Neben dem Gold gilt der Franken als der sichere Hafen schlechthin. Seit dem Beginn des Krieges im Nahen Osten konnte er seine Stärke in unsicheren Zeiten aber nicht ausspielen. Der US-Dollar stieg zum Franken zwischenzeitlich um drei Rappen und der Euro um zwei Rappen. Handelsgewichtet verlor der Franken seit dem Start der Angriffe 2% an Wert. Damit liegt er aber immer noch auf dem Niveau von Anfang Jahr. Während den besonders heiklen Phasen legte neben dem Ölpreis auch der US-Dollar deutlich zu. Hat der vielgeschmähte Greenback den Franken als sicheren Hafen abgelöst?
von Thomas Stucki, CIO der St. Galler Kantonalbank
Der Franken ist am 2. März, dem ersten Handelstag nach dem Ausbruch des Krieges, zuerst deutlich stärker geworden. Das hat die SNB veranlasst, die Märkte zu warnen, dass sie bei Bedarf nicht zögern werde, mittels Interventionen den Franken zu schwächen. Die Tonalität ging dabei über die übliche Floskel in der geldpolitischen Berichterstattung hinaus und zeigte Wirkung. Ob die SNB an diesem Tag neben der verbalen Drohung auch direkt am Markt interveniert hat, ist nicht bekannt. Angesichts der innertäglichen Kursentwicklung des Frankens ist ein direktes Eingreifen der SNB an diesem Tag jedoch möglich, wobei der eingesetzte Betrag nicht allzu gross gewesen sein dürfte. Die Daten bezüglich ihrer Devisenmarkttransaktionen im ersten Quartal veröffentlicht die SNB erst Ende Juni. Seither ist es um den Franken aber ruhig geblieben. Die klare Positionierung der SNB hat geholfen, Aufwertungsspekulationen für den Franken gar nie aufkommen zu lassen.
Inflationsdifferenz wird grösser
Die Gefahr einer Franken-Aufwertung ist für die Schweizer Wirtschaft aber nicht vorbei. Einer der wichtigsten Treiber für die Stärke des Frankens ist die Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und den anderen Währungsräumen. Diese wird durch die gestiegenen Preise für Erdöl und Erdgas zunehmen. Einen Vorgeschmack dazu geben die Daten für den März. In der Schweiz stieg die Inflationsrate leicht von 0.1% auf 0.3%. In Deutschland war der Anstieg um 0.8% auf 2.7% deutlich grösser. In den USA war der Sprung der Inflationsrate von 2.4% auf 3.3% ähnlich gross wie in Deutschland. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Monaten noch verstärken, da der direkte und indirekte Einfluss der fossilen Energiepreise in diesen Ländern deutlich grösser ist als in der Schweiz.
Der Ausgleich der Inflationsdifferenz über die Währung funktioniert gut. Das hat man an der starken Aufwertung des Frankens um 13% in den Jahren 2022/2023 gesehen. In einem Umfeld mit einer grossen Inflationsdifferenz wird die SNB die Aufwertung des Frankens auch zulassen.
Der US-Dollar bleibt anfällig
Der US-Dollar profitierte in den letzten Wochen von den hohen Ölpreisen und den steigenden Zinserwartungen an die Fed. Wenn sich die Lage im Nahen Osten und an den Energiemärkten stabilisiert, werden die Argumente für eine Schwäche des Dollars wieder zum Tragen kommen. Die Schulden in den USA steigen unkontrolliert weiter. Die Kosten des Krieges und das nötige Geld für den Ersatz der verschossenen Raketen verstärken diesen Trend zusätzlich. Die Sparbemühungen der Regierung, falls solche überhaupt einmal vorhanden waren, haben sich im Pulverdampf aufgelöst und bei Trump dem masslosen Geldausgeben Platz gemacht. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die Verlässlichkeit der Amerikaner ist durch den Krieg nicht grösser geworden. Ob die Golfstaaten und Saudi-Arabien weiterhin so viel Geld in den USA investieren werden, um sich das Wohlwollen Trumps zu erkaufen, ist fraglich. Die Absetzbewegung aus dem US-Dollar und aus den US-Treasuries wird anhalten und wahrscheinlich sogar zunehmen. Die Schweizer Unternehmen tun gut daran, sich auf eine weitere Abschwächung des US-Dollars zum Franken einzustellen. (SGKB/mc)
