Zürich – Die Schweiz ist einer Studie zufolge nicht mehr das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Nach dem ersten Platz im letzten Jahr rutscht die Eidgenossenschaft laut dem neusten World Competitiveness Ranking des Lausanner Wirtschaftsinstituts IMD hinter Singapur und Hongkong auf Platz drei zurück.
Geschuldet sei der Spitzenplatzverlust vor allem einem «starken Einbruch» bei der Wirtschaftsleistung. Diese sei als einer der vier wichtigsten Wettbewerbsfaktoren um 24 Plätze auf Rang 37 abrutscht, wie IMD am Donnerstag mitteilte.
Zurückgeführt wird der Abstieg vordergründig auf den Zoll-Streit mit den USA. Die dadurch entstandenen wirtschaftlichen Unsicherheiten haben der Schweiz laut den Experten von IMD stark zugesetzt. Demgegenüber seien die negativen Auswirkungen der Zölle in den asiatischen Ländern geringer ausgefallen, erklärte Arturo Bris, Finanzprofessor und Direktor des IMD World Competitiveness Center (WCC) anlässlich einer Medienkonferenz.
Singapur zurück auf Platz eins
Die Rückkehr Singapurs auf den ersten Platz verdanke der Insel- und Stadtstaat derweil einer breiten Erholung in gleich mehreren Bereichen der Wettbewerbsfähigkeit. Insbesondere der Faktor Geschäftseffizienz sei gestiegen.
Und auch Hongkong habe in Sachen Geschäftseffizienz, aber auch in den Bereichen Regierungseffizienz und Infrastruktur die Wettbewerbsfähigkeit wieder steigern können und die Schweiz damit überholt. Diese habe den Einbruch bei der Konkurrenzfähigkeit vor allem einer drastischen Verschlechterung der Direktinvestitionsströme zu verdanken, so die Studienautoren.
Festzuhalten sei aber auch, dass die Schweiz in Sachen Regierungseffizienz und Infrastruktur immer noch den ersten Platz belegt, sagte Ivo Germann, Leiter der Direktion für Aussenwirtschaftsangelegenheiten beim Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Stärken der Schweiz lägen gerade darin, sich in geopolitisch unsicheren Zeiten besser anzupassen als grosse Volkswirtschaften.
Mit den USA folgt die erste richtig grosse Wirtschaftsmacht erst auf Platz 10. Deutschland hat gemäss dem «World Competitiveness Ranking» 2026 erneut Plätze eingebüsst und steht auf Rang 23.
Klar sei aber auch, dass die Schweizer Wirtschaft aktuell unter den hohen Lebenshaltungskosten, dem starken Franken und den gestiegenen Energiepreisen leide. Dies habe auch Auswirkungen auf die längerfristigen Wachstumsaussichten. «Wir denken aber, dass dies ein vorübergehendes Phänomen ist», sagte Germann.
Schrumpfender Arbeitsmarkt
Als zusätzlich belastenden Faktor verweist IMD-Direktor Bris auf das geringe Beschäftigungswachstum im Land. So sei etwa der Faktor langfristiges Beschäftigungswachstum ins Minus gerutscht. Aber auch in diesem Bereich habe sich die Schweiz bereits mehrmals resilient gezeigt.
Die Strategie der Zusammenarbeit und Kooperation mit anderen Ländern ist zwar manchmal langwieriger, zeitige aber längerfristig meist die nachhaltigeren Ergebnisse, resümierte Bris.
Das Ranking vergleicht jährlich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und institutionelle Stärke von mittlerweile 70 Volkswirtschaften. Gestützt wird die Messung der Wettbewerbsfähigkeit auf vier Säulen, denen über 340 Kriterien zu Grunde liegen. (awp/mc/ps)
