Zürich – Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY in der Schweiz veröffentlicht die neueste Ausgabe der European Attractiveness Survey*, in der Investitionsprojekte ausländischer Unternehmen in Europa analysiert werden. Die aktuelle Ausgabe der Analyse zeigt: Ausländische Direktinvestitionen in der Schweiz sind deutlich zurückgegangen. Die Zahl der von ausländischen Unternehmen in der Schweiz angekündigten Investitionsprojekte sank im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent – von 111 auf 84. Damit zeigt sich in der Schweiz nun ebenfalls eine rückläufige Entwicklung, wie sie in Europa zu beobachten ist: Europaweit wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5’026 Investitionsprojekte ausländischer Investoren angekündigt, das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent (2024: 5’383). Damit fiel die Investitionstätigkeit auf den niedrigsten Stand seit elf Jahren, weniger Investitionen waren zuletzt im Jahr 2014 gezählt worden.
Frankreich blieb trotz eines Rückgangs der Zahl der Investitionsprojekte um 17 Prozent auf 852 (2024: 1’025) Spitzenreiter im Europa-Ranking. Grossbritannien belegte unverändert den zweiten Platz, die Zahl der Projekte sank um 14 Prozent auf 730 (2024: 853). Auf Platz drei folgte Deutschland mit 548 Projekten (minus zehn Prozent, 2024: 608). Entgegen dem allgemeinen Negativtrend konnten auch einige Standorte zulegen: Zu den grösseren Gewinnern zählen unter anderem Spanien (plus sieben Prozent auf 376 Projekte), Polen (plus zehn Prozent auf 285), die Niederlande (plus acht Prozent auf 159) und die Türkei (plus 20 Prozent auf 383).
Schweizer Unternehmen bleiben wichtige Investoren in Europa
Schweizer Unternehmen blieben auch 2025 aktive Investoren im europäischen Ausland: Die Zahl der Investitionsprojekte von Schweizer Unternehmen ging jedoch 2025 um 13 Prozent auf 214 zurück, wodurch in den entsprechenden Zielländern 7’583 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden (2024: 11’872). Die Schweiz liegt damit weiterhin auf Platz 6 der grössten Herkunftsländer von Investitionen in Europa. Auf dem ersten Platz stehen unverändert die USA (943 Projekte, 44’128 Arbeitsplätze), gefolgt von Deutschland (484 Projekte, 22’047 Arbeitsplätze), Grossbritannien (360 Projekte, 11’084 Arbeitsplätze), Frankreich (295 Projekte, 12’207 Arbeitsplätze) und China (261 Projekte, 26’140 Arbeitsplätze).
Schweizer Unternehmen investierten 2025 vor allem in Frankreich (35 Investitionsprojekte, 1’260 Arbeitsplätze), Deutschland (34 Projekte, 851 Arbeitsplätze), Spanien (17 Projekte, 171 Arbeitsplätze), Polen (17 Projekte, 583 Arbeitsplätze), Türkei (17 Projekte, 502 Arbeitsplätze) und Italien (15 Projekte, 1’324 Arbeitsplätze).
André Bieri, Markets Leader Schweiz und Liechtenstein bei EY, kommentiert die Entwicklung des Investitionsstandorts Schweiz wie folgt: «Die Schweiz fungiert trotz abnehmender Investitionen weiterhin als Tor zu Europa für US-Unternehmen, weshalb die Investitionen aus den USA hoch bleiben. Die Ansiedlungen bedeuten tendenziell neu geschaffene Arbeitsplätze mit sehr hoher Wertschöpfung. Nach wie vor bietet die Schweiz altbekannte Standortfaktoren, kombiniert mit Rechtssicherheit und einem attraktiven Steuersystem. Ein etabliertes Umfeld für Forschung und Entwicklung sowie für neue Technologien und entsprechende Talente sind weitere Treiber, die unser Land auszeichnen.»
Zum anhaltenden Investitionsrückgang in Europa sagt Bieri: «Die protektionistischen Initiativen der USA, zum Beispiel grosse Förderprogramme oder Zölle zugunsten heimischer Produktion, bremsen vor allem Investitionen in EU-Produktionsstandorte. Gleichzeitig herrscht eine Unsicherheit infolge geopolitischer Entwicklungen. Dazu zählt insbesondere die Gefahr einer Rezession in den USA, die auf Europa ausstrahlen könnte. Der Druck auf Europa nimmt weiter zu. Es gilt zu beweisen, dass innerhalb Europas Berechenbarkeit, Planungssicherheit und Rechtsstaatlichkeit grossgeschrieben werden. Die Schweiz lebt dies vor, kann hier aber keinen Alleingang ohne enge Abstimmung mit der EU wagen respektive ist von den wirtschaftlichen Entwicklungen in der EU stark abhängig.»
US-Investitionen bleiben stabil – deutsche Projekte in der Schweiz halbieren sich
US-Konzerne haben ihre Investitionen in der Schweiz im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht von 27 auf 25 Projekte reduziert (minus sieben Prozent) und dabei 158 neue Arbeitsplätze geschaffen (2024: 131). André Bieri sagt dazu: «Diese Zahl mag auf den ersten Blick gering erscheinen. Man sollte jedoch bedenken, dass in der Schweiz typischerweise Arbeitsplätze mit sehr hoher Wertschöpfung geschaffen werden – gerade im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wo viele der neu geschaffenen Stellen dem Routinebereich zuzuordnen sind.»
Damit waren die USA auch im Jahr 2025 der grösste Investor in der Schweiz. Während im Jahr 2024 noch Deutschland direkt auf die USA folgte, haben deutsche Unternehmen ihre Investitionsprojekte in der Schweiz im vergangenen Jahr von 14 auf sieben deutlich verringert (minus 50 Prozent) und auch die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze von 123 auf 14 reduziert. Frankreich (neun Projekte) und Grossbritannien (neun Projekte) überholten Deutschland damit bei den Investitionen in der Schweiz. Es folgen China (vier Projekte), Belgien (drei Projekte) und Japan (drei Projekte). (EY/mc/ps)
*Für die Studie European Attractiveness Survey werden Investitionsprojekte erfasst, die zur Schaffung neuer Standorte und neuer Arbeitsplätze führen; Portfolio- und M&A-Investitionen werden hingegen nicht berücksichtigt.
