Paris – Ein Boykott in China hat dem französischen Luxuskonzern LVMH einen Umsatzrückgang bei Mode und Leder eingebrockt. Im dritten Quartal lag der Erlös der Sparte auf vergleichbarer Basis fünf Prozent niedriger als vor einem Jahr, wie der Konzern am Montag nach Börsenschluss in Paris mitteilte. Konzernweit wuchs der Erlös dadurch nur um gut ein Prozent auf 18,5 Milliarden Euro und verfehlte auf organischer Basis die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Für die LVMH-Aktie ging es am Dienstag abwärts.
Das Papier des EuroStoxx-50-Schwergewichts büsste zuletzt rund 1,5 Prozent auf 378,65 Euro ein. Damit summiert sich das Kursminus seit dem Jahreswechsel auf mehr als 40 Prozent. Ein Grossteil der Luxusbranche bekommt den Rückgang der Nachfrage zu spüren. Aber kein anderer der grossen Konzerne hat an der Börse so viel an Wert verloren wie LVMH.
Viele Chinesen hatten die Hauptmarke Louis Vuitton im Juli und August boykottiert, nachdem diese einen Marken-Rechtsstreit gegen den heimischen Teehersteller Molly Tea gewonnen hatte. Es sei zwar schwierig, die Auswirkungen zu quantifizieren, erklärte Finanzvorstand Cecile Cabanis in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die ablehnende Reaktion der Verbraucher habe Louis Vuitton jedoch zumindest zu Beginn des Quartals geschadet.
Derweil ist die allgemeine Erholung des Luxussektors durch den Krieg im Nahen Osten und Sorgen um die Lebenshaltungskosten ohnehin unter Druck geraten. Er könnte ein besorgniserregendes Signal für Konkurrenten wie Kering und Hermès sein, die noch in diesem Monat ihre Geschäftszahlen vorlegen. Vor weniger als einem Jahr hatte China noch dazu beigetragen, den Aufschwung der Branche anzukurbeln.
Die Nachfrage nach Luxusgütern in China steht an zahlreichen Fronten unter Druck. Die Zurückhaltung der Verbraucher angesichts einer allgemeinen Konjunkturabkühlung bremst die Ausgaben im Inland und treibt einige Käufer zu günstigeren lokalen Marken. Gleichzeitig belasten die jüngste Schwäche an den Aktienmärkten und eine strengere Besteuerung von Vermögen im Ausland reiche Chinesen.
Während in China die Nachfrage sank, gaben Kunden in den USA, Europa und Japan mehr für LVMH-Produkte aus. In den USA legten im dritten Quartal die Erlöse aus eigener Kraft um fünf Prozent, in Europa um vier Prozent und in Japan um sechs Prozent zu.
Nach Einschätzung von Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC hat zwar das Geschäft mit Mode und Leder die Erwartungen enttäuscht. Dies sei jedoch durch das überraschend positive Abschneiden der Sparten Weine und Spirituosen sowie dem Einzelhandelsgeschäft ausgeglichen worden.
Auch für James Grzinic von dem Analysehaus Jefferies hat LVMH die Erwartungen in der Sparte Mode und Lederwaren verfehlt. Die logistischen Probleme, die die Dynamik von Vuitton in den USA beeinträchtigt hätten, dürften sich aber im vierten Quartal abschwächen. Zudem sollte der grösste Umsatzbringer in China keine länger anhaltenden Einbussen haben. (awp/mc/ps)
