Dublin – Europas grösster Billigflieger Ryanair will wegen milliardenschwerer Mehrkosten für Kerosin den Rotstift bei den Beschäftigten ansetzen. «Alles ist auf dem Tisch», sagte Finanzchef Neil Sorahan anlässlich der Quartalszahlen am Montag der Nachrichtenagentur Bloomberg. Im Auge hat das Management Gehalts-Nullrunden für Mitarbeiter, eine Ausdünnung der Besatzungen und die Überprüfung der Verträge mit Flughäfen. Auch der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte die Kosten senken.
Die extreme Verteuerung des Kerosins macht Airlines weltweit zu schaffen. Erste Gesellschaften haben wegen finanzieller Schieflagen bereits Gläubigerschutz beantragt. Der irische Billigflieger Ryanair steckte die stark gestiegenen Kerosinpreise im wichtigen Sommerquartal von Juli bis September noch gut weg. Für das kommende Geschäftsjahr bis Ende März 2028 rechnet Konzernchef Michael O’Leary jedoch mit Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro. Diese möchte er mit dem jetzt angekündigten Sparprogramm abfedern.
«Gürtel enger schnallen»
«Wir müssen uns wohl darauf einstellen, dass das Ölpreisniveau in den kommenden zwölf Monaten hoch bleiben wird», sagte Finanzchef Sorahan. «Wir werden also den Gürtel enger schnallen müssen.» Nach Einschätzung von O’Leary dürften die Ticketpreise für Kurzstreckenflüge in Europa wegen der deutlich höheren Treibstoffkosten kräftig anziehen, doch dies allein werde die Mehrausgaben für Kerosin nicht decken.
Starke Ticketnachfrage
Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2027 hat Ryanair den Kerosinbedarf nach eigenen Angaben zu 80 Prozent preislich gesichert. Für das laufende dritte Geschäftsquartal bis Ende Dezember berichtete das Unternehmen von einer starken Ticketnachfrage. Die Preise lägen moderat höher als ein Jahr zuvor. Viel hänge nun von den Buchungen etwa für die Weihnachtszeit ab. Für eine belastbare Gewinnprognose für das Geschäftsjahr sei es jedoch noch zu früh, da man die Entwicklung für die Zeit von Januar bis März derzeit kaum einschätzen könne.
Im reisestarken Sommerquartal von Juli bis September erzielte Ryanair einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro, rund vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zwar wuchs das Passagieraufkommen um fünf Prozent auf 64,5 Millionen, doch buchten die Kunden ihre Reisen vergleichsweise spät.
Dieses Last-Minute-Geschäft mit Rabatten drückte auf die Ticketpreise; im ersten Geschäftshalbjahr sanken sie im Schnitt um vier Prozent. Ryanairs Treibstoffkosten stiegen im Sommerquartal jedoch um 13 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Entsprechend sank der Quartalsgewinn der Airline im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres verdiente Ryanair unter dem Strich 2,15 Milliarden Euro und damit 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. (awp/mc/pg)
