Rechenzentrum heizt und kühlt sich selbst

Geothermischer Epic-Campus: Wird von Rechenzentrum geheizt und gekühlt. (Foto: Epic Systems)

Verona/Bonn – Epic Systems in Verona im US-Bundesstaat Wisconsin heizt und kühlt die 40 Gebäude an seinem Stammsitz weitgehend mit der Abwärme aus seinem Rechenzentrum, das eine Leistungsaufnahme von 3,5 Megawatt hat. Dazu hat das Unternehmen, das Software für den Gesundheitssektor produziert, 6.100 Bohrungen auf seinem Geländer niedergebracht, die in Tiefen von 90 bis 240 Metern reichen. Daraus wird im Winter Wärme gefördert und mit Wärmepumpen veredelt. Die so erzeugte Energie reicht, kombiniert mit der Abwärme des Rechenzentrums, für die Erwärmung von Brauchwasser und das Heizen aller Gebäude.

Wärme im Sommer gebunkert
Die Wärme, die im Winter aus der Erde entnommen wird, rührt nur zum Teil aus der natürlichen Quelle Geothermie. Überwiegend stammt sie aus dem Sommerbetrieb des Rechenzentrums. Die in dieser Zeit anfallende Wärme wird gewissermassen in den Bohrlöchern versenkt und heizt den Untergrund auf.

Das abgekühlte Wasser, das im Gegenzug aus den Bohrlöchern strömt, wird genutzt, um die Mikroelektronik der Server im Rechenzentrum und die Gebäude selbst zu kühlen, die allerdings nur selten klimatisiert werden müssen. Die Temperaturen erreichen auch im Sommer nur selten 30 Grad Celsius, heisst es von Epic Systems.

Kaum direkte Abwärmenutzung
Den Umweg über die Erwärmung des Untergrunds hat das Epic-Management gewählt, weil eine direkte Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums nur im Winter funktioniert. In den meisten Monaten besteht in Verona kein oder nur wenig Heizbedarf. Die direkte Nutzung der Abwärme ist dann nicht möglich, erst recht nicht im Sommer. Über die Investitions- und Betriebskosten gibt es keine Infos. Abgesichts der hohen Energiepreise könnte Wirtschaftlichkeit aber bald erreicht werden.

Bislang hat noch niemand die Wärme eines Rechenzentrums in dieser Grössenordnung unterirdisch gespeichert. Ein ähnliches System, das Wärme in unterirdischen Wasserreserven, sogenannten Grundwasserleitern, speichert, deckt jedoch seit 2009 zwischen 60 bis 80 Prozent des winterlichen Wärmebedarfs des «Bonner Bogen». Das ist ein Gebäudekomplex mit dem Hotel Kameha Grand und der Beta Klinik.

Für heute gebaute Rechenzentren, die für eine Leistung von einem Gigawatt und mehr ausgelegt sind, lässt sich die Speicherung der Abwärme im Untergrund nicht so leicht realisieren, weil der unterirdische Raum- und Flächenbedarf weitaus grösser ist als der Sektor unterhalb des Gebäudekomplexes. Die Bohrungen zur Förderung und Speicherung von Wärme müssten auch ausserhalb angelegt werden. (pte/mc/ps)

Original-Beitrag bei pressetext

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