Global X ETFs: Europas 1-Billionen-Euro-Wette

Andrew Ye

Andrew Ye, Investment Strategist at Global X ETFs. (Foto: zvg)

Von Stromnetzen und Schienen über Verteidigungsinfrastruktur bis zum Wiederaufbau der Ukraine: Europa plant Investitionen von weit über einer Billion Euro.

von Andrew Ye, Investment Strategist, Global X ETFs

Europa öffnet die Geldschleusen und investiert so stark in Infrastruktur wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Allein die EU, Deutschland und Irland planen Programme von deutlich über einer Billion Euro. Experten sprechen bereits von einem möglichen Infrastruktur-Superzyklus.

Die EU will das Budget ihres Infrastrukturprogramms «Connecting Europe Facility» (CEF) für die Jahre 2028 bis 2034 von heute knapp 34 auf rund 81 Milliarden Euro erhöhen. Besonders stark steigen sollen die Investitionen in Energieinfrastruktur und militärische Mobilität.

Auch die Mitgliedstaaten bauen ihre Investitionen aus. Deutschland hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität beschlossen. Allein 2026 sollen daraus rund 58 Milliarden Euro fliessen. Irland plant Investitionen von 275 Milliarden Euro über zehn Jahre – gemessen an seiner Grösse eines der ambitioniertesten Infrastrukturprogramme der OECD.

Gleichzeitig will Europa die oft langwierigen Bewilligungsverfahren beschleunigen. Denn viele Projekte scheiterten bislang nicht am Geld, sondern an der Bürokratie.

Schnellere Projekte statt jahrelanger Verzögerungen

Geld allein baut keine Brücken, Bahnlinien oder Stromnetze. Deshalb gewinnt ein zweiter Faktor zunehmend an Bedeutung: schnellere Genehmigungs- und Zulassungsverfahren.
Mit der Initiative „Ein Europa, ein Markt“ will die EU die Genehmigungs-, Beschaffungs- und Regulierungsprozesse in den Mitgliedstaaten harmonisieren. Ziel ist es, Infrastrukturprojekte einfacher und schneller umzusetzen. Zudem sollen acht strategische Korridore für Energie mit erhöhtem Tempo entwickelt werden.

Auch einzelne Länder treiben Reformen voran. Deutschland hat mehr als 200 Massnahmen zur Verkürzung von Planungs- und Genehmigungsverfahren verabschiedet. In Irland sollen neue Regeln langwierige Rechtsstreitigkeiten um grosse Infrastrukturprojekte verringern.

Dies könnte sich als bedeutsam für den Infrastruktursektor erweisen. In der Vergangenheit haben langwierige Planungs-, Genehmigungs- und Zulassungsprozesse den Fortschritt von Projekten mitunter gebremst – trotz verfügbarer Finanzmittel.

Die stille Macht der Infrastrukturmonopole

Besonders attraktiv sind Infrastrukturgüter mit hohen Markteintrittsbarrieren wie Flughäfen, Mautstrassen, Brücken und der Eurotunnel. Diese Vermögenswerte sind schwer zu replizieren und verfügen oft über eine starke Wettbewerbsposition.

Konkret: Sie verfügen häufig über monopolähnliche Strukturen und können Preissteigerungen an ihre Nutzer weitergeben.

In vielen Fällen agieren sie in einem nahezu monopolartigen Umfeld und können höhere Kosten an die Nutzer weitergeben. Mautsätze sind häufig an die Inflation gekoppelt, während Flughäfen zunehmend Einnahmen aus Einzelhandel, Immobilien und Dienstleistungsangeboten erzielen. Infolgedessen profitieren die Betreiber nicht nur von steigenden Verkehrszahlen, sondern auch von einer erheblichen Preissetzungsmacht.

Diese Geschäftsmodelle könnten in einem Umfeld höherer Inflation und steigender Infrastrukturausgaben besonders attraktiv werden.

Die Ukraine als Generationenprojekt

Zusätzliche Impulse könnte der Wiederaufbau der Ukraine bringen. Die Weltbank schätzt die Kosten inzwischen auf rund 588 Milliarden US-Dollar. Das entspricht fast dem Dreifachen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.

Allein für den Verkehrssektor werden mehr als 96 Milliarden Dollar benötigt. Im Energiesektor sind weitere rund 91 Milliarden Dollar erforderlich.
Die Finanzierung wird bereits vorbereitet. Die EU hat mit der «Ukraine Facility» ein Programm über 50 Milliarden Euro geschaffen. Weitere Garantien und Investitionsprogramme sollen privates Kapital mobilisieren.

Mit einem geschätzten Wiederaufbaubedarf von fast 600 Milliarden US-Dollar könnte die Erholung der Ukraine zu den größten Wiederaufbauprogrammen seit dem Zweiten Weltkrieg zählen. Folglich könnte der Wiederaufbau der Ukraine zu einer der wichtigsten Säulen der umfassenderen Infrastrukturoffensive Europas werden.

Mehr als ein traditionelles Konjunkturprogramm

Der aktuelle Investitionsschub unterscheidet sich von früheren Infrastrukturprogrammen. Er ist mehr als ein klassisches Konjunkturprogramm. Getrieben wird er von langfristigen Trends wie Energiesicherheit, Digitalisierung, Verteidigung und Reindustrialisierung. Gleichzeitig sorgen höhere Budgets, regulatorische Reformen und der Wiederaufbau der Ukraine für zusätzlichen Rückenwind.

Vieles spricht deshalb dafür, dass Europa am Beginn eines Infrastruktur-Superzyklus steht. Für Bauunternehmen, Netzbetreiber und Infrastrukturinvestoren könnten die kommenden Jahre zu den attraktivsten seit Jahrzehnten werden. (Global X/mc/pg)

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