Von Markus Vogel, Chief Success Officer von FINNOFLEET Schweiz AG
Mit der Gründung von Liechtensteinisches Pfandbriefinstitut AG (LPBI) betritt der Finanzplatz Liechtenstein Neuland. Erstmals können liechtensteinische Banken gemeinsam Pfandbriefe emittieren. Im Frühjahr 2026 wurde der erste Pfandbrief emittiert. Hinter diesem Schritt steht nicht nur ein neues Gesetz, sondern vor allem eine technologische Basis, ohne die eine Konzession gar nicht möglich gewesen wäre.
Das neue Pfandbriefgesetz, das im Februar 2025 in Liechtenstein in Kraft getreten ist, schafft den rechtlichen Rahmen. Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) knüpft die Konzession jedoch an klare operative Anforderungen: Der Deckungsstock, also die hochwertigen Hypotheken, die den Pfandbrief absichern, muss jederzeit korrekt aufgebaut, überwacht und nachvollziehbar ausgewiesen werden. Transparent, revisionssicher und in Echtzeit. Genau hier zeigt sich, wie entscheidend Technologie für moderne Kapitalmarktinstrumente geworden ist. Ohne eine durchgängig funktionierende Plattform lässt sich die regulatorische Komplexität kaum beherrschen. Oder anders gesagt: Der Pfandbrief beginnt heute nicht mehr auf Papier, sondern im System.
Eine gemeinsame Plattform für Banken und Institut
Für das LPBI und die angeschlossenen Mitglieder kommt eine durchgängige Softwarelösung zum Einsatz, die den gesamten Lebenszyklus des Deckungsstocks abdeckt. Diese wurde in den vergangenen zwei Jahren gezielt für diesen Anwendungsfall entwickelt. Auf Seiten der Banken werden die zugrunde liegenden Sicherheiten und Hypothekarforderungen digital verwaltet, geprüft und für den Pfandbrief nutzbar gemacht. Beim Pfandbriefinstitut laufen diese Informationen zusammen, werden konsolidiert und für das Reporting verwendet.
Entscheidend sind dabei nicht die einzelnen Funktionalitäten, sondern das Zusammenspiel: Bankensysteme, regulatorische Anforderungen, Ansprüche der Investoren und Kapitalmarktprozesse greifen nahtlos ineinander. Die Plattform bildet damit das operative Rückgrat des neuen Pfandbriefmarkts.
Von der Konzession zur ersten Emission
Mit der erteilten Konzession im Frühjahr 2026 ist die technische Basis nun offiziell anerkannt. Der produktive Deckungsstock wurde aufgebaut und Moody’s vergab dem liechtensteinischen Pfandbrief ein AAA-Rating. Auf dieser Grundlage konnte eine erste Emission platziert werden.
Für den liechtensteinischen Finanzplatz ist das ein wichtiger Schritt. Für die beteiligten Banken bedeutet es zusätzliche Refinanzierungsoptionen. Und für die Technologie dahinter ist es der Praxistest unter realen Marktbedingungen.
«Die regulatorischen Anforderungen an Pfandbriefe sind hoch, und das aus gutem Grund. Für uns war entscheidend, eine Plattform zu wählen, die nicht nur heute funktioniert, sondern auch künftigen regulatorischen und marktseitigen Entwicklungen gewachsen ist», sagt Dr. Georg Stöckl, CEO, Liechtensteinisches Pfandbriefinstitut AG.
Technologie als regulatorische Voraussetzung
Die eingesetzte Softwarelösung wurde von der FINNOFLEET Schweiz AG, einem führenden Softwareanbieter für Kredit- und Refinanzierungsprozesse, entwickelt. Sie erfüllt die regulatorischen Anforderungen an Aufbau, Pflege und Überwachung des Deckungsstocks und ist integraler Bestandteil des Pfandbriefmodells. Damit wird deutlich: Wer Pfandbriefe emittieren will, braucht mehr als Kapital. Er braucht Systeme, die dieses Kapital tragen.
