Von Francesco Sedati, Head of Equity Research und Management bei Eurizon
Die Performance der europäischen und US-amerikanischen Märkte war im Jahr 2025 in Lokalwährung vergleichbar, in Euro betrachtet lagen die europäischen Märkte sogar deutlich vorne. Wir starten 2026 mit ähnlichen Aussichten, wobei Europa eine solide Performance zeigt. Darüber hinaus deutet sich an, dass die Phase starker Gewinnsteigerungen im Technologiebereich, insbesondere bei Rechenzentren, nun abnimmt. Parallel dazu setzt die Erholung der übrigen Wirtschaft ein, sowohl in den USA durch Steuererleichterungen und mögliche Konsumanreize als auch in Europa durch die beginnenden fiskalischen Impulse und potenziell positive Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
Die europäischen Märkte profitieren zudem von einer positiven Entwicklung im Bankensektor, der nach wie vor attraktiv bewertet ist, sowie von einer möglichen Erholung der Konsumgüterbranche. Luxus- und Automobilaktien, die im Vorjahr unter Druck standen, könnten nun wieder stärker wachsen. Insgesamt ist Europa strukturell in einer guten Ausgangsposition. Die politische Agenda in den USA sollte klarer sein, insbesondere was die Zölle betrifft, was zu weniger Unsicherheit führt und den Fokus auf die nationale wirtschaftliche Erholung lenkt. Dies schafft ein Umfeld, in dem sowohl europäische als auch Emerging-Markets-Wirtschaften profitieren könnten.
Erste Schritte in Europa in Richtung Transformation
Es besteht ein klarer Konsens über die Notwendigkeit einer fiskalischen und industriellen Transformation, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Investitionen in Energie, Technologie und industrielle Infrastruktur werden hierbei als positiv für die Märkte betrachtet. Allerdings gibt es weiterhin erhebliche technologische Rückstände gegenüber den USA und China, und die Schuldenlast einiger Länder bleibt ein langfristiges Risiko. Trotz dieser Herausforderungen sind wir konstruktiv, da erste Schritte in Richtung einer Transformation unternommen werden, die darauf abzielt, einige dieser Lücken zu schliessen.
Konsumsektor bietet Chance für Wachstumserholung
Für unsere Portfoliostrategie bedeutet dies derzeit eine prozyklische Ausrichtung, die auf die globale wirtschaftliche Erholung setzt. Wir fokussieren uns stärker auf den Konsumsektor, da hier noch immer Potenzial für eine Erholung des Wachstums besteht. Unterdessen haben sich Industriewerte, insbesondere Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie Infrastruktur, bereits stark entwickelt. Im defensiven Bereich bleiben wir im Gesundheitssektor übergewichtet, reduzieren jedoch Positionen in Versorgungsunternehmen, deren Bewertungen bereits stark gestiegen sind. Banken und Finanzwerte bleiben attraktiv, insbesondere solche unter Buchwert, da sie weiterhin solide Dividenden und eine Verbesserung der Eigenkapitalrendite bieten. Zusätzlich haben wir Übergewichtungen bei Rohstoffen über Bergbauunternehmen, die ebenfalls positive Beiträge zur Performance leisten.
In den letzten Jahren haben wir die Gewichtung im Bereich Consumer Discretionary, insbesondere Luxusgüter, Einzelhandel und Autos, erhöht, da wir hier Potenzial sehen. Wir gehen davon aus, dass sich der Zyklus der Konsumgüter-Destocking-Phase dem Ende zuneigt und sich Aufwärtsbewegungen abzeichnen könnten. Die Debatte um eine mögliche KI-Blase wird weitergehen, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob Investitionen in Infrastruktur später auch monetarisiert werden können. Dennoch erwarten wir, dass die Märkte ihr Kapital zunehmend in andere vielversprechendere Bereiche umschichten, sei es in Europa, in den USA oder in Emerging Markets. (Eurizon/mc/ps)
