Flugbegleiter-Streik legt Eurowings lahm

Eurowings

Eurowings-Airbus A330. (Foto: Eurowings)

Köln – Ein Streik beim Billigflieger Eurowings hat am Donnerstag einen grossen Teil des Flugbetriebs der Lufthansa-Tochter lahmgelegt und 40 000 Passagiere getroffen. Nach Angaben der Airline fielen nahezu alle innerdeutschen Verbindungen aus. Auch im Europa-Verkehr sollte es erhebliche Behinderungen geben. Insgesamt wurden 393 von 551 geplanten Eurowings-Flügen vor allem in Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg und Berlin gestrichen. Die Kabinengewerkschaft Ufo will damit höhere Vergütungen für die Mitarbeiter der Eurowings Deutschland erzwingen.

Fast alle betroffenen Kunden seien rechtzeitig informiert worden, sagte ein Eurowings-Sprecher. Nur etwa 1000 seien am Vormittag zu den Flughäfen gekommen, um auf andere Linien oder die Bahn umzubuchen.

Gewerkschaften wollen Arbeitskampf ausweiten
Am Freitag sollte der Flugbetrieb Eurowings zufolge wieder regulär weitergehen. Laut Plan endet der Streik am Donnerstag um 24.00 Uhr. In der kommenden Woche müssen sich Kunden von Eurowings aber schon wieder auf massive Einschränkungen und Flugausfälle einstellen.

Die Kabinengewerkschaft Ufo will den Arbeitskampf dann noch einmal ausweiten und an zwei Tagen zu weiteren Streiks bei der Lufthansa-Tochter aufrufen, sagte Ufo-Vorstand Nicoley Baublies der Deutschen Presse-Agentur. An welchen Tagen und zu welchen Zeiten der Ausstand weitergehen solle, gab die Gewerkschaft noch nicht bekannt.

Für diesen Freitag ist ausserdem eine Verhandlungsrunde mit der Gewerkschaft Verdi geplant, die ebenfalls einen Teil der Kabinenbeschäftigten bei Eurowings Deutschland vertritt. «Wir fordern sieben Prozent – also ein Prozent pro Jahr ohne Vergütungserhöhung», sagte das Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Bei der Fluglinie habe es zuvor sieben Jahre keine Steigerung gegeben. Auch Verdi drohte für den Fall eines Scheiterns mit Streiks. «Die Verdi-Kolleginnen und -Kollegen sind hoch motiviert, bereits ab der kommenden Woche Warnstreiks durchzuführen», sagte Behle.

Lufthansa prüft Gang zum Arbeitsgericht
Am Mittwochabend hatte Ufo das Streik-Szenario zunächst auf die grössere Konzernschwester Germanwings ausgeweitet, indem man dort die offenen Tarifgespräche zur Teilzeit für gescheitert erklärte. In einem Schreiben auf der eigenen Homepage bat Ufo die betroffenen Passagiere um Verständnis. Man hätte gern auf den Arbeitskampf verzichtet, weil man sich den Passagieren und auch dem Arbeitgeber verbunden fühle.

Die Lufthansa-Tochter wollte wegen des 24-Stunden-Streiks den Gang zum Arbeitsgericht prüfen. «Wir werden jetzt juristisch untersuchen, wer für diesen Streik die Verantwortung trägt, und behalten uns entsprechende rechtliche Schritte vor», sagte ein Eurowings-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Der Streik sei unverhältnismässig. Ufo habe einen scheinbaren Konflikt um Teilzeitmodelle genutzt, um neben der kleineren Eurowings GmbH (23 Jets) auch die grössere Teilgesellschaft Germanwings (58 Maschinen) der gemeinsamen Lufthansa-Billigplattform «über Nacht und ohne jede Vorwarnung streikfähig zu machen». In der Praxis würden aber fast alle Teilzeitwünsche von Mitarbeitern ohnehin erfüllt.

Langstrecke nicht bestreikt
Wegen des Streiks bot die Linie den betroffenen Kunden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an und wollte auch Flugzeuge anderer Gesellschaften anmieten, um Fluggäste aus Urlaubsgebieten zurückholen zu lassen. Nicht bestreikt wurde die Langstrecke der Marke Eurowings.

Zum Ausstand aufgerufen waren die Crews an sämtlichen grösseren deutschen Flughäfen mit Ausnahme der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München, wo ein weitgehend normaler Betrieb stattfinden sollte. An einer Ufo-Kundgebung vor dem Eurowings-Gebäude in Köln nahmen nach Gewerkschaftangaben etwa 150 Menschen teil. Eurowings habe den Teilnehmern dabei untersagt, das Firmengelände zu nutzen, sagte ein Sprecher. (awp/mc/upd/pg)

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