Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Parallelwelten

Wenn Kristi Noem nicht gerade ihre 14 Monate alte Hündin im Garten erschiesst, weil sie ihr nicht gehorchen wollte, ist sie am Fakten verdrehen, was das Zeugs hält. So auch im Falle von Renee Nicole Good.

Von Robert Jakob

Man glaubt seinen Augen nicht zu trauen. Da kommt Heimatschutzministerin Kristi Noem auf die Pressekonferenz-Bühne, anders kann man den Auftrittsort des Spektakels nicht nennen, locker mit einer Baseballkappe bedeckt und verkündet, dass ihre Beamten bei der Ermordung der dreifachen Mutter Renee Nicole Good in Minneapolis in Notwehr gehandelt hätten.

Die einseitige Schiesserei war von Passanten zufällig gefilmt worden. Jeder neutrale Beobachter kann seither sehen, wie ein wutentbrannter ICE-Beamter Renee Good aus nächster Nähe durchs Fahrerfenster kaltblütig niederschoss, als keinerlei Gefahr von ihr ausging.

Im Anschluss an die schäbigen Ereignisse butterte Noem nach und liess die Präsenzstärke der Einwanderungsbehörde in Minnesota nochmals erhöhen. Noem ist gegen Schwangerschaftsabbrüche, die gleichgeschlechtliche Ehe und für ein unbeschränktes Recht auf Waffenbesitz. Die getötete Mutter bezeichnete sie als «inländische Terroristin».

Umgekehrt wird ein Schuh draus. In den USA tobt ein immer offenerer Bürgerkrieg der Roten (Republikaner) gegen die Blauen (Demokraten). Angeheizt wird er durch des SOTUS Hexenküche. POTUS steht für President of the United States, SOTUS für Sociopath of the United States. Trump ist Letzteres. In seiner Hexenküche treiben es ausgerechnet die Frauen am schlimmsten. Seine Pressesprecherin Karoline Leavitt tritt mit einer selbstgefälligen Arroganz auf, wie sie nur eigefleischte Dilettanten haben können. Ihre Sätze beginnen meistens mit: «The President of the United States made it very clear that…». Ihr zweitliebstes Hobby ist es, kritisch hinterfragende Journalisten zu beleidigen, meist mit Anspielungen auf deren Mutter.

Die Trump-Administration leidet an ASPD (antisozialer Persönlichkeitsstörung)
Der Mord an Good ist für die Sprecherin des Weissen Hauses selbstredend «ein Akt der Selbstverteidigung». Trumps bedingungslose Anstandsdamen propagieren unablässig ihre Parallelwelten und spalten dabei das Land. Leavitt sieht in den Protestierenden gegen die ICE-Gewalt bezahlte Agenten. Von der unvergessenen Kellyanne Conway, die Trumps «alternative facts» adelte, und jetzt ausgerechnet mit einem Refake von Tom Pettys «I won’t back down» Selbstüberhöhung betreibt, bis zu Susie Wiles, Trumps Personalchefin, der ersten Frau in diesem Amt, ziehen alle bedingungslos Trump gegenüber loyalen Aufsteigerinnen dicke Stricke im Hintergrund.

Mittlerweile infiltrieren sie auch die Wirtschaft. So wird Dina Powell McCormick, eine weitere Trump-Vertraute, Spitzenmanagerin beim Facebook-Mutterkonzern Meta. Die ehemalige Bankerin soll sich mit der gigantischen Finanzierung von KI-Infrastrukturprojekten des Konzerns befassen. Im vergangenen Sommer kündigte Zuckerberg neue Rechenzentren an. Gross wie Manhattan sollen sie werden. Immer mehr reiche Firmenbosse biedern sich dem SOTUS an. Und immer mehr ähnelt die Wirtschaftsstruktur der Vereinigten Staaten der von Russland unter Putin. Zwischen Diktator und gemeinem Volk setzt sich eine Gruppe von Oligarchen fest, die sich gemeinsam mit dem Führer bereichert. Nach und nach werden die Presse und Juristen gleichgeschaltet, damit grösstmöglicher Reichtum in die Taschen der neuen Nomenklatura fliesst. Dazu passt wie die Faust auf Auge, dass das US-Justizministerium Ermittlungen zum Tod von Renee Nicole Good verbietet.

Nur wenige wagen noch Kritik zu äussern, wie etwa Ray Dalio, der einst den grössten Hedgefonds der Welt aufgebaut hat. Er hat auch eine Theorie über Aufstieg und Fall grosser Reiche entwickelt. Die nennt er «Big Cycle Theory». Nach Dalio versinkt das amerikanische Imperium gerade vor unseren Augen.


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(Bild: Ellert & Richter Verlag)
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