SZKB Marktkommentar: Er ist wieder da

Thomas Heller

Thomas Heller wechselt per 1. April 2022 als CIO zu Belvédère Asset Management. (Foto: SZKB)

Selten war die Fed so deutlich in ihrer Ankündigung wie vor zwei Wochen. Während man normalerweise bei ihren Mitteilungen akribisch nach den Unterschieden zum vorangegangenen Wortlaut suchen muss, fiel Fed-Chef Powell diesmal gleich in seinem ersten Satz mit der Tür ins Haus: «we […] made some significant changes to our statement.»

Die Argumente für eine Anpassung (sprich: eine Lockerung) der Geldpolitik hätten sich angesichts der Unsicherheiten verstärkt, wobei er dabei namentlich den Handelskonflikt sowie Konjunktursorgen nannte. Die Fed werde angemessen reagieren, um den Aufschwung aufrechtzuerhalten. Also nichts mehr von «geduldig für einige Zeit», wie es noch vor Kurzem hiess. Die Deutlichkeit dieser Ankündigung war überraschend. Sie ist ein Rückschritt auf dem Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik, welche die Fed in den letzten Jahren vorangetrieben hatte. Und es ist ein unnötiges Versprechen. Denn es stellt sich schon die Frage, ob überhaupt Bedarf für eine expansivere Geldpolitik in den USA besteht.

Immerhin sagte Powell nämlich auch, dass sich die Wirtschaft recht gut («reasonably well») entwickle und der Ausblick im Basisszenario positiv sei. Die Arbeitslosigkeit bleibe in diesem sowie im nächsten Jahr tief (notabene auf einem 50-Jahres-Tief!) und die Wachstumserwartung liege knapp über dem Potenzialwachstum. Für 2020 hat die Fed ihre Wachstumsprognose sogar leicht angehoben. Das klingt so schlecht nicht und man denkt bei einem solchen Szenario nicht unmittelbar an bevorstehende Zinssenkungen.

Aber nun ist er also auch in den USA wieder da: der Notenbank-Put. Die Gewissheit, dass die Fed im Fall der Fälle rasch und unter Umständen auch vorbeugend eingreifen würde. Im Zug der Normalisierung der Geldpolitik mit Zinserhöhungen und Bilanzabbau war dies etwas in den Hintergrund gerückt. Aber Achtung: Während die Fed sagt «wir würden», versteht der Markt «wir werden» und hat schon viel vorweggenommen. Mit drei Zinssenkungen rechnet der Markt insgesamt bis Ende Jahr. Einen Zinsschritt werden wir wohl Ende Juli erleben, er ist am Markt zu 100% eingepreist.

Was darüber hinausgeht, ist hingegen alles andere als sicher und scheint aus heutiger Sicht übertrieben und unnötig. Da steckt negatives Überraschungspotenzial drin. Die vorsorgliche Ankündigung einer erneuten geldpolitischen Expansion mag für den Moment beruhigend wirken. Sie verstärkt aber auch die Abhängigkeit vom Geldsegen der Notenbank. Für eine positive Markt- und Konjunkturentwicklung braucht es mehr als billiges Geld von der Zentralbank.

SZKB

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