Bitcoin und Co. in der Schweiz: Fast jede fünfte Person hält Krypto

Studienleiter Prof. Dr. Andreas Dietrich (Bild: HSLU)

Luzern – Kryptoanlagen haben in der Schweiz in den letzten Jahren spürbar an Bedeutung gewonnen. Was lange als Nischen- und Spezialthema galt, ist heute in der Mitte der Anlegerschaft angekommen: Rund 18 Prozent der Befragten halten aktuell Bitcoin und Co. Gleichzeitig bleibt die Mehrheit gegenüber Investitionen in digitale Währungen skeptisch. Das zeigt eine Studie der Hochschule Luzern.

Kryptoanlagen gewinnen in der Schweizer Bevölkerung weiter an Verbreitung. Der Anteil der Personen, die aktuell Kryptoanlagen wie Bitcoin halten, liegt mit 18 Prozent zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr und deutlich über dem Wert von 2024, als es elf Prozent waren. Hochgerechnet kamen im vergangenen Jahr rund 140’000 Investorinnen und Investoren hinzu.

Das zeigt die neue Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern, die gemeinsam mit der Luzerner Kantonalbank entstanden ist. Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1’772 Personen aus der Deutsch-, Französisch- und Italienischschweiz.

Trotz des Wachstums halten 70 Prozent der Befragten einen Einstieg oder Wiedereinstieg in den nächsten zwei Jahren für unwahrscheinlich oder schliessen ihn aus. «Wer bereits investiert ist, denkt dagegen anders. Knapp 60 Prozent dieser Gruppe können sich vorstellen, in den kommenden zwei Jahren weitere Kryptoanlagen zu erwerben», sagt Studienleiter Prof. Dr. Andreas Dietrich. Ob jemand bereits investiert hat, ist klar der stärkste Hinweis auf künftige Kryptoinvestitionen, deutlicher als Alter, Geschlecht oder Einkommen. Das zeigt sich sogar über die Generationen hinweg.

Vertrauen ist wichtiger als die Gebühr

Kryptoanlegerinnen und Kryptoanleger wünschen sich günstige, funktionale und intuitiv bedienbare Lösungen. Bei der konkreten Entscheidung gewichten sie jedoch den Anbieter stärker als den Preis. In einem Entscheidungsexperiment mit zufällig variierten Depotprofilen zeigt sich, dass eine Verdoppelung der jährlichen Gebühr von 0,6 auf 1,2 Prozent kaum Einfluss auf die Anlageentscheidung hat.

Entscheidend ist vielmehr, wer die Anlage anbietet. Bei einer Kantonalbank legen die Befragten im Median 31 Prozent eines hypothetischen Gewinns an, bei einer reinen Krypto-Plattform nur 21 Prozent.

«Kryptoanlagen werden damit weniger als exotisches Spezialthema wahrgenommen, sondern als reguläres Finanzprodukt mit hohen Erwartungen an Sicherheit, Effizienz und Nutzerfreundlichkeit. Und bei dieser Anlageentscheidung schlägt Vertrauen den Preis», sagt Dr. Patric A. Huber, Ko-Autor der Studie.

Interesse an Beratung durch die eigene Bank ist substanziell

Für Finanzinstitute liegt darin eine Chance. 15 Prozent der Befragten würden eine Kryptoberatung durch die eigene Bank eher oder sehr wahrscheinlich in Anspruch nehmen (siehe Abbildung 2). Hochgerechnet auf die Schweiz entspricht das mehreren Hunderttausend bis rund einer Million Personen. Das Interesse ist ungleich verteilt: Bei der Generation Z liegt es mit 27 Prozent und bei den Millennials mit 21 Prozent deutlich höher als bei älteren Generationen. Den stärksten Einfluss hat erneut die bisherige Erfahrung. Von den aktuell investierten Personen würde ein gutes Drittel eine Beratung nutzen. Nicht-Investorinnen und Nicht-Investoren hält vor allem fehlendes Wissen vom Einstieg ab: Gut die Hälfte der nie investierten Personen gibt an, zu wenig über das Thema zu wissen.

Viele steigen zur Unzeit ein

Marktzyklen prägen das Kryptoanlageverhalten in der Schweiz massgeblich. Neue Engagements konzentrieren sich auf Phasen starker Bitcoin-Kursanstiege, etwa während der Hausse 2020 und 2021 oder im ETF-getriebenen Aufschwung 2024 und 2025 (siehe Abbildung 3). Der Einstieg erfolgt also häufig prozyklisch, wenn die Kurse bereits steigen und die öffentliche Aufmerksamkeit hoch ist, während antizyklische Einstiege in Schwächephasen selten sind. Das erhöht das Risiko ungünstiger Einstiegszeitpunkte und späterer Verluste. Aktuell investierte Personen berichten mit 57 Prozent häufiger von Gewinnen als ehemalige Investorinnen und Investoren mit 43 Prozent. Das deutet auf einen sogenannten Survivorship Bias hin: Wer erfolgreich war, bleibt investiert, wer Verluste realisiert hat, verlässt den Markt eher. (HSLU/mc/hfu)


Hochschule Luzern – die Fachhochschule der Zentralschweiz
Die Hochschule Luzern ist die Fachhochschule der sechs Zentralschweizer Kantone und vereinigt die Departemente Technik & Architektur, Wirtschaft, Informatik, Soziale Arbeit, Design Film Kunst, Musik sowie den Schwerpunkt Gesundheit. Mit rund 8’700 Studierenden und rund 13’000 Weiterbildungsteilnehmenden (davon 5’600 MAS, DAS, CAS), 274 neuen Forschungsprojekten und 2’144 Mitarbeitenden ist sie die grösste Bildungsinstitution im Herzen der Schweiz. hslu.ch
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