WWF-Report präsentiert 110 neu entdeckte Arten aus Mekong-Region

Pelodiscus variegatus. (Foto: Thomas Ziegler)

Zürich – Eine Schildkröte mit Rüssel, ein Fisch der nach Bruinen-Fluss aus „Der Herr der Ringe“ benannt wird und eine Pflanze, die aussieht wie ein Facehugger-Ei aus den Alien-Filmen: Das sind nur einige der 110 neu entdeckten Tiere und Pflanzen, die der WWF New Species Report Greater Mekong ausweist.

Entdeckt wurden die neuen Arten 2018 und 2019 allesamt in der Mekong-Region, die sich über Laos, Vietnam, Thailand, Myanmar und Kambodscha erstreckt und als Schmelztiegel der Biodiversität gilt. Südostasien ist eine wahre Schatzkammer für Tiere und Pflanzen, die Wissenschaft hat die Tür bisher nur einen Spalt breit aufgestossen.

So schwamm der nach einem Fluss aus „Der Herr der Ringe“ benannte Fisch Acantopsis bruinen jahrhundertelang unbemerkt im Mekong und seinen Nebenflüssen, die nicht selten, ähnlich dem fantastischen Namenspaten, durch nebelige Hochwälder fliessen. Im Nordosten Thailands wurde eine Pflanze Ceropegia foetidiflora gefunden, die vom Aussehen her stark an eine kleine Ausgabe jener Eiform erinnert, aus der im Film „Alien“ die sogenannten „Facehugger“ schlüpfen, sobald in der unmittelbaren Nähe des Eis Bewegungen wahrgenommen werden. Die neu entdeckte Pflanze entlässt allerdings keine Aliens, sondern nur einen muffigen Geruch in ihre Umwelt. Auffällig ist auch Pelodiscus variegatus: Die kleine, gefleckte Schildkröte hat eine Nase, die einer Miniaturausgabe eines Elefantenrüssels gleicht. Gefahr droht der neu beschriebenen Art durch Wilderei, denn Weichschildkröten gelten als Delikatesse und werden zu hohen Preisen illegal gehandelt. Eine Augenweide ist auch Calamaria dominici. Die Zwergschlange besitzt ein gelb-schwarz-lila Muster und ernährt sich hauptsächlich von Würmern.

Die Kombination aus Gebirgen, Trockenwäldern, Feuchtgebieten und Mangroven sowie starken Regenfällen und einem feuchtheissen Klima in der Mekong-Region ist einzigartig. Deshalb lassen sich auch viele der dort ansässigen Arten nirgendwo sonst finden. Von den dort entdeckten Amphibien kommen 54 Prozent ausschliesslich in der Region vor, bei den Reptilien sind es 39 Prozent.

Die WWF Mekong Region ist laut WWF massiv bedroht. 150 Wasserkraftanlagen sind geplant. Im Zeitraum 1973 bis 2009 wurden hier jährlich etwa 1,2 Millionen Hektar Wald zerstört. Aktuell scheint es, als ob die Entwaldungsfront gestoppt ist, doch die Region gilt zunehmend als Hotspot des illegalen Wildtierhandels. Der WWF fordert daher die wertvollen Gebiete am Mekong dauerhaft und grenzüberschreitend zu schützen. Das kämen auch der dort lebenden Bevölkerung zugute. Illegale Wildtiermärkte sind zum Beispiel Sammelgruben für Viren und stellen ein Gesundheitsrisiko dar. Die Wasserkraftanlagen gefährden nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Ernährungssicherheit in Laos, Kambodscha und Vietnam.

Zu den Highlights der neu entdeckten Tiere und Pflanzen gehörten unter anderem:

Acantopsis bruinen: Der beige-braun gefleckte Fisch wurde nach dem Bruinen-Fluss aus dem Film „Der Herr der Ringe“ benannt.
Tylototriton ngarsuensis: Dieser Krokodilmolch war den Anwohnern der Region schon lange bekannt, denn er kommt häufig in den umliegenden Gewässern vor.
Pelodiscus variegatus: Auffällig an der kleinen, gefleckten Schildkröte ist vor allem ihre rüsselartige Nase.
Rohdea harderi: Im Nordwesten Vietnams vorkommend, blüht diese Pflanze grün und gelb und trägt beerenartige Früchte.
Calamaria dominici: Die Zwergschlange begeistert mit einem gelb-schwarz-lila Muster. Sie ernährt sich hauptsächlich von Würmern.
Leptobrachium tenasserimense: Ein schwarz-bläulicher Frosch, der aussieht als käme er von einem anderen Planeten. Seine Finger sind ungewöhnlich lang.
Cyrtodactylus meersi: Mit diesem kleinen Flitzer gibt es um die 1‘777 Geckoarten weltweit.
Crepidium falcifolium: Bisher sind nur zwei Vorkommen dieser seltenen Pflanze mit sichelförmigen Blättern bekannt.

Weitere Informationen:
Report unter: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Report_Greater_Mekong_New_Species_2019.pdf

(WWF/mc/ps)

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