EY: Globaler IPO-Markt mit Rekordvolumen im zweiten Quartal – Schweiz zeigt erste selektive Belebung

Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services bei EY Schweiz. (Foto: EY)

Zürich – Ein ereignisreiches 2. Quartal liegt hinter dem globalen IPO-Markt; die Zahlen weisen deutliche Verschiebungen im Vorjahresvergleich auf. Während die Zahl der weltweiten Börsengänge im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht von 246 auf 250 stieg, wuchs das Emissionsvolumen massiv von 32,1 auf 144,8 Milliarden US-Dollar. Damit wurde der höchste Quartalswert seit Beginn der EY-Aufzeichnungen im Jahr 2003 erreicht.

Der wesentliche Grund dafür war der grösste IPO aller Zeiten – der Börsengang von SpaceX in den USA mit einem Emissionsvolumen von 86,2 Milliarden US-Dollar. Damit schliesst das erste Halbjahr mit einem Rückgang der IPO-Aktivität um 12 Prozent mit 483 Börsengängen und einem deutlich gestiegenem Emissionsvolumen um 201 Prozent auf 186,8 Milliarden US-Dollar. Das sind die Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services EY Schweiz, sagt: «Die anhaltenden geopolitischen Spannungen und Unsicherheiten im ersten Halbjahr haben die IPO-Pläne vieler Unternehmen gebremst. Gleichzeitig erwiesen sich die Kapitalmärkte als vergleichsweise stabil. Ein Beispiel dafür ist der aussergewöhnlich grosse US-Börsengang, der die hohe Aufnahmefähigkeit internationaler Kapitalmärkte unterstreicht. Zugleich macht er deutlich, dass Privatanleger bei Börsengängen zunehmend an Bedeutung gewinnen und stärkeres Interesse zeigen.»

Regionale Übersicht
In den USA wurden im zweiten Quartal 45 IPOs mit einem Volumen von 117,6 Milliarden US-Dollar gezählt. Damit lag die Zahl der US-IPOs zwar unter dem Vorjahresquartal (–12 Prozent), das Volumen stieg aber um 1’350 Prozent.

In China blieb die IPO-Aktivität robust: Mit 77 Börsengängen lag die Zahl der Transaktionen um 40 Prozent über dem Vorjahresquartal. Das Emissionsvolumen stieg auf 18,2 Milliarden US-Dollar (+20 Prozent). Die grössten Transaktionen kamen aus technologie- und industriebezogenen Segmenten, darunter Victory Giant Technology, Dajin Heavy Industry und SJ Semiconductor.

Europa verzeichnete im zweiten Quartal 24 IPOs mit einem Volumen von insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar. Damit lag die Zahl der europäischen IPOs klar über dem Vorjahresquartal (17), während das Emissionsvolumen um 65 Prozent zulegte.

Ausblick: hohe Nachfrage nach bestimmten Branchen
Die IPO-Pipeline ist gut gefüllt, doch erfolgreiche Börsengänge bedürfen einer Reihe von Voraussetzungen. Die Märkte zeigen sich grundsätzlich offen für Neuemissionen, wobei der Erfolg stark vom jeweiligen Sektor und einer überzeugenden Equity Story abhängt, die aktuelle Wachstumstrends aufgreift. Das zweite Quartal verdeutlicht dies klar: Es ist ausreichend Kapital vorhanden, doch Investoren fokussieren sich auf grosse, gut vorbereitete Unternehmen mit einer belastbaren Equity Story und klaren Wachstumsperspektiven. Um die vergleichsweise kurzen IPO-Fenster erfolgreich zu nutzen, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend – ebenso wie die nötige Disziplin und ein klarer Plan B, um bei erhöhter Volatilität oder kurzfristig steigenden geopolitischen Risiken auch abwarten zu können.

Branchenübersicht: technologienahe Werte dominieren
Das Quartal war von Mega-Transaktionen geprägt: Die zehn grössten Börsengänge des zweiten Quartals kamen zusammen auf 109,3 Milliarden US-Dollar. Das entspricht rund 75 Prozent des gesamten globalen Emissionsvolumens. SpaceX allein erzielte ein Platzierungsvolumen von 86,2 Milliarden US-Dollar. Dahinter folgten Cerebras Systems mit 6,4 Milliarden US-Dollar und Victory Giant Technology (HuiZhou) mit 3,0 Milliarden US-Dollar. Tech-Werte dominierten damit den IPO-Markt.

Beim Blick auf die einzelnen Branchen dominierten Advanced Manufacturing mit 44 IPOs und 98,1 Milliarden US-Dollar Emissionsvolumen sowie Technology mit 51 IPOs und 19,2 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Life Sciences (26 IPOs, 6,1 Mrd.US-Dollar). Investoren zeigen weiterhin eine grundsätzliche Bereitschaft, Wachstum zu finanzieren, differenzieren dabei jedoch zunehmend stärker. Ein reines KI-Label genügt nicht, um Nachfrage zu generieren. Vielmehr stehen Unternehmen im Fokus, welche die breite Nachfrage nach KI-Anwendungen, Dateninfrastruktur, Energieversorgung, Halbleitern, Verteidigung oder kritischer Infrastruktur bereits in belastbare Umsätze und nachhaltige Margen überführen können.

Übersicht erstes Halbjahr 2026
Im ersten Halbjahr war die Entwicklung des globalen IPO-Markts unterschiedlich. Weltweit gingen im ersten Halbjahr 483 Unternehmen an die Börse (nach 546 im H1 2025). Das globale Emissionsvolumen hat sich hingegen auf 186,8 Milliarden US-Dollar verdreifacht.

Positiv war, dass das Emissionsvolumen in allen drei grossen Regionen wuchs: In den USA sprang es von 17,1 auf 128 Milliarden US-Dollar, in China von 21,1 auf 35,8 Milliarden US-Dollar und in Europa von 6,0 auf 9,2 Milliarden US-Dollar.

Etwas differenzierter ist das Bild bei der Zahl der IPOs: In den USA sank die absolute Zahl (minus 35 Prozent), während in Europa und China mehr Unternehmen an die Börse gingen (plus zwei bzw. plus 39 Prozent).

Zurückhaltende IPO-Aktivität in der Schweiz belebt sich im zweiten Quartal
Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten blieb der Schweizer IPO-Markt im ersten Quartal 2026 auf abwartendem Kurs, ohne Neuemissionen. Im zweiten Quartal gab es dagegen erste Neukotierungen: So gelang dem Schweizer USV-Hersteller Centiel AG am 17. April über einen Reverse Merger der erste Börsengang des Jahres mit einem Emissionsvolumen von rund 31 Millionen Schweizer Franken. Mitte Mai folgte die Zweitkotierung der dsm‑firmenich AG (ohne Kapitalerhöhung; Marktkapitalisierung etwa 16 Milliarden Schweizer Franken). Mitte Juni wurde zudem die Matador Secondary Private Equity AG im KMU-Segment Sparks der SIX neu kotiert, ebenfalls ohne neue Aktienausgabe. Damit verzeichnete die Schweiz im zweiten Quartal 2026 insgesamt drei Börsenneulinge. Des Weiteren hat Mitte Juni Infracore offiziell angekündigt, einen Börsengang and der SIX zu planen. Ein vorsichtiges Signal für eine selektive Marktbelebung, während viele potenzielle Emittenten weiter auf den richtigen Zeitpunkt warten und sich auf eine mögliche IPO-Readiness fokussieren.

Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services EY Schweiz, ordnet die Entwicklung ein: «Der Schweizer IPO-Markt bleibt vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheiten insgesamt zurückhaltend, zeigt im zweiten Quartal jedoch erste Belebungstendenzen. Die Transaktionen machen deutlich, dass gut vorbereitete Unternehmen auch im aktuellen Umfeld Zugang zum Kapitalmarkt finden können. Sei es über alternative Strukturen oder Zweitkotierungen. Gleichzeitig warten viele potenzielle Emittenten weiterhin auf ein günstigeres Marktfenster und investieren gezielt in ihre IPO-Readiness, um bei stabileren Rahmenbedingungen schnell handlungsfähig zu sein.»

Die erwähnten Mega-Transaktionen erzeugen weltweit Aufmerksamkeit und können sich positiv auf die Risikobereitschaft, die Marktliquidität sowie die Bewertungsniveaus von Wachstumsunternehmen auswirken. Dies führt jedoch nicht automatisch zu einem stärkeren IPO-Fenster in Europa oder der Schweiz. Vielmehr wirkt die internationale Marktdynamik als unterstützender Faktor und nicht als eigentlicher Treiber. Eine erfolgreiche globale IPO-Welle kann dazu beitragen, Vertrauen wiederherzustellen, die Volatilität zu reduzieren und Investoren für neue Emissionen zu gewinnen. Schweizer Unternehmen müssen sich jedoch weiterhin durch ihre eigenen Qualitäten differenzieren. (EY/mc)

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