Kunstmuseum St. Gallen: Heilige, Wunder und Visionen

Kunstmuseum St. Gallen

Erweiterte Deesis, Russland, um 1600, Kunstmuseum St.Gallen, (Foto: Sebastian Stadler)

St. Gallen – Mit einer umfangreichen Schenkung gelangte das Kunstmuseum St.Gallen 2013 schlagartig in den Besitz der grössten und bedeutendsten institutionellen Ikonensammlung der Schweiz. In der Ausstellung Heilige, Wunder und Visionen werden die Highlights dieser einmaligen Kollektion in einer aussergewöhnlichen zeitgenössischen Inszenierung des Künstlers Gerwald Rockenschaub erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die ausserordentliche Schenkung von Dr. med René und Lotti Gürtler umfasst ein in der Schweiz einzigartiges Konvolut: über hundertfünfzig Ikonen aus postbyzantinischer Zeit, rund vierzig Kleinantiquitäten teilweise byzantinischer Herkunft und eine slawische Hand-schrift aus liturgischem Zusammenhang sowie ein Dutzend westeuropäischer Heiligens-kulpturen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert. Vorwiegend stammen die orthodoxen Kultbilder aus Russland und Griechenland, aber es finden sich auch Exemplare aus Äthiopien und Rumänien in der grossartigen Sammlung Gürtler. Während mehr als fünf Jahrzehnten trugen der ehemalige Spezialarzt und seine Gattin mit Akribie und Leidenschaft die erlesenen Kostbarkeiten zusammen.

Die Ikone besitzt in der orthodoxen Kirche eine zentrale Bedeutung. Auf Wunderlegenden beruhend fungiert sie als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits. Aufgrund der starken Orientierung an der byzantinischen Bildtradition fand sie in den Ländern der Ostkirche nach dem Zerfall dieses Kaiserreichs eine vielfältige Weiterentwicklung: Durch die geografische und politische Distanz von westlichen Einflüssen abgeschirmt, präsentiert die Ikonenmalerei eine in sich geschlossene Bildwelt mit einer besonders starken narrativen Ausprägung.

Die Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen versammelt Meisterwerke der Ikonenmalerei aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und gewährt einen vertieften Einblick in die Kunst aus dem Osteuropäischen Kulturraum. Diese wird Heiligenskulpturen, liturgischen Glaubenssymbo-len und Zeugnissen der mittelalterlichen Buchkunst (Leihgaben der Stiftsbibliothek St.Gallen) gegenübergestellt, wodurch einzigartige Brückenschläge zwischen Ost und West ermöglicht werden.

Dank der beeindruckenden Inszenierung durch Gerwald Rockenschaub, dem das Kunstmuseum St.Gallen zeitgleich eine umfangreiche Einzelausstellung widmet, öffnet sich die traditionelle Ikonenmalerei der Kunst der Gegenwart und erlaubt somit einen weiteren spannenden Dialog. (mc/pg)

Ausstellungsdauer 9. April – 11. September 2016
Ausstellungsort Kunstmuseum St.Gallen
Öffnungszeiten Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr
Ausstellungseröffnung Fr 8. April 2016, 18.30 Uhr | Kunstmuseum St.Gallen
Inszenierung Gerwald Rockenschaub
Kuratorin Céline Gaillard
Publikation Zur Ausstellung erscheint im Parthas Verlag Berlin eine reich bebilderte wissenschaftliche Publikation zur Sammlung Gürtler mit Texten von Céline Gaillard, Simon Morsink, Barbara Schellewald und Roland Wäspe.

Kunstmuseum St. Gallen

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