Karibik: Nachhaltigkeit lernen als Berufung

Karibik: Nachhaltigkeit lernen als Berufung

Elisabeth Karamat und «Honigmann» Kwando. (Copyright: Wolfgang Weitlaner)

Saddlers/St. Kitts – Dass das Leben manchmal seltsame Wendungen nimmt, davon kann die ehemalige Diplomatin Elisabeth Karamat ein Lied singen. Sie hat sich ihren Lebenstraum erfüllt, ist 2009 in die Karibik ausgewandert und hat dort ihren jetzigen Ehegatten, den Heiler und Bienexperten Kwando, kennengelernt. Über ihre Erfahrungen als Europäerin in der Karibik schrieb sie das Buch «Honigmann», das bei edition a erschienen ist.

pressetext besuchte Karamat in ihrer neuen Heimat und fragte nach, was seit der Bucherscheinung vor zwei Jahren geschehen ist. Zum damaligen Zeitpunkt begann die Autorin mit Kindern auf einer Farm zu arbeiten. «Das Thema Nachhaltigkeit hat uns beide nicht losgelassen», so Karamat. «Ganz im Gegenteil, Kwando und ich haben weitergemacht und das Saddlers Herbal Project gestartet.»

Schwieriges Leben in neuer Umgebung
Leicht ist das Leben auf der Karibikinsel St. Kitts nicht. Von Kolonialisten eingeschleppte Meerkatzen fressen fast alle Ernten. «Wir haben daher aus Draht Maschendrahtkäfige für unsere Farm gebaut, um so unser Gemüse zu schützen», erklärt die Buchautorin.

«Ein weiteres Problem auf der Insel ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Viele junge Menschen sind Schulabbrecher und landen dann schnell in der Drogenkriminalität. St. Kitts hat eine der höchsten Mordraten unter Jugendlichen», so Karamat. Mit ihrem Projekt möchte sie und Kwando zeigen, dass es Lösungen aus dieser auswegslos erscheinenden Zukunft gibt.

«Mit unserem Projekt in Saddlers animieren wir Menschen, nachhaltiger zu wirtschaften. Anstatt sich mit Bankkredit einen Vierrad-Pickup zu kaufen, den sie ein Leben lang nicht abzahlen können, motivieren Kwando und Elisabeth die jungen Farmer dazu, Vorhandenes so gut wie möglich zu nutzen. Esel etwa sind für Kwando ideale Last- und Tragtiere», so Karamat.

Dankbarkeit und Demut als Lebensphilosophie
Das Leben in St. Kitts mache sie als Mensch sehr dankbar – und das, obwohl sie heute weit weniger Geld hat als während ihrer Tätigkeit als Diplomatin in Europa. «Das Lebenstempo ist viel langsamer als in Europa.» Die Zeit nutzt sie weiterhin für das Schreiben. Doch auch die tägliche Arbeit auf der Farm ist anstrengend. «Wir gehen jeden Tag 30 Minuten vom Wohnhaus zur Farm.» Die körperliche Anstrengung ist hoch. Erschwerend kommt für Kwando noch hinzu, dass er ein Beinamputierter ist.

«Kwando genoss ein schnelles Leben mit regionalen Wettkämpfen als schwarzer Gürtel in Taekwando und seinem Gelände-Motorrad auf der Insel. Als er bei einem Motorradunfall sein Bein verlor, veränderte sich sein Leben schlagartig. Er zog sich für lange Zeit auf seinem Stück Land zurück», erzählt Karamat. Diese Erfahrungen hätten ihn zu einem weisen und reifen Mann gemacht.

Alternativ-Tourismus im Dorf
Heute bieten Kwando Harvey und Elisabeth Karamat auch Reisenden aus Übersee die Möglichkeit, auf der Farm Station zu machen und mitzuarbeiten. «Ich habe den Kontakt nach Österreich nicht verloren, sondern eigentlich verstärkt», erzählt sie. Immer wieder kommen auch Österreicher nach Saddlers und bleiben einige Zeit hier.

«Es geht darum, diese Erfahrungen zu teilen. Das können wir unseren Gästen anbieten. Dabei lernen sie die Karibik ganz sicher von einer Seite kennen, die den meisten, die in einem Hotelzimmer sitzen oder mit dem Kreuzfahrtschiff herumfahren, gar nie bekannt wird», meint Karamat. «Ich traue mich zu sagen, dass ein solcher Aufenthalt die Menschen ziemlich sicher nachhaltig verändert.» Weitere Informationen: http://bit.ly/1rTpoVs (pte/mc/ps)

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