Hodler, ein Künstler-Theoretiker

Ferdinand Hodler (1853-1918), La Nuit, 1889-1890, Öl auf Leinwand, 116 x 299 cm, Kunstmuseum Bern (© Kunstmuseum Bern)

Genf – Am 19. Mai 1918 starb Ferdinand Hodler in seiner Wohnung am Quai du Mont-Blanc in Genf. Um seinen 100. Todestag zu würdigen, veranstaltet das Musée d’art et d’histoire in Partnerschaft mit dem Kunstmuseum Bern eine Ausstellung, die das Schaffen des Malers aus dem ungewohnten Blickwinkel des Parallelismus betrachtet. Diese Theorie, die der Künstler in den späten 1890er-Jahren entwickelte, durchdringt alle Bereiche seines Werkes, von den Bildnissen, über die Historienbilder, bis zu den Landschaften.

Auf Einladung des Kunstvereins Freiburg hielt Ferdinand Hodler 1897 in der Saanestadt einen Vortrag, der Geschichte machte: Die Mission des Künstlers. Dieser Text wurde berühmt, da Hodler in ihm die Prinzipien des Parallelismus beschreibt, einer Theorie, laut der die Natur streng geordnet ist. Diese Ordnung suchte der Maler in den kunstvollen Kompositionen seiner Bilder wiederzugeben.

Neuinterpretation des Werks Hodlers mittels des Parallelismus
Die Ausstellung Hodler//Parallelismus bezweckt, Hodlers Werk mittels des Parallelismus neu zu interpretieren, indem Bildnisse, Landschaften, Historiengemälde und symbolistisch geprägte Fresken im Licht dieser Kompositionsprinzipien gedeutet werden. Hundert ausgewählte Bilder, die dank der Grosszügigkeit öffentlicher und privater Institutionen sowie von Schweizer und europäischen Sammlern vereint werden konnten, sind gemäss den grossen Linien des Hodlerschen Diskurses angeordnet, ob es nun um das Gefühl grosser Einheit und Gleichmässigkeit geht, die der Künstler in der Natur wahrnahm, um die augenfällige Symmetrie, die er im menschlichen Körper feststellte, oder den Rhythmus und die Logik, welche er in der Architektur schätzte, deren Codes er für die Gestaltung seiner monumentalen W erke übernahm.

Des Weiteren behandelt die Ausstellung den Parallelismus der Formen, aber auch jenen zwischen Sujets, Motiven und sogar Modellen, dem Hodler gerne, selbst mit mehrjährigem Zeitabstand, huldigt. Schliesslich geht es um den Parallelismus der Gefühle bei diesem Künstler, der seine Mittel vor einem Bergpanorama ebenso souverän beherrscht wie angesichts des langsamen Sterbens seiner todkranken Geliebten. Denn für ihn besteht die «Mission des Künstlers [darin], das ewige Element der Natur, die Schönheit, auszudrücken und ihre wesentliche Schönheit hervorzuheben.» (Kunstmuseum Bern/mc/ps)

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