München – Dass die Bundesregierung KI in der Industrie gezielt voranbringen will, ist natürlich richtig und überfällig. Entscheidend ist aber, wie diese Partnerschaften aufgebaut werden. Über Rechenleistung in Deutschland zu verfügen, ist ein wichtiger Schritt. Das allein schafft aber noch keine Souveränität. Wenn Chips, Plattformen und vor allem die Software am Ende von einem einzigen aussereuropäischen Anbieter abhängen, verlagern wir die Abhängigkeit nur eine Ebene tiefer – egal, wer diese Rechenzentren betreibt.
Wir haben bei Cloud und Software erlebt, wie bequem Konzentration ist und wie teuer sie werden kann. Bei KI sollten wir diesen Fehler nicht wiederholen. Gerade industrielle KI arbeitet mit sensiblen Daten wie Konstruktionsdaten, Prozesswissen und Lieferketteninformationen. Souveränität entscheidet sich deshalb an zwei Fragen: Wo liegen die Daten, und wer hat Zugriff auf sie? Aus Compliance-Sicht geht es um den Schutz von Daten im Ruhezustand („at rest“) und bei der Übertragung („in transit“), sowie um klare Zugriffsbeschränkungen. Aus Infrastruktursicht zählt zusätzlich, wo Daten gespeichert („storage“) und verarbeitet („processing“) werden und von wo aus Support und Betrieb erfolgen. Denn erfolgt dies von außerhalb Europas, kann das selbst die sicherste Speicherung untergraben. Und wer einen Kill-Switch hat, kann gezwungen werden, diesen zu nutzen. Das ist für viele Anbieter, und nicht nur aus den USA, ein strukturelles Problem.
Unternehmen sollten daher ihre Abhängigkeiten kennen, Alternativen abwägen und kritische Prozesse so absichern, dass sie auch bei politischen oder regulatorischen Verwerfungen funktionieren. Dazu gehört auch die Kommunikationsschicht, über die Unternehmen mit Kunden, Partnern und Behörden Daten austauschen. Hier gibt es leistungsfähige europäische Anbieter. Sie müssen bei Architekturentscheidungen von Anfang an mit am Tisch sitzen. (Retarus/mc/ps)
