Stockholm – Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an den belgisch-amerikanischen Forscher Francis Halzen. Er hat hochenergetische Geisterteilchen mit einem Observatorium im Südpol-Eis nachgewiesen.
Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den belgisch-amerikanischen Neutrinoforscher Francis Halzen für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium «IceCube» und für die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs. Das teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.
Halzen ist ein belgisch-amerikanischer Teilchenphysiker und Professor an der University of Wisconsin–Madison. Er entwickelte das IceCube-Neutrinoobservatorium am Südpol, das Neutrinos aus dem All aufspürt (siehe Fotogalerie). Es handelt sich dabei um einen Kubikkilometer Eis, der mit Sensoren ausgestattet ist.
Experiment am Südpol
Mit dem Observatorium können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum erfassen. Die winzigen Partikel jagen in unvorstellbaren Mengen fast lichtschnell durchs Universum. Weil sie aber extrem massearm und elektrisch nicht geladen sind, kommen sie kaum mit anderer Materie in Kontakt und sind deshalb schwer nachzuweisen. Manchmal werden sie auch als Geisterteilchen bezeichnet.
Mit ihrer Hilfe können Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Zeit unmittelbar nach dem Urknall ziehen. Ebenso können sie sich Gedanken über die Bildung grossräumiger kosmischer Strukturen machen.
Für das «IceCube»-Experiment haben Forschende 5160 hochsensible Sensoren bis zu zweieinhalb Kilometer tief im antarktischen Untergrund versenkt. Deren Aufgabe: Sie sollen einen Kubikkilometer Eis untersuchen – und nach kleinsten blauen Blitzen Ausschau halten. Es geht um die sogenannte Tscherenkow-Strahlung. Das feine Leuchten entsteht, wenn Neutrinos mit den Wassermolekülen des Eises kollidieren und eine Kaskade von Teilchenzerfällen in Gang setzen. (mc/ps)
