2026 rücken bei nachhaltigen Geldanlagen wirtschaftliche Tragfähigkeit und reale Vermögenswerte stärker in den Fokus, während unscharf verwendete Nachhaltigkeitsbegriffe zunehmend an Glaubwürdigkeit verlieren. Die Treecycle AG / Global TREE Project AG positioniert ihr forstwirtschaftliches Modell vor diesem Hintergrund als «Conscious Investing».
Welche Kennzahlen dabei Orientierung geben, wo Grenzen verlaufen und weshalb Transparenz bis zur physischen Sichtbarkeit reicht, erläutert CEO Jörg Schäfer im Gespräch.
Herr Schäfer, Sie sagen selbst: Global TREE Project sei kein «Impact-Investing». Warum ist Ihnen diese Abgrenzung wichtig?
Jörg Schäfer: Weil «Impact-Investing» im Markt relativ konkret definiert ist und oft in der Wahrnehmung mit Charity-Logik korreliert. Wir kommen aus einem anderen Ansatz: wirtschaftlicher Nutzen und reale Substanz stehen im Zentrum. Wir wollen kein Spendenmodell erklären, sondern ein Real-Asset-Konzept, das funktioniert, weil es einen Bedarf bedient, auf realen Vermögenswerten basiert und eine marktkonforme Rendite erwirtschaftet.
Wir wollten das «Entweder-oder» auflösen: entweder Rendite oder Verantwortung. Unser Ansatz ist: reale Substanz aufbauen (Land, Aufforstung, Bewirtschaftung) und diese Substanz transparent machen. Nicht als PR, sondern als Grundlage für Vertrauen und nachhaltige Kapitalanlage.
Was heisst Wertunterlegung bei einem Real-Asset-Modell konkret? Und wie lässt sich das prüfen?
Schäfer: Bei uns bedeutet das: Es gibt Flächen und Erträge, die aus der Bewirtschaftung entstehen. Eine belastbare Wertunterlegung beginnt mit Eigentumstiteln, sauber dokumentierten Flächen, Inventuren und einem operativen Nachweis, dass aufgeforstet und bewirtschaftet wird, sowie der Prüfung durch einen global aktiven Wirtschaftsprüfer, welcher vor Ort Inventur macht und den Zustand prüft.
Prüfbarkeit entsteht eben dann, wenn Kennzahlen nicht nur intern existieren, sondern in einem System abgebildet werden, das externe Kontrollen erlaubt, etwa über konsolidierte Abschlüsse, Audits, dokumentierte Bestandslisten und nachvollziehbare Investitionslogik. Wir kommunizieren nicht Wirkung, sondern Strukturen, die Wirkung messbar machen.
Welche operativen Kennzahlen schaffen aus Ihrer Sicht am ehesten Vertrauen?
Schäfer: Drei Ebenen.
– Erstens: Fläche und Bestand – also wie viele Hektaren, welche Pflanzdichte, welche Altersklassen, welche Überlebensraten.
– Zweitens: Wachstum und Bewirtschaftung – wie entwickeln sich Bestände, welche Zyklen sind geplant, welche Erntelogik gibt es.
– Drittens: Cashflow-Logik – welche Erlöse sind realistisch, welche Kosten fallen an, und wie wird reinvestiert.
Wichtig ist: Kennzahlen müssen nicht perfekt aussehen, sondern konsistent und nachvollziehbar sein. Aufforstung ist Biologie. Wer Stabilität behauptet, ohne Wetter, Feuer oder Preisschwankungen zu erwähnen, erzeugt Misstrauen. Zudem sind wir hier sehr gut aufgestellt, da Eukalyptus-Hybride bewiesenermassen sehr wetterresistent sind und somit ein gewisses Mass an Sicherheit gewährleistet ist.
Treecycle arbeitet in Paraguay und setzt auf Eukalyptus-Hybride. Das ist ein kontroverses Thema. Wie begegnen Sie dem Vorwurf der Monokultur?
Schäfer: Wir roden keine Ur- oder Regenwälder, um Plantagen zu schaffen. Wir arbeiten auf bereits degradierten und brachliegenden Flächen. Eukalyptus-Hybride sind bei uns ein Produktionssystem, kein Naturwald-Ersatz. Das Ziel ist, Industrieholz kontrolliert zu erzeugen, damit der Druck auf Primärwälder sinkt.
Die Kritik ist verständlich, wenn man Plantage und Wald gleichsetzt. Wir unterscheiden strikt. Gleichzeitig nehmen wir Bodenschutz ernst: Biomasse wie Blattmaterial und Schnittreste bleibt auf der Fläche, damit Humus aufgebaut wird. Nachhaltigkeit ist hier nicht romantische Waldästhetik, sondern die Frage: Wird Boden regeneriert, werden Flächen stabilisiert und wird gleichzeitig Holzbedarf von empfindlichen Waldsystemen weggeleitet?
Warum überhaupt Tokenisierung? Ist das nicht ein zusätzlicher Reizpunkt in einem ohnehin kritischen Markt?
Schäfer: Tokenisierung wird oft mit Spekulation verwechselt. Für uns ist Blockchain-Infrastruktur: eine digitale Abbildung, die Teilbarkeit und Nachvollziehbarkeit unterstützen kann. Der Punkt ist nicht Krypto, sondern Effizienz und Transparenz bei der Abwicklung. Und die Möglichkeit, reale Sachwerte einem breiteren Anlegerkreis zugänglich zu machen.
Aber auch hier gilt: Die Technik ersetzt keine Substanz. Erst kommt die reale Grundlage (Fläche, Bestand, Bewirtschaftung), dann die digitale Abbildung.
Sie sprechen von einer Kreislauf-Logik. Wie soll das wirtschaftlich funktionieren, ohne dass es nach «zu schön, um wahr zu sein» klingt?
Schäfer: Indem man nicht mit schnellen Versprechen arbeitet. Aufforstung braucht Zeit. Die Logik ist zyklisch: Aufforstung, Pflege, Erntefenster und Reinvestition in neue Flächen. Wenn ein Modell dauerhaft wirken soll, muss es nicht nur ausschütten, sondern auch wachsen können. Darum ist Reinvestition zentral.
Genauso zentral ist: Ausschüttungen dürfen nicht behauptet werden, wenn operativ kein positiver Cashflow vorhanden ist. Es gibt Zeitachsen und Risiken. Transparenz heisst, diese Realität nicht zu glätten. Die Kreislauflogik bei unserem TREECYCLE-Konzept bedeutet: 90 % der Gewinnanteile werden für die Investoren verwendet, 40 % werden davon direkt ausgeschüttet, 50 % werden in weitere Flächen und Aufforstungen reinvestiert – dadurch wächst der Kreislauf stetig. Die verbleibenden 10 % fliessen in lokale, soziale Projekte und in die Renaturierung von Urwaldflächen.
Sie haben Aufmerksamkeit erzeugt, etwa mit einem Guinness-Weltrekord für ein gepflanztes Naturlogo. Warum spielen solche Beweise eine Rolle?
Schäfer: Weil Sichtbarkeit Vertrauen schaffen kann – sofern sie nicht als Marketing-Trick, sondern als überprüfbarer Nachweis verstanden wird. Der Guinness-Rekord zeigt: Da steht etwas in der Landschaft, das man sehen kann. Aber am Ende zählen nicht Rekorde, sondern kontinuierliche Kennzahlen, Audits und operative Umsetzung. Weiterhin soll das aufgeforstete Unternehmenslogo auch als Beweis dafür gelten, dass wir als Treecycle belegbare Veränderungen umsetzen. Momentan kann nämlich jeder das Logo über Google Earth einsehen.
Was dürfen Medien und Anleger 2026 an Transparenzstandards erwarten und was ist aus Ihrer Sicht realistisch?
Schäfer: Forst hat biologische Rhythmen. Was ich für notwendig halte: klare Flächen- und Bestandsdokumentation, nachvollziehbare Bewertungslogik, geprüfte Zahlen und ein Reporting, das Fortschritt und Probleme gleichermassen zeigt.
Der Markt wird anspruchsvoller. Das ist gut so. Wir sind überzeugt, dass Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch sind, sondern ein starkes Team. Was es jetzt braucht, sind innovative Konzepte, die wirtschaftliche Tragfähigkeit mit echter Achtsamkeit für unseren Planeten verbinden. (Treecycle/mc/hfu)
