Startup-Investments zeigen sich widerstandsfähig

(Bild: © Tierney / AdobeStock)

Luzern – Im ersten Halbjahr 2020 wurden 760 Millionen Franken in Schweizer Startups investiert. Die Unternehmen schlossen 105 Finanzierungsrunden ab. Bei der Gesamtsumme liegt man damit zwar deutlich unter dem Rekordjahr 2019, trotzdem ist die Summe im langjährigen Vergleich hoch. Die Zahl der Runden nahm verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019 hingegen um ein Viertel zu. Dies zeigt eine Erhebung des Online-Newsportals Startupticker.ch und der Investorenvereinigung SECA.

Investments in Startups sind mit grossen Risiken behaftet. Darüber hinaus sind Schweizer Startups praktisch immer international tätig. Diese zwei Gründe sprechen dafür, dass die Investments in einer Krise, wie sie durch Covid-19 ausgelöst wurde, sinken. Gleichzeitig aber gehören Technologiewerte in der Corona-Krise zu den Treibern der Börsen, was wiederum für Investments in Startups spricht. Eine Erhebung des Online-Newsportals Startupticker.ch und der Investorenvereinigung SECA zeigt nun, wie sich die Investments im ersten Halbjahr real entwickelt haben. Insgesamt flossen 763.4 Millionen Franken Risikokapital in Schweizer Jungunternehmen. 105 Finanzierungsrunden wurden abgewickelt.

Fehlende Mega-Investments
Bei der investierten Gesamtsumme resultierte ein klares Minus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dieses Minus ist ausschliesslich auf das Fehlen von Megafinanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich zurückzuführen. Im ersten Halbjahr 2019 wurde der Abschluss von drei dieser Runden bekanntgegeben; 2020 erreichte die grösste Finanzierungsrunde – vom Zürcher IT-Unternehmen Scandit – ein Volumen von 77 Millionen Franken.

Die Masse der Startups konnte 2020 indes mehr Geld anziehen als 2019. Der Median der Investments lag mit 3.9 Millionen Franken gut 20 Prozent höher als im Vorjahr. Zudem ist die 2020 generierte Summe im langjährigen Vergleich hoch. Sie liegt rund 67 Prozent über dem Vergleichswert von 2018. Bei der Zahl der Finanzierungsrunden ging der langjährige Aufwärtstrend ungebrochen weiter. Es wurden über 20 Prozent mehr Runden abgeschlossen als im Vorjahr.

Schweizer Investoren springen in die Bresche
Auswirkungen hatte die Krise dennoch. Sowohl ausländische Investoren als auch ausländische Unternehmen als Käufer von Schweizer Startups haben bisher hierzulande eine grosse Rolle gespielt.

Durch die Corona-Krise nahm sowohl die Bedeutung der Investoren als auch der Aufkäufer deutlich ab. Bei den Investments sprangen Schweizer Risikokapitalgeber (VCs) in die Bresche. Ihr Anteil am insgesamt investierten Kapital stieg von rund einem Viertel auf rund die Hälfte. Der M&A-Markt dagegen kam nach einem sehr guten Start im Januar während der Krise praktisch zum Erliegen.

Schweizer Entwicklung entgegen europäischem Trend
Die Besonderheiten der Entwicklung in der Schweiz zeigen sich im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Gemäss dem Marktforschungsunternehmen Pitchbook hat in Nord- und Westeuropa die Zahl der Investments im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent abgenommen. Die Gesamtsumme des investierten Kapitals ging ebenfalls zurück allerdings nur um 18 Prozent. Die Zahl der Finanzierungsrunden über mehr als 100 Millionen USDollar blieb mit knapp über 30 stabil.

Die zunehmende Zahl der Schweizer Finanzierungsrunden mit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr von mehr als 20 Prozent ist aussergewöhnlich. Sie verdankt sich zunehmenden Aktivitäten von Business Angel Clubs sowie bestehenden und neuen VC Fonds mit einem verstärkten Schweiz-Bezug, die in jüngster Zeit erfolgreich aufgelegt wurden. Die fehlenden Megafinanzierungsrunden in der Schweiz können mit der ausserordentlich grossen Bedeutung von internationalen Investoren erklärt werden, die sich in der Corona-Krise zurückhaltend zeigten.

Schweizer Investoren bleiben aktiv
Eine Umfrage unter Schweizer Investoren, die zusammen mit dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern durchgeführt wurde, liefert wichtige zusätzliche Einsichten. Die Investoren haben während der Krise ihre Investmenttätigkeit fast ungebremst aufrechterhalten. Die Antworten stimmen zudem optimistisch für die Zukunft. Die Investoren rechnen zwar mit Verzögerungen beim Fundraising, gehen aber davon aus, dass sie bei den angestrebten Zielgrössen der Fonds keine Abstriche machen müssen. Drei Viertel der Befragten ist der Auffassung, dass die Investments in Schweizer Startups schon 2021 auf das Rekordniveau von 2019 zurückkehren.

Die Entwicklung der Investments in Schweizer Startups hängt indes nicht nur von den Schweizer Investoren ab. Um den Wachstumskurs fortzusetzen, müssen ausländische Geldgeber wieder verstärkt aktiv werden. Zudem müssen Megafinanzierungsrunden abgeschlossen werden. Und nicht zuletzt ist eine Belebung des M&A-Marktes eine notwendige Voraussetzung für das Anziehen der Investments. (SECA/mc/pg)

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