Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Exportwachstum gibt den Ausschlag.
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) Deutschlands wächst im zweiten Quartal der ersten Schätzung zufolge um 0.2 % gegenüber dem Vorquartal.
Die deutsche Wirtschaft zeigt damit trotz aller Widrigkeiten Stärke. Es gibt gleich mehrere positive Nachrichten. Nicht nur, dass das Wachstum besser ausgefallen ist als erwartet. Auch der BIP-Zuwachs für das erste Quartal wurde von 0.3 % auf 0.4 % nach oben revidiert.
Trotz des deutlichen Ölpreisanstiegs in Folge des Iran-Krieges gelingt der deutschen Wirtschaft also ein Wachstum um 0.2 %. Damit beweist sie Resilienz. Die tatsächliche Lage ist wesentlich besser als die Stimmung.
Laut dem Statistischen Bundesamt war das Wachstum vor allem dem Exportwachstum zu verdanken. Der private Konsum habe sich verhalten entwickelt. Die Investitionen gingen zurück.
Die positive Exportentwicklung dürfte zu einem gewissen Mass auch auf Sondereffekte aufgrund des Iran-Kriegs zurückzuführen sein. Aufgrund befürchteter Lieferengpässe kauften viele ausländische Kunden noch schnell Waren bei ihren deutschen Lieferanten. Übergeordnet lässt sich aber feststellen, dass seit der Jahresmitte 2025 im Trend die Nachfrage nach deutschen Produkten steigt. Die günstige Exportentwicklung ist deshalb nicht nur auf Sondereffekte zurückzuführen.
Die deutsche Wirtschaft beweist in schwierigen Zeiten Widerstandsfähigkeit. Der erfreuliche Auftragseingang lässt hoffen, dass es in den kommenden Quartalen weiter bergauf geht. Zwar werden die erneut gestiegenen Ölpreise auch im dritten Quartal Bremsspuren hinterlassen, das Wachstum wird vermutlich dennoch etwas zulegen können. Eine gestiegene Auslandsnachfrage und das Infrastruktur- und Rüstungsprogramm der deutschen Regierung geben der Wirtschaft Rückenwind. (VP Bank/mc/ps)
