Referenzpreise bei Generika und Biosimilars: Bundesrat macht Patienten zu grossen Verlierern

Dr. Axel Müller, Geschäftsführer Intergenerika. (Foto: Intergenerika)

Liestal – Der Bundesrat hat am vergangenen Freitag anlässlich einer Medienkonferenz die Vernehmlassung zum „Kostendämpfungsprogramm Paket 1“ angekündigt. Im Paket enthalten ist das Referenzpreissystem für patentabgelaufene Medikamente. Eine Experten-Analyse der verklausulierten Formulierungen macht deutlich: Referenzpreise wären wohl erst der Anfang einer Reihe von einschneidenden Massnahmen – und Patienten müssten sich auf schwere Zeiten, massive finanzielle Mehrbelastungen und Verschlechterungen in der Medikamentenversorgung einstellen.

Generika nicht für Prämienanstieg, sondern für Kostenersparnisse verantwortlich
Als Gründe für die geplante Einführung eines Referenzpreissystems führt der Bundesrat gebetsmühlenhaft die angeblich zu hohen Generikapreise hierzulande an, verschweigt dabei aber beflissentlich die Gründe für die im internationalen Vergleich hohen Preise, die in der aufwendigen Zulassung bei swissmedic, den kleinen Produktionsmengen und den Schweizer Löhnen liegen, die alle Dienstleistungen betreffen, bis die Medikamente beim Patienten angelangt sind. „Einmal mehr zeichnet der Bundesrat ein völlig verzerrtes und falsches Bild – Generika sind nicht für den Prämienanstieg, sondern für Kostenersparnisse verantwortlich“ kritisiert Dr. Axel Müller, Intergenerika Geschäftsführer und Schirmherr der Allianz „Nein zu Referenzpreisen bei Medikamenten“. So konnten mit Generika in 2017 – trotz der im Vergleich zum Ausland höheren Preise – Einsparungen in Höhe von CHF 415 Mio. realisiert werden, bei einem nicht ausgeschöpften Einsparpotenzial in Höhe von CHF 222 Mio. Der promovierte Apotheker bemängelt zudem die Unverhältnismässigkeit der vom Bundesrat geforderten Massnahmen: „Auf Basis der Faktenlage lässt sich nicht nachvollziehen, weshalb Bundesrat Berset den Fokus zuerst auf Generika, dem kleinsten Posten im Gesundheitswesen, legt und sich nicht an die grossen Kostenblöcke macht. Denn Generika machen mit einem Umsatz von CHF 1’015 Mio in 2017 gerade mal 1.3% der gesamten Gesundheitskosten aus. Unabhängig davon sinken die Generikapreise auch ohne ein Referenzpreis Jahr für Jahr.“



Irrweg Referenzpreissystem
Dazu kommt: Just als die Politiker in Deutschland sich von dem Irrweg der Referenzpreise und Rabattverträge verabschieden wollen, treibt der Bundesrat scheuklappenmässig dieses Vorhaben voran. Erfahrungen aus der EU zeigen zudem, dass durch die Einführung von Referenzpreisen die Gesundheitskosten nur kurzfristig gesenkt werden. Mittelfristig steigen die Kosten sogar aufgrund einer Verlagerung zu teureren, patentierten Produkten, weil Ärzte Patienten Zuzahlungen ersparen wollen. Zudem ist die Versorgungssicherheit nicht zuletzt aufgrund des Sterbens von Generikafirmen, die bei starkem Preisverfall die Vermarktung einstellen, gefährdet. Diese daraus resultierende Abhängigkeit von wenigen Anbietern führt zu Medikamentenengpässen. „Warum in aller Welt will die Schweiz von den in der EU gemachten Erfahrungen nicht lernen und ein Fiasko vermeiden?“ fragt Axel Müller.

Schweizer Patienten müssten sich warm anziehen
„Die grossen Verlierer eines Referenzpreissystems wären die Patienten“, so ist sich der Gesundheitsexperte Axel Müller sicher. In diesem System träfen das BAG und die Krankenkassen die Medikamentenauswahl und nicht mehr der Arzt. Möchte nämlich in diesem Referenzpreissystem der Patient sein ihm bekanntes, teureres Präparat behalten, zahlt er den Differenzbetrag aus der eigenen Tasche. Dabei ist die Schweiz ist bei „Out-of-Pocket“-Ausgaben schon heute weltweit spitze und weitere Zuzahlungen in der Apotheke würden die Patienten noch mehr belasten. Zudem führt der ständige Wechsel bei wirkstoffgleichen Medikamenten zudem zu mangelnder Therapietreue oder Übermedikation. Die daraus resultierenden vermehrten Hospitalisierungen erhöhen die Gesundheitskosten. Spezielle galenische Formen für Kinder und Senioren werden nicht mehr entwickelt.

Referenzpreise als Trojanisches Pferd für Rabattverträge
Die Forderung des Bundesrats und die zwei zur Diskussion gestellten Modelle haben es in sich. Danach sollten Krankenkassen künftig nur noch Präparate bis zu einem maximalen Referenzpreis, der jeweils für einen bestimmten Wirkstoff festgelegt wird, bezahlen. Beim „Modell mit Preisabschlag“ stützt er sich auf die Preise in Vergleichsländern und ermittelt daraus einen Höchstpreis. Auf diesem wird dann ein Preisabschlag verordnet, woraus sich der Referenzpreis ergibt. „Das zweite „Modell mit Meldesystem und Einschränkung der Vergütung durch Krankenversicherer“ enthält Sprengstoff, da es die Krankenkassen mit einer gefährlichen Machtfülle ausstattet“ warnt der Generika-Experte Axel Müller. „In diesem Modell entscheiden die Versicherer – und nicht die Ärzte – welches Arzneimittel von welcher Firma bei gleichen Preisen sie vergüten. Damit sind Rabattverträgen, die in der EU zu einer Ausdünnung der Wettbewerbslandschaft verbunden mit einer stark reduzierten Arzneimittelversorgungssicherheit geführt haben, Tür und Tor geöffnet.“

Nicht bei Generika sparen, sondern mit Generika sparen
Höchst vorsorglich kündigt das BAG an, um das Bürokratiemonster bearbeiten zu können, neue Mitarbeiter einstellen zu müssen. Die Mitarbeiter, die von den Pharmafirmen aufgrund der Referenzpreise freigestellt werden, können dann ja beim BAG eine neue Stelle finden. „Die Vorschläge des Bundesrats werden wir mit aller Macht bekämpfen“ sagt Axel Müller. “Im Sinne der Patienten werden wir nochmals alle Kräfte und Gegner mobilisieren, um die Einführung eines Referenzpreissystems zu verhindern. (Intergenerika/mc/ps)

Die Interessensgemeinschaft „NEIN ZU REFERENZPREISEN BEI MEDIKAMENTEN“ vereint Vertreter und Organisationen zentraler Organisationen im Schweizerischen Gesundheitssystem auf freiwilliger Basis im Widerstand gegen die Einführung eines Referenzpreissystems. Die Interessensgemeinschaft agiert gesamtschweizerisch www.referenzpreise-nein.ch

Intergenerika

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