«The Wolf of Wall Street»: Heulen vor Bewunderung oder Knurren aus Verachtung

Leonardo DiCaprio in «The Wolf of Wall Street» (Foto: Universal Pictures)

Das Werk von Mario Scorsese mit Leonardo DiCaprio in Hochform nimmt zeit- und passgenau das Thema der «Master of the Universe» auf. In den USA heiss und kontrovers diskutiert, dürfte er auch bei uns einige kritische Fragen aufwerfen.

Als Vorlage diente die wahre Geschichte des «Wolfs der Wall Street», Jordan Belfort. Der 1962 geborene Börsenhändler wurde in den Neunziger Jahre durch betrügerische Börsengeschäfte zum Multi-Millionär, flog 1998 durch die Recherchen des FBI auf und musste dank einem Deal (er verriet seine Partner) nur 22 Monate Gefängnis absitzen.

Mit Memoiren und Filmrechten zu weiteren Millionen
Seine 2008 veröffentlichten Memoiren «Der Wolf der Wall Street» wurden zum weltweiten Bestseller und brachten ihm zusammen mit den Filmrechten Millionen ein. Heute wirkt Belfort als Unternehmensberater und Motivationstrainer. Von den 110 Millionen USD, die er an die Geschädigten zurückzahlen sollte, hat er angeblich erst 11 Millionen zurück erstattet.

DiCaprio hervorragend, Kontroverse um die einseitige Sichtweise
Der Film selbst lief in den USA sehr gut an und führte zugleich zu heftigen Diskussionen, ob er einfach nur den Lebensstil des Betrügers glorifiziere (Drogenparties mit irren Spielen), da weder Geschädigte noch sonst Betroffene zu Wort kommen, sondern die Geschichte durchwegs aus der Sicht Belfort’s erzählt wird, der bis heute sein Handeln nicht bedauert oder bereut. Leonardo DiCaprio durfte für seine lustvolle Darstellung völlig zu Recht schon mal einen Golden Globe entgegennehmen und ist für einen Oscar nominiert. Hollywood hat einen Stoff, der einiges mehr hergegeben hätte, unterhaltsam umgesetzt, ohne eine historische oder moralische Dimension einzuflechten. Den Kino-Genuss wird es nicht trüben, wenn man nicht mehr erwartet. (mc/hfu)

 

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