Zürich – Die UBS will Konzernchef Sergio Ermotti einem Medienbericht zufolge über April 2027 hinaus im Amt behalten. Die Grossbank sehe ihn für den anstehenden Streit mit dem Bund über strengere Kapitalregeln als unverzichtbar an, berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» am Samstag unter Berufung auf informierte Kreise.
Die Suche nach einem Nachfolger werde deshalb aufgeschoben, hiess es in dem Bericht. Im Verwaltungsrat unter Präsident Colm Kelleher habe sich die Einschätzung durchgesetzt, dass, solange es in der Kapitalfrage keine Klarheit gebe, der Verwaltungsrat keinen geeigneten Nachfolger für Ermotti wählen könne. Eine Klärung der Regulierung dürfte sich Beobachtern zufolge bis mindestens 2028 hinziehen.
Ermotti hatte die UBS bereits von 2011 bis 2020 geführt und wurde im Frühling 2023, kurz nachdem die Grossbank die Konkurrentin Credit Suisse (CS) übernommen hatte, als CEO zurückgeholt. Er soll sicherstellen, dass die untergegangene Konkurrentin juristisch, organisatorisch und operativ so schnell wie möglich in die UBS integriert wird.
UBS: Diskussion über Zeitpunkt des Rücktritts verfrüht
Die UBS äussert sich nicht zu einem konkreten Abgangstermin ihres Konzernchefs. Sergio Ermotti werde mindestens bis Anfang 2027 Gruppen-CEO bleiben, bekräftigte ein Banksprecher der Nachrichtenagentur AWP am Samstag. «Da die Integration wie geplant erst Ende 2026 weitgehend abgeschlossen sein wird und wichtige Arbeiten bevorstehen, um die Bank auf die nächste Phase ihrer Strategie und ihres Wachstumskurses vorzubereiten, ist es verfrüht, über den Zeitpunkt des Rücktritts von Sergio zu spekulieren.»
Die systemrelevante Bank sieht sich nach dem CS-Untergang mit einer möglichen Verschärfung der Eigenkapitalregeln durch den Bund konfrontiert. Die von Finanzministerin Karin Keller-Sutter vorgeschlagenen Regeln sehen vor, dass die UBS ihre Auslandstöchter künftig mit 100 Prozent ihres Werts besichern müsste statt wie derzeit mit 60 Prozent. Das könnte die Grossbank dazu zwingen, bis zu 26 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital aufzubauen.
Bank prüft verschiedene Szenarien
Die UBS lehnte in der Vernehmlassung die Verschärfungen ab und warnte vor Wettbewerbsnachteilen im globalen Vermögensverwaltungsgeschäft. Der Bundesrat will im ersten Halbjahr 2026 einen Gesetzesentwurf ans Parlament überwiesen.
Gemäss der NZZ prüft die UBS strategische Szenarien je nach Ausgang des politischen Streits, vom Verbleib in der Schweiz über einen möglichen Wegzug bis hin zu einer Übernahme durch ein ausländisches Institut. «Wir werden, wie wir wiederholt gesagt haben, alles daran setzen, dass UBS weiterhin als globale Bank erfolgreich aus der Schweiz heraus tätig sein kann», sagte der UBS-Sprecher dazu. «Gleichwohl ist der Verwaltungsrat verpflichtet, sich auf alle Szenarien vorzubereiten.» (awp/mc/pg)
