Kunsthaus Zürich veranstaltet Retrospektive zu Cindy Sherman

Cindy Sherman

Cindy Sherman, Untitled #153, 1985, Chromogener Farbabzug, 170.8 × 125.7 cm. (© Cindy Sherman. Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York)

Zürich – Vom 6. Juni bis 14. September 2014 findet im Kunsthaus Zürich die grosse Retrospektive der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman (*1954) statt. Sherman zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der inszenierten Fotografie. Sie thematisiert in ihrem Werk Fragen von Identität, (Geschlechter)-Rollen und Körperlichkeit und bedient sich dabei fast ausschliesslich ihrer eigenen Person.

Cindy Sherman schuf ihre ersten Werke 1975. Diese noch vor den berühmten «Untitled Film Stills» (1977-1980) entstandenen Fotografien produzierte sie bei sich zu Hause mit Selbstauslöser und thematisierte damit bereits die für ihr Schaffen zentralen Themen von Identität und Rollenspiel. Neben einer Auswahl dieser frühen, bisher nur selten gezeigten Werke sind in der Ausstellung «Cindy Sherman – Untitled Horrors» auch neueste Arbeiten zu sehen. Manche von ihnen sind monumental und bedecken ganze Wände. Technisch und formal lehnt sich Sherman an Werbung, Kino oder klassische Malerei an.

Das Bedrohliche im Zentrum von «Untitled Horrors»
Im Mittelpunkt des vom Kunsthaus gemeinsam mit der Künstlerin zusammengestellten Überblicks steht das Bedrohliche und Groteske. Die Retrospektive trägt den Untertitel «Untitled Horrors». Er verweist einerseits auf die inhaltliche Ausrichtung der Schau, spielt andererseits aber auch mit der Tatsache, dass Cindy Sherman ihre Fotos immer mit «Untitled» bezeichnet. Die Künstlerin lässt die Lesart der Bilder offen und lädt stattdessen die Betrachter ein, die in den Bildern angelegten Geschichten selber zu entwickeln und sich einen Titel auszudenken.

Insegsamt 110 Werke
Alle Schlüsselwerke aus den verschiedenen Schaffensperioden von Cindy Sherman sind in der Ausstellung zu sehen: Ikonische Werke aus der Frühphase, wie die berühmte «Untitled Film Stills»-Serie, die an den italienischen Neorealismus sowie an den amerikanischen Film Noir erinnern, treffen beispielsweise auf spätere Fotografien der «Hollywood/Hampton Types» (2000-2002), oder die «Clowns» (2003-2004) auf die «Sex Pictures»-Serie (1992). Diese Gegenüberstellungen zeigen, wie die Künstlerin über viele Jahre hinweg mit einer beeindruckenden Konsistenz grundlegende Fragen der menschlichen Existenz thematisiert und dabei formal immer wieder neue Wege beschreitet. Die von Mirjam Varadinis kuratierte und in Kooperation mit dem Astrup Fearnley Museet, Oslo, und dem Moderna Museet, Stockholm entstandene Präsentation von 110 Werken folgt keiner linear-chronologischen Hängung, sondern eröffnet mit unerwarteten Kombinationen einen frischen Blick auf das Schaffen dieser bedeutenden Künstlerin der filmischen und fotografischen Selbsterforschung.

«Untitled Horrors» auch als Buch
Ebenso neue Wege geht auch die Publikation, die zur Ausstellung erscheint. Sie ist kein klassischer Katalog mit kunsthistorischen Texten. Stattdessen wurden Künstler und Schriftsteller aus Europa und den USA eingeladen, von Cindy Shermans Kunst ausgehend Texte zu schreiben, die das Werk in Beziehung zu Literatur, Musik, Schauspiel und Film stellen. Miranda July (Künstlerin, Schauspielerin), Lars Norén (Dramatiker, Lyriker), Sara Stridsberg (Journalistin), Sjón (Musik-Texter, Künstler) sowie die Schriftsteller Sibylle Berg, Karl Ove Knausgård und Kathy Acker sind mit Beiträgen in der bei Hatje Cantz erschienenen Publikation (232 Seiten, 135 Abbildungen) vertreten. Das Buch ist für CHF 49.- im Kunsthaus-Shop und im Buchhandel erhältlich.

App und Workshops
Shermans Bildsprache lässt niemanden unberührt. Um den Austausch mit den Besuchern zu fördern, hat das Kunsthaus zur Ausstellung eigens eine App entwickelt. Diese erlaubt dem Besucher die Rolle des reinen Betrachters zu verlassen und aktiv zu werden. Zusätzlich dazu findet das von Kunst- und Theaterpädagoginnen entwickelte Vermittlungsprogramm «Menschenbilder» statt. Dieses Angebot aus der Reihe «Sommerwerkstatt» richtet sich an alle Generationen und vertieft den von Shermans Werken ausgehenden Diskurs mithilfe von Gemälden und Skulpturen aus der Sammlung des Kunsthauses.

Im Kino: «Office Killer»
In Zusammenarbeit mit den Zürcher Arthouse Kinos organisiert das Kunsthaus die Vorführung von Cindy Shermans Spielfilm «Office Killer» aus dem Jahre 1997. «Office Killer» ist eine Horrorkomödie mit Molly Ringwald, Carol Kane, Barbara Sukowa und David Thornton, die die Geschichte einer unscheinbaren Büroangestellten erzählt, die ungewollt einen ihrer Mitarbeiter umbringt und danach weitere aus dem Weg räumt. Das Screening am Sonntag, 31. August 2014 um 12 Uhr im Arthouse Movie 2 in Zürich startet mit einer kurzen Einführung ins filmische und fotografische Werk Shermans durch Kuratorin Mirjam Varadinis. Weitere Infos: www.arthouse.ch. (Kunsthaus Zürich/mc/ps)

Ausstellungsinformationen
Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84, www.kunsthaus.ch
Offen Fr-So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr
Eintritt inkl. Audioguide (d/e): CHF 20.-/CHF 15.- (reduziert). Bis 16 Jahre gratis.
Öffentliche Führungen: mittwochs 18 Uhr und sonntags 11 Uhr
Private Führungen nach Vereinbarung unter +41 (0)44 253 84 84.
Vorverkauf: SBB RailAway-Kombi: Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch/kunsthaus-zuerich.
Zürich Tourismus: Hotelzimmer-Buchung und Ticketverkauf: Tourist Service im Hauptbahnhof, Tel. +41 44 215 40 00, www.zuerich.com.
Magasins Fnac: Verkaufsstellen CH: Rive, Balexert, Lausanne, Fribourg, Pathé Kino Basel, www.fnac.ch.

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