Chinas Exporte stark gewachsen – Überschuss auf Rekordkurs

Container-Hafen Hongkong. (Foto: DiPetre / AdobeStock)

Peking – Chinas Exporte haben im September ungeachtet des wachsenden Drucks von Handelspartnern deutlich zugelegt. In US-Dollar berechnet stiegen die Ausfuhren um 36,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Auch die Importe erreichten mit 31 Prozent ein deutliches Plus. Der Handelsüberschuss im September lag damit bei rund 133 Milliarden US-Dollar (119 Mrd. Euro).

Analysten hatten ein Exportwachstum von ungefähr 25 Prozent und ein Plus bei den Importen von bis zu 24,5 Prozent erwartet. Ein Treiber für die Exporte im September war nach Angaben des Zolls auch der Boom bei Künstlicher Intelligenz. Damit einhergehend sei die Nachfrage nach Schaltkreisen, Speichermedien oder Produkten zur Speicherung und Übertragung von Strom gestiegen, sagte Zoll-Vizeminister Wang Jun.

Im kommenden Quartal rechne der Zoll trotz der unruhigen globalen Lage wegen Chinas Widerstandsfähigkeit im Aussenhandel mit einem anhaltenden Wachstum der Importe und Exporte, sagte Wang. China steuert damit auf seinen Rekordhandelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar aus dem Jahr 2025 zu. Bereits jetzt kletterte der Wert für die ersten drei Quartalen auf 938,11 Milliarden US-Dollar (836,9 Mrd. Euro).

Hoher Exportzuwachs nach Europa
Die Handelspartner Chinas kritisieren das Ungleichgewicht schon länger und fordern, dass Peking den Inlandskonsum antreibt. Gründe für die schwache Binnennachfrage sind die Folgen einer Immobilienkrise, hohe Jugendarbeitslosigkeit und das schwach ausgebaute soziale Sicherheitsnetz.

Die geringe Nachfrage zeigte sich auch im September-Handel mit Deutschland. Chinas Exporte in die Bundesrepublik stiegen gegenüber dem Vorjahr deutlich um 31,4 Prozent. Die Importe erreichten dagegen nur ein Plus von 0,1 Prozent. Auch in die EU exportierte China deutlich mehr (25,3 Prozent) als sie von dort importierte (0,7 Prozent).

Chinas Firmen suchen neue Märkte
Den handelspolitischen Kurs änderte Chinas Regierung bislang nicht. Peking fokussiert sich mit einem von Investitionen angetrieben Wachstumsmodell weiter auf Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz oder Chiptechnologie. Parallel wächst die Verschuldung schnell, vor allem bei den Lokalregierungen.

Ein Effekt ist, dass jene Firmen, die die Schulden tragen, deutlich mehr produzieren als der chinesische Binnenmarkt aufnehmen kann. Die Folge: Die Unternehmen aus Branchen wie der Stahl-, Auto- oder Solarindustrie suchten neue Märkte im Ausland, um die oft subventionierten Produkte dort zu günstigen Preisen loszuwerden.

Druck auf Autoindustrie
Die EU wirft China vor, so den Wettbewerb zu verzerren. Peking weist den Vorwurf von Überkapazitäten und die Darstellung eines «China-Schocks» zurück. Das Exportwachstum hänge mit verbesserten Skaleneffekten – also geringeren Kosten pro Einheit durch eine grössere Produktions- und Verkaufsmenge in Unternehmen -, mit der Innovationsfähigkeit sowie dem Bedarf im Ausland bei der grünen Wende und industriellen Entwicklung zusammen, hatte das Handelsministerium erklärt.

Als Beispiel für Probleme durch Chinas Exporte gilt die Autoindustrie. Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA zeigen, dass im September lediglich 1,63 Millionen Fahrzeuge in China verkauft wurden – ein deutliches Minus von 28,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Parallel exportierten die Hersteller demnach 923.000 Fahrzeuge, was einem Plus von 73,2 Prozent entsprach.

Details EU-China-Deal bei Hybridfahrzeugen
In Beratungen zwischen Brüssel und Peking einigten sich beide Seiten am vergangenen Freitag, die Importe von Hybridfahrzeugen aus China anzupassen. So solle die Zahl der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos über die kommenden vier Jahre um «einige Millionen Fahrzeuge» reduziert werden, sagte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic.

Ab Dezember will die EU chinesische Hybridfahrzeug-Importe auf 350.000 Stück pro Jahr begrenzen, wobei die Quote jährlich um sechs Prozent steigen soll, wie mehrere Medien unter Berufung auf EU-Beamte berichteten. Chinas Handelsministerium sprach von einer «Aufwärtskorrektur» gegenüber den in der EU-Statistik von 2025 aufgeführten 302.000 Hybrid-Importen.

Beobachter skeptisch bis hoffnungsvoll
«Dass beide Seiten verhandeln, ist ein hoffnungsvolles Signal», sagte der Chef der deutschen Auslandshandelskammer in Ostchina, Michael Kern. Für die mehr als 5.000 deutschen Unternehmen in China bedeute dies, dass sich das Risiko einer Eskalation zunächst verringert habe.

Andere sehen eine kurze Atempause für die unter Druck stehende Autoindustrie. Zwar werde die chinesische Exportmaschine Richtung Europa etwas gedrosselt, aber der Druck bleibe hoch, sagte Autoexperte Peter Fintl: «Europäische Hersteller müssen die Zeit nutzen.» Die Produkt-Pipeline sei gut gefüllt, jedoch gelte es nun die Kostenbasis zu optimieren.

Der US-Wirtschaftswissenschaftler Michael Pettis verwies darauf, dass es sich nur um eine Übereinkunft in einer Branche handle. Dieses Abkommen berücksichtige weder das Ungleichgewicht auf der Nachfrageseite in China noch die allgemeine Rolle der EU bei der Abfederung dieses Ungleichgewichts und werde so kaum Auswirkungen auf das verarbeitende Gewerbe der EU insgesamt haben, schrieb er auf der Online-Plattform X. (awp/mc/ps)

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