Zürich – Swiss bietet Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern seit vergangenem Freitag finanzielle Anreize für eine freiwillige Kündigung oder eine temporäre Auszeit an. Damit will die Fluggesellschaft den Personalüberhang in der Kabinenbesatzung reduzieren.
Kabinenmitarbeitende, die ihr Arbeitsverhältnis bis zum 30. April freiwillig beenden, erhalten eine pensumsbereinigte Pauschale von 15’000 Franken, wie eine Swiss-Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP schreibt. Voraussetzung ist, dass die Mitarbeitenden das Unternehmen bis spätestens Ende August 2026 verlassen. Zuerst hatten «20 Minuten» und das Onlineportal «Aerotelegraph» darüber berichtet.
Eine Auszahlung werde auch geleistet, wenn das Personal in ein sogenanntes «ruhendes Arbeitsverhältnis» von mindestens einem Jahr wechsle. Dies sei ab dem sechsten Dienstjahr möglich und erlaube eine garantierte Rückkehr nach Ablauf der Auszeit.
Auch bei einem Wechsel in das «Study & Fly»-Modell wird die Pauschale anteilig ausbezahlt. Dieses Modell richtet sich insbesondere an Mitarbeitende, die ein Studium beginnen und gleichzeitig in reduziertem Umfang weiterhin fliegen möchten.
Das Angebot richte sich an alle rund 4000 Kabinenmitarbeitende an der Basis in Zürich, so die Swiss-Sprecherin. «In den vergangenen Monaten haben wir bereits freiwillige Möglichkeiten wie unbezahlte Ferien oder individuelle Auszeiten angeboten. Viele Kolleginnen und Kollegen nutzen solche Optionen, wenn sie gerade gut zu ihrer persönlichen Situation passen.»
Kündigungen nicht vorgesehen
Die Airline zeigte sich zuversichtlich, den Personalüberbestand mit den freiwilligen Massnahmen abbauen zu können. «Kündigungen sind derzeit nicht vorgesehen und wären das letzte Mittel, falls die freiwilligen Massnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen», heisst es.
Eine Zahl an allenfalls nötigen Kündigungen nennt die Sprecherin nicht. Diese hänge von diversen Faktoren ab wie der Anzahl und dem Zeitpunkt der Rückmeldungen oder den jeweiligen Pensen der Mitarbeitenden.
«Der Einsatzbedarf unserer Kabinenbesatzungen verändert sich laufend – je nach Flugplan, Saison und operativer Entwicklung. Aktuell gehen wir davon aus, dass in einzelnen Monaten bis zu rund 300 Kabinenmitarbeitende vorübergehend mehr im Team sind, als wir im Moment im Flugbetrieb einsetzen können», sagt die Sprecherin.
«Wir rechnen damit, dass sich diese Situation in den kommenden Monaten schrittweise normalisiert und sich spätestens Anfang 2027 wieder ausgleicht.» Im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass die Swiss rund 400 Kabinenmitglieder zu viel eingestellt hat.
Weniger Flüge als geplant
Als Gründe für die angespannte Situation nennt die Swiss die anhaltenden Triebwerksprobleme sowie einen weiterhin bestehenden Mangel an Cockpitpersonal. Dadurch fliege die Swiss derzeit weniger als geplant und könne nicht alle Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter im vorgesehenen Umfang einsetzen.
Ob das Angebot wahrgenommen wird, ist offen. Da dieses erst am vergangenen Freitag kommuniziert worden sei, sei es noch zu früh, um Aussagen über die Resonanz zu machen, so die Swiss-Sprecherin. (awp/mc/pg)
