Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
ZEW-Indikator gibt deutlich nach.
Die ZEW-Konjunkturerwartungen geben im April von -0.5 auf -17.2 erneut deutlich nach.
Ein erneuter Rückgang wurde erwartet, dass er so deutlich ausfallen wird, überrascht aber. Nach Einschätzung der vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzmarktanalysten wird der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft merklich belasten. Die Furcht vor einer längerfristigen Verknappung des Energieangebotes geht um.
Es sollte allerdings berücksichtigt werden, dass deutliche Rückgänge der ZEW-Konjunkturerwartungen nach Schocks nicht unüblich sind. Auch nach Bekanntgabe der reziproken US-Zölle im April des vergangenen Jahres ging das Mannheimer Konjunkturbarometer um mehr als 60 Punkte zurück, nur um kurze Zeit später deutlich zu steigen.
Richtig ist, dass der Konflikt im Persischen Golf und die gestiegenen Ölpreise nicht spurlos an der deutschen Wirtschaft vorübergehen werden. Die höheren Energiekosten schmälern das Budget der privaten Haushalte, worunter deren Konsum leidet. Aber auch die Industrie ist von höheren Energiekosten direkt und indirekt betroffen. Wie stark die Wachstumsrückgänge ausfallen werden, hängt entscheidend davon ab, wie lang die Ölpreise auf erhöhtem Niveau bleiben.
Das Infrastruktur- und Rüstungsprogramm der deutschen Bundesregierung wird derweil weiter seine positive Wirkung auf die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten entfalten. Gerade deshalb rechnen wir nicht damit, dass der Wachstumseinbruch so stark ausfallen wird, wie es die ZEW-Konjunkturerwartungen derzeit nahelegen.
