GAM von Manager-Affäre gebeutelt

GAM-Ceo David Jacob. (Foto: GAM)

Zürich – Der Vermögensverwalter GAM hat im vergangenen Jahr einen Verlust in Milliardenhöhe eingefahren. Nach der Affäre um den im Sommer 2018 freigestellten Investmentmanager Tim Haywood betreibt die Gesellschaft immer noch Schadensbegrenzung.

Haywood wurde wegen Unregelmässigkeiten im Risikomanagement suspendiert. Mittlerweile ist die interne Untersuchung abgeschlossen und der Investmentmanager wurde wegen «schweren Fehlverhaltens» entlassen. Es seien erhebliche Mängel bei Fähigkeiten und Sorgfalt festgestellt worden, teilte GAM am Donnerstag mit. Das Unternehmen selbst muss die internen Kontrollen verbessern.

Die von Haywood betreuten Fonds mit der so genannten Absolute-Return-Bond-Strategie (ARBF) werden derzeit liquidiert. Seit Mitte Dezember gab es wegen der volatilen Märkte jedoch keine weiteren Rückzahlungen an die Kunden. Die Liquidierung soll in den nächsten Monaten abgeschlossen werden.

Auch Cantab-Übernahme Fehlschlag
Die nach der Suspendierung von Haywood eingebrochenen verwalteten Vermögen sind im Dezember weiter gesunken – auf 132,2 Milliarden Franken und damit noch deutlich stärker als von Analysten erwartet. Ende 2017 verwaltete GAM noch Vermögen in Höhe von 158,7 Milliarden Franken.

Wegen des massiven Rückgangs und der geringeren Profitabilität kam es 2018 zu einer Goodwill-Wertminderung in Höhe von 883,4 Millionen Franken. Aber nicht nur die Haywood-Geschichte belastete: Weitere 120,7 Millionen Wertminderung nach Steuern fielen auf die 2016 übernommene Cantab an. Restrukturierungskosten kosteten weitere 31 Millionen.

Unter dem Strich lag der Nettoverlust nach IFRS im Geschäftsjahr 2018 bei 929,1 Millionen. Es überrascht daher nicht, dass auf eine Dividende verzichtet wird. Zudem erhalten der ehemalige CEO Alexander Friedman, der im Zuge der Affäre Anfang November zurücktrat, sowie Finanzchef Richard McNamara keinen Bonus.

Märkte spielen auch nicht mit
«2018 war das schwierigste Jahr für GAM seit ihrer Unabhängigkeit vor zehn Jahren, und 2019 wird ebenfalls herausfordernd», sagte Präsident Hugh Scott-Barrett. Die «ARBF-Situation» sei «zutiefst bedauerlich». GAM konzentriere sich nun voll auf die Massnahmen, um den Vermögensverwalter wieder zu einem starken Unternehmen zu machen.

Mit Blick in die Zukunft hiess es aber, das Umfeld für die Asset-Management-Branche bleibe angesichts eines schwächeren Wirtschaftswachstums sowie geopolitischer Spannungen insgesamt schwierig. Die Anleger seien nach wie vor vorsichtig und preissensitiv.

Für das laufende Jahr geht GAM daher von einem sinkenden operativen Gewinn aus. Der Vergleichswert, der bereinigte operative Gewinn, erreichte vor Steuern 126,7 Millionen Franken. Er war damit bereits in 2018 um 27 Prozent rückläufig.

Priorität hat jetzt die Restrukturierung sowie die Stabilisierung des Geschäfts. Das Vertrauen der Kunden und Aktionäre muss schnellstens zurückgewonnen werden. Die im Dezember angekündigte Restrukturierung sei «im vollen Gange», hiess es am Donnerstag. Rund ein Drittel der Stellen, die im Laufe des Jahres abgebaut werden sollen, seien bereits gestrichen worden.

Keine Wetten auf Turnaround
Einen neuen ständigen Konzernchef hat GAM derweil noch nicht bestimmt. Nach dem Rücktritt Friedmans übernahm Verwaltungsrat David Jacob interimistisch. Da zunächst die Restrukturierung im Vordergrund stehe, werde es keinen «unmittelbaren Wechsel» geben, sagte dieser am Donnerstag.

An der Börse verlieren die GAM-Aktien gegen 12.30 Uhr 6,7 Prozent auf 3,37 Franken. Sie notieren allerdings noch über dem Allzeittief bei 2,76 Franken von Mitte Dezember.

Die ZKB warnt davor, auf einen Turnaround zu wetten, und rät dazu, von der GAM-Aktie besser die Finger zu lassen. «Uns fehlt nach wie vor die Phantasie, in welcher Strategiegruppe GAM demnächst messbare Zuflüsse erreichen will», schreibt der zuständige Analyst. Gerade für institutionelle Investoren lägen die Hürden sehr hoch bei einem Asset Manager zu investieren, der gerade erst eine ganze Strategie liquidieren musste. (awp/mc/pg)

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