Von Helmuth Fuchs
Moneycab: Herr Perathoner, Sie haben am 1. Januar 2025 das CEO-Amt bei Quickline übernommen, nachdem Sie zuvor mehr als sechs Jahre als COO das Unternehmen mitgeprägt haben. Wie hat sich Ihre Perspektive auf das Unternehmen und die Schweizer Telekommunikationsbranche verändert? Welche strategischen Prioritäten haben Sie für 2026 bis 2028 definiert?
Egon Perathoner: Als CEO ist meine Sicht auf Quickline noch globaler und umfassender geworden. Sie wurde vor allem um die Marktaspekte erweitert. Auch in den nächsten Jahren verfolgen wir die Wachstumsstrategie, so wie es von einem Unternehmen in einem Fixkostengeschäft zu erwarten ist. Das Wachstum kann hierbei sowohl durch die Einzelkunden- als auch durch die Partner-Akquise erreicht werden.
«Unser Wachstumspotential liegt bei den Einzelkunden (Private & KMU), aber auch bei der Akquisition von neuen Partnern.» Egon Perathoner, CEO Quickline
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Quickline einen Umsatz von 249 Millionen Franken – ein Plus von 0.4% gegenüber den 248 Millionen im Vorjahr. Gleichzeitig verlor der Verbund mit den Wasserwerken Zug (WWZ) einen wichtigen Partner. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis unter diesen erschwerten Bedingungen, und welche Umsatz- und Gewinnziele haben Sie für 2026 und 2027?
Ich bin stolz darauf, was wir im Quickline-Verbund im letzten Jahr erreicht haben. Wir haben einen signifikanten Teil der verlorenen WWZ-Kundinnen und -Kunden kompensieren können und neue Partner gewonnen. Dies setzt ein wichtiges Zeichen im Markt und gegenüber den Kundinnen und Kunden: Quickline ist und bleibt eine starke nationale Telekommunikationsanbieterin mit regionaler Nähe. Unsere Ambitionen für die Folgejahre spiegeln sich in unserer Wachstumsstrategie wider. Ein konkretes Beispiel ist die Beteiligung der fenaco Genossenschaft an Quickline. fenaco hat das Wachstumspotenzial in der Telekommunikations- und Energiebranche mit uns erkannt und will mit uns gemeinsam neue Potenziale für ihre Kundinnen, Kunden und Mitglieder entwickeln.
Die absoluten Kundenzahlen per Ende 2025 zeigen starke Rückgänge von -18.5% (Mobile) bis -29.5% (Festnetztelefonie), dies wegen dem Abgang von WWZ. Wie sehen die um diesen Abgang bereinigten Wachstumszahlen aus und wo sehen Sie das grösste Wachstumspotential in den kommenden zwei Jahren?
Die um den WWZ-Verlust bereinigten Zahlen zeigen ein moderates Wachstum bei den Kundenzahlen und beim Umsatz. Unser Wachstumspotential liegt bei den Einzelkunden (Private & KMU), aber auch bei der Akquisition von neuen Partnern. Noch wichtiger als das reine Wachstum ist jedoch die konstante Erhöhung der Qualität unserer Dienstleistungen für unsere Verbundpartner sowie für unsere Kundinnen und Kunden.
«fenaco hat das Wachstumspotenzial in der Telekommunikations- und Energiebranche mit uns erkannt und will mit uns gemeinsam neue Potenziale für ihre Kundinnen, Kunden und Mitglieder entwickeln.»
Im September 2025 lancierte Quickline ein neues, vereinfachtes Produktportfolio mit Internet als Grundbaustein, einem einzigen TV-Abo und bedarfsgerechten Mobile-Abos. Wie hat der Markt darauf reagiert? Können Sie erste Konversionszahlen oder Kundenfeedback teilen?
Der Markt hat sehr positiv auf unser neues Produktportfolio reagiert. Sowohl im November mit den Black Days als auch in den Folgemonaten haben wir einen erhöhten Bestelleingang verzeichnet. Ebenso hören wir von unserem Verkaufspersonal an der Front und unseren Kundinnen und Kunden, dass das Portfolio einfacher, transparent und das Preis-/Leistungs-Verhältnis attraktiv ist.
Im November 2025 traten mit EW Oftringen, StWZ Energie und – überraschend – der fenaco Genossenschaft gleich drei neue Aktionäre der Quickline Holding bei. Was bringt eine landwirtschaftliche Genossenschaft wie fenaco in einen Telekommunikationsverbund? Welche strategische Logik steckt hinter dieser Partnerschaft?
Die fenaco ist eine Agrargenossenschaft mit starken Marken in der Lebensmittel- und Energiebranche sowie im Detailhandel. Gemeinsam mit der fenaco wollen wir die digitale Infrastruktur im ländlichen Raum stärken. Wir haben mit Quickline Energy, unserer Tochterfirma im Smart Energy-Bereich, viele Anknüpfungspunkte mit AGROLA, dem Energieunternehmen von fenaco. Zum Beispiel bewirtschaftet AGROLA Photovoltaik-Anlagen für die dezentrale Energieversorgung im ländlichen Raum. Quickline Energy hat die notwendige Technologie, um die damit verbundenen Energieflüsse zu messen und zu steuern. Weiter prüfen wir Synergiepotenzial im Vertrieb unserer Telekommunikationsleistungen über das Netzwerk der Genossenschaft.
Sie erwähnen eine «schweizweite Wachstumsstrategie». In wie vielen Schweizer Gemeinden ist Quickline derzeit präsent ist und wo sehen Sie die grössten ungenutzten Marktpotentiale?
Die Quickline-Produkte sind in allen Schweizer Gemeinden erhältlich – unabhängig vom lokalen Netzbetreiber. Im Moment liegt unser Fokus insbesondere auf der Deutschschweiz. In den Gebieten der Verbundpartner sind wir nach wie vor sehr stark, ausserhalb dieser liegt unser grosses Potential.
Künstliche Intelligenz transformiert die Telekommunikationsbranche fundamental. Swisscom hat dazu bereits eine Swiss AI Plattform lanciert. Wie integriert Quickline KI-Technologien in Produkte und Prozesse, welche konkreten KI-Projekte verfolgen Sie?
Wir setzen KI in diversen Bereichen ein. Nebst der Content-Produktion in der Kommunikation oder bei der Datenanalyse werden wir KI insbesondere als Unterstützung unserer Kundendienstmitarbeitenden einsetzen. So können einfache Kundenanfragen effizient erledigt werden und die Mitarbeitenden am Telefon können die aufwändigeren Fälle gezielter bearbeiten. Derzeit ist es nicht geplant, die Kunden direkt mit einer KI-Plattform zu verbinden.
Die Quickline TV-Box bietet Android-Funktionalitäten und Zugang zu über 230 TV-Sendern. Welche technologischen Innovationen planen Sie für 2026, um sich von der Konkurrenz abzuheben? In welche eigenen Streaming-Inhalte oder Technologien investieren Sie?
Wir haben eben eine neue TV-Box eingeführt. Diese hat eine deutlich verbesserte Leistung, man kann sie schneller starten und schneller zwischen den verschiedenen Apps wechseln. Zudem verbraucht sie weniger Strom (0.5 W im Standby und 2.5 W im Betrieb). Durch einen separaten Audioausgang ermöglichen wir Kundinnen und Kunden das direkte Anschliessen von Kopfhörern und Hörgeräten. Die Streaming-Apps werden direkt in der Quickline TV App verwaltet. Mehr als 200 TV-Sender stehen den Kundinnen und Kunden in bester HD-Qualität zur Verfügung. Gesteuert wird die TV-Box mit einer hochwertigen und intuitiven Fernbedienung aus Österreich.
«Mittelfristig streben wir zusammen mit den lokalen Energieversorgern die Erschliessung von 150’000 Haushalten an.»
Quickline Energy hat mittlerweile 50’000 Haushalte und Unternehmen schweizweit mit Smart Metern ausgestattet. Können Sie den aktuellen Umsatzanteil von Quickline Energy am Gesamtumsatz beziffern? Welches Wachstum und welchen Umsatzanteil streben Sie bis 2028 an?
Der Umsatz von Quickline Energy wächst zusammen mit der Erschliessung von weiteren Haushalten und arrondierenden Services wie Peak Shaving, Prognosen, Energiegemeinschaften oder Lastmanagement. Der Umsatzanteil ist derzeit im mittleren, einstelligen Prozentbereich. Mittelfristig streben wir zusammen mit den lokalen Energieversorgern die Erschliessung von 150’000 Haushalten an.
Die Energiestrategie 2050 erfordert flächendeckende Smart Meter. Welche konkreten Meilensteine hat sich Quickline Energy für 2026 gesetzt? Wie viele zusätzliche EVU-Partner planen Sie zu gewinnen?
Pro Tag werden rund 200 Smart Meter installiert und in Betrieb genommen. Quickline Energy hat im Jahr 2025 das Entwicklungsteam aufgestockt, damit wir unseren Energieversorgern noch bessere Technologien zur Verfügung stellen können. Die Energiewelt wird komplexer: Solaranlagen auf dem Dach, Elektroautos in der Garage, schwankende Strompreise – Energieversorger (EVU) müssen künftig nicht nur messen, sondern auch vorausdenken. Unsere Plattform befähigt EVU dazu: Sie prognostiziert Verbrauch und Einspeisung, optimiert den Stromeinkauf und hilft, Lastspitzen zu vermeiden – zum Vorteil der Endkundschaft. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Komplettlösung weiterhin neue EVU gewinnen.
Swisscom, Sunrise und Salt dominieren den Schweizer Mobilfunkmarkt. Mit welcher konkreten Strategie will Quickline als «regionaler Champion» gegen diese Grosskonzerne bestehen? Welche Marktanteile streben Sie in den einzelnen Segmenten an?
Quickline ist ein Schweizer KMU. Wir sind 100% in den Händen unserer Schweizer Aktionäre. Die Wertschöpfung bleibt in der Schweiz. Und das bleibt auch so. «Swissness» ist eine unserer Stärken, die (regionale) Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden eines unserer Differenzierungsmerkmale. Wir sind kein anonymer Grosskonzern. Wir sind menschlich, ehrlich und transparent. Diese Qualitäten werden uns auch durch unabhängige Tests immer wieder bestätigt. Quickline ist «Einfach näher dran.».
«Quickline ist ein Schweizer KMU. Wir sind 100% in den Händen unserer Schweizer Aktionäre. Die Wertschöpfung bleibt in der Schweiz. Und das bleibt auch so.»
Netflix kostet in der Schweiz mittlerweile fast 30 Franken pro Monat. Wie nutzt Quickline diese Preiseskalation der Streaming-Anbieter für die eigene Positionierung? Welche Preisstrategien verfolgen Sie beim TV-Angebot?
Quickline hat bereits im Herbst 2025 ein neues Produktportfolio eingeführt. Dieses bietet nur noch ein TV-Abo an, welches keine Kompromisse in der Unterhaltungsqualität und -vielfalt macht. Mit einem Abo von 20 Franken/Monat erhalten die Kundinnen und Kunden nebst einer kostenlosen TV-Box auch Zugang zu Mobile und Web TV. Mit 2’000 Stunden Aufnahmen und 200 Stunden Archiv bietet das Abo nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für Aufnahmen. Quickline TV ist das Tor zur Unterhaltung: Durch die Vorinstallation der meistgenutzten Streamingdienste wie Netflix, Sky, oneplus, oder Disney+ benötigt man keinen Google Account, um diese zu nutzen. Nebst den kostenpflichtigen Streamingdiensten gibt es auch eine Vielzahl hervorragender kostenloser Optionen wie Play Suisse, ARTE, 3Sat oder Toggo. Des Weiteren bieten wir über unseren Replay Guide eine grosse Auswahl an Filmen und Serien, übersichtlich nach Genre sortiert. Diese können die Kundinnen und Kunden mit dem Abo kostenlos geniessen, so dass nicht ein weiterer kostenpflichtiger Streamingdienst abonniert werden muss.
Sie führen nun ein Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden und einem komplexen Verbund regionaler Partner. Welche operativen Projekte beschäftigen Sie als CEO aktuell am meisten? Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für 2026?
Als CEO eines KMU bin ich in den meisten grösseren Projekten involviert. Mein Fokus liegt dabei auf den Projekten, welche Kundenwirkung zeigen, zur betrieblichen Stabilität und zum technischen Fortschritt beitragen, auf der Weiterentwicklung des B2C-Kundengeschäfts, sowie natürlich auf den Projekten mit unseren Aktionären und Partnern. Auch die Führungsaufgabe als CEO von Quickline, einem KMU mit einer schon fast familiären Unternehmenskultur, macht mir Spass und beansprucht meine Zeit.
Der Schweizer Glasfaserausbau (FTTH) schreitet voran, und Quickline ist traditionell stark im Kabelnetz verankert. Wie bereiten Sie sich auf eine Zukunft vor, in der Glasfaser das dominante Zugangsnetz wird? Investieren Sie in eine eigene Glasfaser-Infrastruktur oder setzen Sie auf Wholesale-Partnerschaften?
Als Quickline sind wir einerseits Dienstleisterin für die Netzbetreiber, andererseits Telekommunikationsanbieterin für Endkunden. Im ersten Fall gehören die Netze den Netzbetreibern und somit sind sie auch für die Netzstrategie zuständig. Viele unserer Verbundpartner sind beim Umbau auf FTTH-Netze weit fortgeschritten, andere haben den Netzumbau bereits abgeschlossen. Im zweiten Fall setzen wir auf Drittnetze mit verschiedenen Technologien, um unsere Produkte den Kundinnen und Kunden in der ganzen Schweiz anzubieten. Unser Produktportfolio ist schon seit vielen Jahren technologieneutral.
Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei. Wie sehen die aus?
Der erste wäre, dass möglichst viele Menschen in der Schweiz die grossartige Quickline-Kundenerfahrung und -Produkte erleben können und wir weitere Partner in den Quickline-Verbund aufnehmen können. Ein zweiter wäre, dass sich die globale Lage etwas stabilisiert und wieder etwas Ruhe im Weltgeschehen einkehrt.
