Von Manoj Mehta, President EMEA bei Cognizant
Mit dem Scaleup Europe Fund hat die EU vergangene Woche ein wichtiges Signal gesetzt. Bis zu fünf Milliarden Euro sollen den vielversprechendsten europäischen Scaleups dabei helfen, zu wachsen und führende Rollen auf den globalen Märkten einzunehmen. Beobachtet man die Finanzierungslücke, die europäische Unternehmen auf dem Weg vom Startup zum globalen Player erleben, ist das zwar ein wichtiger Schritt, doch Kapital allein wird Europas wachsendes Innovationsproblem nicht lösen können.
Europa beherbergt hervorragende Forschung, starke industrielle Infrastruktur und eine grosse Zahl an Startups. Trotzdem fehlt es an der Fähigkeit, diese Stärken in skalierbare Geschäftsmodelle zu überführen. Damit aus Finanzierung nachhaltiges Wachstum entsteht, muss Europa seine Innovationsstrategien weiterentwickeln.
Europäische Unternehmen dürfen neue Technologien nicht auf einzelne Pilotprojekte oder Innovationsabteilungen beschränken, sondern müssen sie mit Geschäftsstrategie, Daten, Prozessen und Governance verbinden. Das gelingt durch moderne IT-Infrastrukturen und Regulatorik, die den Einsatz neuer Technologien beschleunigen, anstatt ihn zu bremsen. Während die EU-Kommission einige dieser Pain-Points in ihrer Startup- und Scaleup-Strategie bereits adressiert, müssen Lösungsansätze über Startups hinaus auch für bereits etablierte Unternehmen wirksam werden.
Europas Innovationskraft darf nicht allein an der Zahl der neuen Startups gemessen werden. Ebenso entscheidend ist die Frage, wie traditionelle Industrien wie Automobil, Energie und Telekommunikation ihre Geschäftsmodelle mit derselben Geschwindigkeit weiterentwickeln können wie amerikanische oder chinesische Tech-Unternehmen. Es darf nicht vergessen werden, dass transformative Innovation nicht ausschliesslich in Hightech-Sektoren oder agilen Startups entsteht. Genauso wichtig ist es, Europas etablierte Unternehmen zu bestärken, bestehende Produkte, Dienstleistungen und Prozesse neu denken und weiterzuentwickeln.
Der Scaleup Europe Fund sollte deshalb mehr als ein Finanzierungsinstrument sein. Er kann zu einem Katalysator für eine europäische Innovationskultur werden, in der Kapital, Technologie und industrielle Stärke zusammenkommen. Europas Innovationsfähigkeit zeigt sich nicht darin, wie viel Geld die EU investiert, sondern was mit diesem Geld in der Praxis skaliert wird.
Europa hat das Potenzial, aus seiner wissenschaftlichen und industriellen Stärke neue globale Marktführer hervorzubringen. Jetzt muss es darum gehen, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. (Cognizant/mc/ps)
Über Manoj Mehta
Manoj Mehta ist Präsident der EMEA-Region bei Cognizant. In dieser Funktion verantwortet er die strategische Ausrichtung und die operative Leistungsfähigkeit von Cognizants Geschäft in Nord-, Mittel- und Südeuropa, dem Nahen Osten, Afrika sowie in Grossbritannien und Irland, und führt die Commercial- und Delivery-Teams, um für Kunden die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Manoj ist seit 2005 bei Cognizant tätig und hatte seither verschiedene Führungspositionen im kommerziellen und technologischen Bereich inne, zuletzt als Leiter des globalen Large-Deals-Teams.
