Dem Schweizer Finanzplatz steht ein weiterer Umbau bevor

Herbert Scheidt, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung. (Foto: SBVg)

Bern – Der Schweizer Finanzplatz wird 2025 zwar immer noch etwa gleich gross sein. Die Branche selbst wird sich bis dann aber deutlich wandeln. Das ist das Fazit eines prominent besetzten Podiums zur Zukunft des Finanzplatzes am Swiss International Finance Forum der NZZ in Bern.

Bis 2025 sind es lediglich acht Jahre. Die sechs Vertreter des Schweizer Finanzplatzes erwarten jedoch in dieser Zeitspanne einige Veränderungen in der Branche. Einer der grossen Treiber der Entwicklung wird dabei gemäss Herbert Scheidt, dem Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), die Digitalisierung sein. Das Thema der zentralen Datenspeicherung und die in diesen so genannten Clouds verlagerten Aktivitäten werde die Banken noch stark beschäftigen, sagte er. Dabei gehe es nicht nur wie bereits heute darum, die Rechenzentren in diese Clouds zu verlagern.

Günstigere Zusammenarbeit
In Zukunft werde wohl auch die ganze Software an zentralen und nicht mehr firmeneigenen Standorten verwaltet, gewartet und entwickelt werden. «Damit lässt sich die Idee einer Superbank, einer stärkeren Zusammenarbeit der Banken, deutlich günstiger realisieren», sagte Scheidt.

Digitalisierungs-Schub im Zahlungsverkehr
Romeo Lacher, der Präsident der Börsenbetreiberin SIX, erwartet in den nächsten Jahren insbesondere einen starken Schub bei der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Heute würden in Europa noch die Hälfte aller Transaktionen mittels Bargeld abgewickelt, sagte er. Da bestehe noch viel Effizienzsteigerungspotential.

Kein abrupter Wandel
Lacher geht dabei auch für seine Institution davon aus, dass es trotz Digitalisierung und Dezentralisierung auch in Zukunft ein Zahlungsabwickler wie die SIX noch brauchen wird. Dessen Rolle werde sich jedoch dramatisch verändern. «Auch bei der Blockchain braucht es jemand, der die Partner zusammenbringt», sagte er.

Ganz allgemein erwarten die Vertreter des Finanzplatzes, dass Fintech, die neuen digitalen Finanztechnologien, die Branche zwar verändern wird. Doch wird sie den Sektor gemäss CS-Präsident Urs Rohner nicht umpflügen. «Wir gehen schon seit langem in diese Richtung», sagte er. Zudem müsse auch nicht alles neu erfunden werden.

Grösse des Finanzplatzes durch Digitalisierung nicht gefährdet
Philipp Hildebrand, der frühere Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), erwartet auch nicht, dass sich mit der Digitalisierung die Grösse des Schweizer Finanzplatz verändern wird. Er verwies dabei auf die Erfahrungen mit der Finanzkrise. In der Diskussion über das Bankgeheimnis habe es viele Schwarzmaler gegeben, die dem Finanzplatz einen drastischen Rückgang prophezeit hätten, sagt er. Dieser sei jedoch ausgeblieben, sagte auch Scheidt.

Der SBVg-Präsident erwartet jedoch einen markanten Wandel bei den Anforderungen an die Bankangestellten. «Das Profil der Beschäftigung wird sich völlig verändern.»

Fintech-Krise erwartet
UBS-Präsident Axel Weber wagte im Zusammenhang mit den künftigen Veränderungen auf dem Finanzplatz auch eine Prognose. So erwartet er, dass es im zurzeit stark wachsenden Fintech-Bereich zu einer Krise und im Anschluss daran zu einer verstärkten Regulierung dieser Technologien kommen wird.

Die traditionellen Banken könnten davon profitieren, sagte er. Weber sieht darüber hinaus denn auch nicht die Entwicklung der Technik sondern die Regulierung als grösster Gestalter der Branche. (awp/mc/pg)

SIFF 2017

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