anlagen signifikant verbessert. Von der visionären Grundidee über das anspruchsvolle Engineering markiert die Lösung eine technologische Pionierleistung», begründet Lothar Thiele, Juryvorsitzender, die Entscheidung der Jury.
Biotech-Innovation für neue Therapieansätze
Mit GlycoEra zeichnet die Jury ein Biotech-Unternehmen aus, das neue Wege in der Behandlung von Autoimmunkrankheiten beschreitet. Das Startup entwickelt sogenannte Protein-Degrader, biologische Moleküle, die krankmachende Proteine gezielt binden und über einen natürlichen Mechanismus in der Leber abbauen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Therapien, die das Immunsystem breit unterdrücken, ermöglicht der Ansatz eine selektive Entfernung schädlicher Proteine, ohne gesunde Funktionen zu beeinträchtigen. In Tests konnten Zielproteine innerhalb weniger Stunden um über 90 Prozent reduziert werden. Die klinische Phase 1 ist in Vorbereitung.
«Autoimmunerkrankungen zählen nach wie vor zu den weit verbreiteten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Das Unternehmen GlycoEra beschreitet hier mit dem selektiven Abbau der krankheitsauslösenden Autoantikörper einen neuen Weg und leistet mit diesem umgesetzten Adapter-Prinzip Pionierarbeit, die für viele Krankheitsbilder genutzt werden kann», erklärt Andreas Plückthun, Professor für Biochemie an der Universität Zürich und Jurymitglied.
Robotik für schwer zugängliche Infrastrukturen
Roboa entwickelt einen neuartigen Robotikansatz für die Inspektion und Erschliessung schwer zugänglicher Bereiche. Das System basiert auf einem Schlauch, der sich mittels Luftdrucks kontinuierlich nach vorne ausstülpt und so enge Rohrsysteme und komplexe Infrastrukturen ohne Reibung durchqueren kann.
Am Schlauchkopf können je nach Anwendung Kameras und Sensoren angebracht werden, etwa für Inspektionsaufgaben. Alternativ eignet sich das System für die Verlegung von Glasfaserkabeln über Distanzen von bis zu 200 Metern. Die Technologie befindet sich bereits im Einsatz bei Infrastrukturbetreibern und generiert erste Umsätze.
«Roboa adressiert einen konkreten industriellen Bedarf mit einer technisch eleganten Lösung, und zwar vom Stoff bis zur Steuerung. Die Kombination aus Skalierbarkeit, Praxistauglichkeit und klar definierten Anwendungsfeldern hat uns besonders überzeugt», sagt Michelle Tschumi, Jurymitglied und Leiterin Startup Finance bei der Zürcher Kantonalbank.
Weitere Finalisten und Publikumspreis
Mit ihrer Auswahl unter die fünf besten Deep-Tech-Projekte erhielten auch die Startups CCRAFT und Unbound Potential neben der Anerkennung der Jury Bühnenpräsenz im Auditorium des Technoparks. Das Publikum vor Ort wählte zudem unter den anwesenden Finalisten den Gewinner des Publikumspreises. Dieser ist mit CHF 5000 dotiert und ging mit nur wenigen Stimmen Vorsprung an CCRAFT. Das Startup produziert Hochleistungschips aus Dünnfilm-Lithiumniobat (TFLN), einem Material, das elektrische Signale besonders effizient in optische Signale umwandelt. Diese Umwandlung wird benötigt, um Daten mittels Glasfaserkabel schnell und weit zu übertragen. Mit ihrer neuen Technologie lassen sich Datenraten von über 400 Gbit/s bei gleichzeitig reduziertem Energieverbrauch erreichen – ein entscheidender Vorteil für Anwendungen in Rechenzentren, KI-Infrastruktur und zukünftigen Kommunikationsnetzen.
Unbound Potential entwickelt eine neuartige Flussbatterie zur Speicherung erneuerbarer Energie. Im Unterschied zu bestehenden Systemen verzichtet die Technologie auf eine fragile und kostenintensive Membran. Stattdessen kommen zwei nicht mischbare Elektrolyte zum Einsatz, die eine natürliche Trennschicht bilden. Die Batterie ist nicht entflammbar, benötigt keine kritischen Rohstoffe und erreicht Wirkungsgrade von bis zu 85 Prozent bei einer Lebensdauer von rund 20’000 Zyklen. Die Technologie eignet sich insbesondere für die Langzeitspeicherung von Energie, etwa in Rechenzentren. (pd/mc/pg)
