Der sgv geht in die Digitalisierungsoffensive

Hans-Ulrich Bigler

sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. (Foto: sgv)

Bern – Die Pandemie hat die Wichtigkeit der Digitalisierung aufgezeigt. Für den Schweizerischen Gewerbeverband sgv ist klar, dass die Digitalisierung gerade für die Weiterentwicklung von KMU unerlässlich ist und hat deshalb am Gewerbekongress 2020 eine Digitalisierungs-Charta verabschiedet. Darauf basierend hat der sgv verschiedene Forderungen entwickelt, welche er in die parlamentarische Diskussion einbringen wird. Der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft leistet aber auch ganz konkret Projektarbeit in der Digitalisierung und verbindet diese mit seinen weiteren zentralen Dossiers.

Die Pandemie habe nicht nur aufgezeigt wie wichtig Digitalisierung sei, sondern auch wer Digitalisierung könne. Der Bund sei es nicht, die Privatwirtschaft allerdings schon, eröffnet sgv-Direktor HansUlrich Bigler die Medienkonferenz. Die Digitalisierung sei für die für die Weiterentwicklung der KMU unerlässlich. Die digitale Transformation erlaube die Optimierung von Prozessen auf sämtlichen Ebenen. Sie führe zu mehr Effizienz in der öffentlichen Verwaltung und reduziere den administrativen Aufwand für die KMU. Sie biete Chancen unnötige Regulierungskosten in allen Bereichen zu senken. Für den sgv sei die Förderung der Digitalisierung nicht zuletzt deshalb KMU-Politik. In seiner politischen Arbeit lege der sgv weiter den Fokus auf die Stärkung und Erweiterung der unternehmerischen Freiheit. «Und gerade dieses Ziel sei im Hinblick auf die digitale Transformation der KMU wichtig, denn nur so könnten sie ihr volles Potential entfalten», sagt sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Forderungen
Mikael Huber, Dossierverantwortlicher des sgv informiert, dass der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft sich mit verschiedenen Interventionen in die parlamentarische Diskussion einbringen wird. Konkrete Handlungsfelder sehe der sgv insbesondere bei der Flexibilisierung des Arbeitsrechts, der Senkung des administrativen Aufwands der KMU durch digitalen Wandel und bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität. In Bezug auf den Arbeitsmarkt fordere der sgv Gesetzesanpassungen, die der neuen Realität der Arbeitswelt im digitalen Zeitalter, Stichworte Telearbeit und Homeoffice, Rechnung tragen würden. Dies könne beispielweise heissen, dass mehr Flexibilität in der Organisation der Arbeitszeit geschaffen werde. Wo zahlreiche Prozesse direkt verknüpft würden, lauerten weitere Gefahren. Ein Stichwort sei da Cyberkriminalität. Dies verlange nach einer besonders guten Sicherung der digitalen Infrastruktur, zumal ein wachsender Teil des Handels und der Prozesse auf das Internet angewiesen sei. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit müsse hier unbedingt auf die spezifischen Bedürfnisse der KMU eingehen.

Projekt 1: Digitale Anforderungsprofile
Der sgv bringt sich bei der Digitalisierung nicht nur in die politische Diskussion ein, sondern leistet auch ganz konkret Projektarbeit in der Digitalisierung. Ein Projekt, steht im Zusammenhang mit einem weiteren wichtigen Dossier des sgv. Mit der Plattform www.anforderungsprofile.ch hat der sgv ein bereits breit genutztes Instrument für die Berufsbildung geschaffen.

«Die Wirtschaft verändert sich, neue Berufe entstehen, die Anforderungen an die Fachkräfte und die Lernenden entwickeln sich weiter», so sgv-Vizedirektorin Christine Davatz. Das sei eine grosse Herausforderung für alle, welche sich um den beruflichen Werdegang der Jugendlichen kümmern müssten. Der sgv habe bereits vor sechs Jahren zusammen mit den Organisationen der Arbeitswelt und der Erziehungsdirektorenkonferenz ein digitales Instrument entwickelt, welches den Übergang von der Schule in die Berufswelt erleichtere. Die Plattform www.anforderungsprofile.ch umfasse die schulischen Anforderungsprofile der rund 250 beruflichen Grundbildungen. Die Plattform beinhalte nicht nur die schulischen Profile, sondern bei rund zwei Dritteln der Berufe auch eine Anforderungsbeschreibung, das heisse die Beschreibung einer typischen Arbeitssituation. Diese zeige wie Kompetenzen, wie zum Beispiel Hören oder Lesen in der Schulsprache oder Einschätzen und Beurteilen in den Naturwissenschaften in der Berufslehre zum Einsatz kommen. 2020 sei die Seite 750’000 Mal aufgerufen worden. Eine stolze Zahl, die zeige, dass die Anforderungsprofile einem grossen Bedürfnis entsprechen würden. Die dreisprachige Webseite werde landesweit genutzt und stetig weiterentwickelt.

Projekt 2: Gewerbestatistik
«Nach 75 Jahren Präsentation in analoger Form ist die Gewerbestatistik nun digitalisiert», sagt der Projektverantwortliche Kurt Schmid vor den Medien. Die Gewerbestatistik umfasse die handelsrechtlichen Zahlen der Bilanz und der Erfolgsrechnung von rund 7’000 gewerblichen Unternehmen in über 80 Branchen. Die Daten würden ausgewertet und mit relevanten Kennzahlen ergänzt. Zur Optimierung der Auswertung würden ausserdem relevante Eckwerte erhoben – beispielsweise die Anzahl Mitarbeitende und die Betriebsgrösse.

Treuhänderinnen und Treuhänder seien gerade für KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer wichtige Ratgeber. Sie könnten die Kennzahlen eines Unternehmens beurteilen und lieferten so eine individuelle Standortbestimmung. Für eine solche Beurteilung benötigten die Treuhänderinnen und Treuhänder Vergleichswerte. Sie müssten beurteilen können wie das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen in derselben Branche performe. Mit Hilfe der Gewerbestatistik sei dies möglich. Die Gewerbestatistik ermittle neben Mittelwerten nach Umsatzkategorien und Mittelwerten über die ganze Branche auch Best in Class Werte. Die Gewerbestatistik sei ein gutes Beispiel um zu beweisen, dass die Wirtschaft Digitalisierung könne. (sgv/mc/ps)

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