Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Tischlein deck dich, Esel streck dich, Knüppel aus dem Sack

In den Kindertagen unseres Kolumnisten kamen bei seinem Lieblingsbäcker 200g Butter auf 1 kg Mehl für einen guten Butterzopf. (Foto: © BSH Hausgeräte AG)

Von Robert Jakob

Als ich vor vielen Jahren für das französische Landwirtschaftsministerium (INRA) rumforschte, bestand ein Projekt in der Aufdeckung einer dreisten Fälschung. Importierte holländische Champignons sollen manipuliert worden sein. Und zwar mit Spritzen. Findige Produzenten injizierten in wachsende süsse kleine Pilzhütchen einfach billiges Sojaprotein und schufen so, Osmose sei Dank, konkurrenzlos grosse und formvollendete Knollen. Sie schmeckten zu 60 Prozent nach Pilz und zu 40 Prozent nach Bohne, was den Konsumenten offenbar gar nicht sonderlich auffiel, aber den Produzenten schnelle Profite versprach. Die Fälschung von Lebensmitteln ist so alt wie der Handel mit selbigen. In Kriegszeiten war es sogar weit verbreitet, Mehl mit Sägespänen zu strecken.

Streckübungen zum Kundennachteil
Nun leben wir ja gerade in aggressiv-kriegerischen Zeiten, was scheinbar die Lebensmittelindustrie zu unschönen «Streckübungen» verleitet. Nein, in Tat und Wahrheit sind es einerseits die hohen Rohstoffpreise, und andererseits wollen sich die Profite nicht so richtig einstellen. So greift man halt gerne in die legale Trickkiste, was die Inhaltsstoffe betrifft.

Vor einem Quartal verblüffte ich meine Verkaufsfrauen bei Denner, indem ich gleich das ganze Regal mit Keksen der Marke Petit Beurre im Ausverkauf zu 125g die Packung aufkaufte. 40mal 125g macht fünf Kilo. Das war im Oktober. Der Grund: Es war das einzige Schoko-Keksprodukt mit Butter statt wie links und rechts davon mit Fettsäuren oder Palmöl. Leser meiner Wirtschaftslupe haben mittlerweile bemerkt, dass ich für gesättigte Fettsäuren (https://www.moneycab.com/dossiers/robert-jakobs-wirtschaftslupe-kokosfett-statt-schlagsahne/) genauso wenig übrig habe, wie für Sahra Wagenknecht.

Gut, wenn man die Wahl hat
Mit meinem Einkauf wollte ich mich absichern, da ich fürchtete, dass das Nachfolgeprodukt schlechter sei. Die weitere Entwicklung schien mir Recht zu geben. Ungefähr zum Jahreswechsel stellte Denner von 125g auf 150g um. Über den Preis decken wir ‘mal den Schokoladenmantel des Schweigens. Schokoladeanteil des Altproduktes war 63% Milchschokolade (Rest = Keks), Neuprodukt nur 47%. Butteranteil des ersteren 4% plus 3% konzentrierte Butter. Beim Letzteren nur gesamthaft 2,5% ganz normale Butter. Ich machte die Probe aufs Exempel. Die neue Keksrezeptur, jetzt sogar in der Schweiz zusammengerührt, ist pro Gramm teurer und schmeckt pelzig. Es wurde als Butterausgleich Sonnenblumenöl beigemischt und Weizenstärke zur Bindung. Das ergibt weniger Geschmack. Dafür sind die Rohstoffkosten günstiger.

Als unsre alten Familien-Vorräte an Petit Beurre langsam zu Ende gingen, schlenderte ich wieder durch meinen Denner. Und siehe da, oh Wunder, es gab wieder die alte 125g-Packung. Sie stand sogar neben der neuen im Regal. «Wir fahren bewusst eine Doppelstrategie», erklärt mir dazu Denners Mediensprecher Thomas Kaderli. Der Discounter überlässt es uns Verbrauchern, mit dem Gaumen und dem Portemonnaie abzustimmen. Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube. Der Leser mag mir verzeihen, dass ich als Deutscher das deutsche Produkt bevorzuge und nicht das neue mit dem Schweizer Gütersiegel. Ersteres ist im Übrigen, obwohl in Deutschland produziert, Denners Eigenmarke im beliebtesten schweizerischen Kekssegment Petit Beurre.

Zur weiteren Ehrenbezeugung gegenüber Denner sei erwähnt, dass deren Butterzopf mit 9,7% Prozent am meisten Butter enthält. Schlusslicht bei den Schweizer Discountern ist Lidl mit zwei Prozent. Zumindest weiss ich das noch, bevor Lidl statt der Zusammensetzung auf der Packung die ganze Information nur noch per QR-Code zugängig machte, wohl wissend, dass die meisten Konsumenten sich nicht die Mühe machen, jedes Mal das Smartphone zu zücken, um nachzuschauen.


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(Bild: Ellert & Richter Verlag)
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