Ryanair verspricht Gewinnsprung und Dividenden

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(Foto: Ryanair)

Dublin – Der Anstieg der Ticketpreise stimmt Europas grössten Billigflieger Ryanair nach einem starken Sommer auch für das laufende Geschäftsjahr optimistisch. In den zwölf Monaten bis Ende März 2024 soll der Überschuss 1,85 bis 2,05 Milliarden Euro erreichen, wie der Konzern am Montag in Dublin mitteilte.

Nach 1,3 Milliarden Euro Gewinn im Vorjahr hatte sich Ryanair-Chef Michael O’Leary bislang keine Prognose zugetraut. Der Anstieg der Kerosinpreise und Verzögerungen beim Flugzeugbauer Boeing trüben die rosigen Aussichten etwas. Allerdings will die Ryanair-Spitze die Aktionäre erstmals mit regelmässigen Dividenden am Geschäftserfolg teilhaben lassen.

Grundlegender Strategiewechsel
Mit der Einführung regelmässiger Dividenden leitete die Ryanair-Führung einen grundsätzlichen Strategiewechsel gegenüber den Aktionären ein. In der Vergangenheit hatte der Konzern seine Gewinne grösstenteils einbehalten und das Geld in neue Flugzeuge und den Geschäftsausbau investiert. Nur gelegentlich schüttete die Airline Sonderdividenden aus. Ausserdem kaufte sie bis zur Corona-Krise immer wieder eigene Aktien vom Markt zurück.

Dies soll sich nun ändern. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März will Ryanair in zwei gleich grossen Tranchen insgesamt 400 Millionen Euro oder 35 Cent je Aktie an die Anteilseigner auszahlen. In den Folgejahren sollen jeweils 25 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Vorjahresgewinns als Dividende an die Aktionäre fliessen. Ausserdem seien weiterhin Sonderdividenden und Aktienrückkäufe denkbar, erklärte O’Leary.

Stärkere Nachfrage und höhere Ticketpreise
Im zweiten Geschäftsquartal von Juli bis September steigerte Ryanair den Umsatz dank stärkerer Nachfrage und höherer Ticketpreise im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Während die Zahl der Fluggäste um 11 Prozent zunahm, zogen die Ticketpreise um 14 Prozent an. Unter dem Strich stieg Ryanairs Gewinn um mehr als 40 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Bereinigt um eine Sonderbelastung aus dem Vorjahr belief sich der Anstieg auf 26 Prozent.

Im gesamten ersten Geschäftshalbjahr von April bis September verdiente die Fluggesellschaft mit knapp 2,2 Milliarden Euro bereits mehr als für das gesamte Geschäftsjahr angepeilt. Für das Winterhalbjahr von Oktober bis März rechnet O’Leary jedoch mit einem leichten Verlust.

Zwar dürften die Flugtickets für die Monate Oktober bis Dezember nach seiner Einschätzung im Schnitt etwa 15 Prozent teurer sein als ein Jahr zuvor. Allerdings seien die Treibstoffpreise stark gestiegen. Daher werde Ryanair voraussichtlich weniger verdienen als im Weihnachtsquartal 2022, erklärte der Manager. Und für eine Aussage zum typischerweise schwachen Quartal von Januar bis März sei es schlicht zu früh.

Verzögerungen bei Boeing
Unterdessen rechnet die Ryanair-Führung für das gesamte Geschäftsjahr weiterhin mit etwa 183,5 Millionen Fluggästen, nachdem sie ihre Prognose im Juli wegen Verzögerungen beim Flugzeugbauer Boeing gekappt hatte. Auch jetzt machte das Management seine Erwartung davon abhängig, dass der Hersteller aus den USA so viele neue Jets vom Typ 737 Max an Ryanair ausliefert wie zuletzt geplant.

Denn Boeing kämpft inzwischen mit Qualitätsmängeln an den hinteren Druckschotts vieler Jets der Reihe. Denn der Zulieferer Spirit Aerosystems hat unsachgemäss hunderte Löcher in zahlreiche dieser Bauteile gebohrt, die zur Aufrechterhaltung des Luftdrucks in der Kabine wichtig sind. Boeing hat deshalb seine Auslieferungspläne für das laufende Jahr gekappt.

Die Ryanair-Führung erwartet, dass sich die Verspätungen bei Boeing fortsetzen. Von den für Sommer 2024 versprochenen 57 Maschinen der Reihe könnten bis zu 10 Stück erst im nächsten Winter den Weg zu der irischen Fluggesellschaft finden, hiess es am Morgen aus Dublin.

Andererseits könnte es Ryanair zugutekommen, dass andere Fluggesellschaften ihre Airbus-Jets wegen Problemen mit den Getriebefan-Triebwerken von Pratt & Whitney ausserplanmässig länger in die Wartung schicken müssen. Davon sind etwa auch Airlines des Lufthansa-Konzerns und der ungarische Billigflieger Wizz Air betroffen. (awp/mc/pg)

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