Die Kernenergie erlebt eine Renaissance. Während weltweit neue Kraftwerke gebaut werden, wächst die Nachfrage nach Uran schneller, als das Angebot reagieren kann. Damit rückt Uran erneut in den Fokus von Investoren – als strategischer Rohstoff mit hoher Volatilität und starken strukturellen Wachstumstreibern.
Matt Lodge, Investment Stratege, Global X ETFs
Die Uranpreise sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und liegen inzwischen über ihrem langfristigen Durchschnitt. Seit 2020 haben sich die Preise mehr als verdreifacht, allerdings bei erheblichen Schwankungen.
Neue Minenprojekte erfordern lange Vorlaufzeiten, während bestehende Produktionskapazitäten nur begrenzt ausgeweitet werden können. Energieversorger reagieren daher zunehmend mit langfristigen Lieferverträgen, um sich gegen künftige Engpässe abzusichern.
Nachfragedynamik aus Asien und stabilisierte Produktion im Westen
Auf der Nachfrageseite zeichnet sich ein klarer Trend ab. In China und Indien liegt die Stromerzeugung aus Kernenergie im Jahr 2025 am oberen Ende der vergangenen fünf Jahre. Vor allem Asien treibt den Ausbau weiter voran – zahlreiche neue Reaktoren befinden sich im Bau oder in Planung.
Auch in den USA und Frankreich – zwei der weltweit wichtigsten Kernenergiemärkte – haben sich die Rahmenbedingungen stabilisiert. Nach Jahren der Zurückhaltung bewegt sich Frankreich wieder in Richtung seines historischen Produktionsniveaus, während die Vereinigten Staaten die Kernenergie als verlässliche Säule ihres Energiemixes positionieren.
Investoren entdecken Uran neu
Neben der steigenden physischen Nachfrage wächst auch das Interesse von Investoren an Uran. Der Commodity Tracker zeigt seit 2021 kontinuierliche Mittelzuflüsse in Uran-ETFs, begleitet von einem deutlichen Anstieg des verwalteten Vermögens.
Historisch haben Aktien von Uranproduzenten in Phasen steigender Preise den Uranpreis selbst häufig übertroffen – allerdings bei ausgeprägter Volatilität. Die höhere Ertragshebelwirkung geht somit mit erhöhten Risiken einher.
Brennstoffversorgung wird zum Engpass
Der Fokus verlagert sich zunehmend vom Bau neuer Reaktoren hin zur Sicherstellung der Brennstoffversorgung. Neben dem Uranabbau gewinnen Verarbeitung, Anreicherung und Transport an Bedeutung.
Neue Reaktortechnologien wie Small Modular Reactors (SMR) benötigen spezialisierte Brennstoffe, deren industrielle Verfügbarkeit bislang begrenzt ist. Diese Engpässe könnten dazu führen, dass Uran langfristig zu einer strategisch besonders bedeutenden Ressource wird. Politische Unterstützung für die Kernenergie, strukturell steigende Nachfrage und eine begrenzte Angebotsflexibilität unterstreichen die langfristige Relevanz des Sektors. Gleichzeitig bleibt der Markt volatil und sensibel gegenüber politischen und regulatorischen Entwicklungen. (Global X ETFs/mc)
